So züchte ich Welse

Wolfgang Keller, Dr. Rainer Hoyer                    Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Was macht man, wenn man zu einer Zeit, in der ein gewichtiges Jubiläum eines Vereins seine Schatten vorauswirft, Mitglied ebendieses Vereins ist und natürlich aufgefordert wird, seinen Beitrag zum Gelingen des  anstehenden Festaktes zu leisten.

Wenn man nun ein Experte wäre, könnte man sich über mehrere Seiten über sein Spezialgebiet auslassen. Da ich (W. K.) mich aber bis heute nicht dazu entschließen konnte meine Zierfischambitionen auf ein kleines Gebiet der Aquaristik zu beschränken, habe ich nun die Qual der Wahl.

Also will/soll ich nun etwas über meine „Erfolge“ in der Welszucht berichten.

Schon seit Beginn meiner „Aquarianerlaufbahn“ interessierten mich nicht unbedingt die farbigsten sondern eher die skurrilsten Vertreter der Zunft. Und dazu gehören sicherlich die Welse. Kaum eine Gruppe ist so vielgestaltig sowohl in ihrem Aussehen als auch in ihrem Verhalten.

Es gibt unter ihnen Frei-, Haft-, Verstecklaicher, Schaumnestbauer, Maulbrüter und sogar „Kuckuckswelse“, die ihre Eier von anderen Fischen ausbrüten lassen.

Meine persönlichen Erfahrungen in der Zucht beschränken auf wenige Vertreter (Corydoras „schulzei“, Corydoras paleatus, Aspidoras spec., Loricaria „filamentosa“, roter Hexenwels, Ancistrus spec., Otocinclus cf. notatus?, Sturisoma nigrirostrum, Sturisoma „panamense“, Farlowella spec. und Hoplosternum thoracatum.
(Die in „“ gesetzten Artnamen waren zu dieser Zeit gebräuchlich.)

Allen diesen Arten ist gemein, dass man sie zur Zucht nicht anzusetzen braucht, sondern es genügt, sie in einem Aquarium allein zu hältern. Einige laichen auch im sogenann-

 

ten Gesellschaftsaquarium. (Corydoras, Aspidoras, Ancistrus). Überhaupt stellte es sich heraus, dass es bei einigen Arten das größte Problem ist, sie zum Laichen zu bringen, was mir z. B. bei Corydoras cf. melanistius, und Bratpfannenwelsen niemals gelang.

Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht das richtige Futter hatte. Welse sind keine Abfallvertilger, die so nebenbei von den Resten leben, sondern oft wahre Fressmaschinen.

Bei Corydoras ist Wurmfutter (Tubifex) sicherlich am geeignetsten.

Bei anderen Arten (Farlowella, Sturisoma) war es schwierig, ein geeignetes Futters zur Aufzucht zu finden.

Sind „Hexen-“, Panzer- und Schwielenwelse vom Schlupf bis zu ihrem Tod karnivor und Farlowella herbivor so ändern Sturisoma ihre Nahrungsgewohnheiten drastisch. Frisch geschlüpfte Sturisoma fressen am besten Rädertierchen, und dann auch nur die, die sich als ein gelber Schleim im Kescher absetzen. Hat man dieses Futter zur Hand, ist die verlustfreie Aufzucht ein Kinderspiel. Das Wachstum ist bei reichlicher! Fütterung und täglichem! 100%-igem Wasserwechsel enorm. Nach einigen Wochen beginnen sie, ihre Ernährung auf pflanzliche Stoffe (Flocken, Pellets u.ä.) umzustellen und Erwachsene fressen eigentlich kein tierisches Futter mehr (Wasserflöhe,...).

Die doch auf den ersten Blick recht ähnlichen Farlowella fressen überhaupt kein Staubfutter. Man kann bei dieser Art getrost auf Tümpeltouren verzichten.

Die richtigen Pellets staubfein gemahlen und ein regelmäßiger (täglicher) Wasserwechsel garantieren auch hier eine verlustfreie Aufzucht!

 

 

 

Ein kleiner Schwarm Daphnien beugt einer Infusorienentwicklung vor, gegen die kleine Farlowella recht empfindlich sind.

Dass die Zucht auch anders möglich ist, zeigen Beiträge in verschiedenen Zeitschriften. Oft wird als Futter Artemia und Salat empfohlen. Ob die so aufgezogenen Jungtiere die Größe von Wildfängen erreichen ist zumindest zweifelhaft, da oft auch von größeren Ausfällen bei der Aufzucht berichtet wird. Offensichtlich sind Artemia, Salat und Co. nur ein unzureichender Ersatz.

Bei den anderen im Beitrag erwähnten Arten gibt es eigentlich überhaupt keine Schwierigkeiten. Sie fressen Staubfutter (Corydoras, Aspidoras, Hexenwelse, Schwielenwelse) bzw. sofort Flocken und Pellets jeglicher Art (Ancistrus).

Ebenso ist sicher allen bekannt, dass die Männchen bei den allgemein als Saugwelse bezeichneten Welsen und bei den Schwielenwelsen Brutpflege treiben. Man kann also die Eier in Ruhe von der Scheibe (Panzerwelse, Sturisoma, Farlowella) vom Styropor (Schwielenwelse) absammeln bzw. das ganze Versteck (Hexenwelse, Antennenwelse) herausnehmen und in ein Aufzuchtbecken überführen.

Die oft am Anfang eines Zuchtberichtes anzutreffenden Wasserwerte hätte ich fast vergessen zu erwähnen, da sie für die hier vorgestellten Arten relativ belanglos sind. Ich weiß nicht, ob die Arten in extrem hartem Wasser zu züchten sind, aber bis 20 °dGH und 8 °KH geht es bestimmt. Und wenn dann der pH-Wert nicht in extremen Bereichen liegt, kann gar nichts schief gehen.

Der Koautor ist ebenso wenig auf die Haltung und Zucht von Welsen der unterschiedlichen Arten spezialisiert. Sie bilden jedoch eine gute Ergänzung zu den sonstigen gepflegten und gezüchteten Arten. So bilden z. B. Corydoras-Arten einen guten

 

Kontrast zu vielen anderen Fischen, da sie nahezu ausschließlich die unteren Partien des Aquariums bewohnen und sich mit Oberflächenfischen oder solchen der mittleren Wasserpartien nicht ins Gehege kommen.

Wenn man schon Panzerwelse pflegt, wird man auch bemüht sein, sie zu vermehren. Einer der attraktivsten Vertreter dieser Gattung ist Corydoras panda. Eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht ist tatsächlich, sie überhaupt dazu zu bringen, Laich anzusetzen. Nach meinen Erfahrungen ist eine wesentliche Grundlage dafür die Fütterung mit Tubifex. Hat man dazu keinen Zugang, ist die Haltung zwar unproblematisch, da die Tiere ebenso gut Cyclops, Daphnien oder Trockenfutter fressen, aber eben keinen Laich ansetzen. Hat man diese erste Hürde überwunden, laichen sie über einen längeren Zeitraum, wobei es angebracht ist, auf zwei Weibchen mindestens drei bis fünf Männchen anzusetzen, da ansonsten die Befruchtungsrate zu gering ist. Selbst dann bleibt ein Teil unbefruchtet und die Eier werden am zweiten Tag nach dem Ablaichen weiß und müssen umgehend entfernt werden. Corydoras betreiben keine Brutpflege, stellen bei einer guten Fütterung aber auch in der Regel ihrem Laich nicht nach. Trotzdem empfiehlt es sich, die Eier nach dem Ablaichen zu entfernen, allein schon, um sie in einem Aufzuchtbecken gezielt ernähren zu können. Die Entnahme ist sehr einfach, da die Eier außerordentlich hartschalig sind und mit dem Finger von Blättern, Glasscheiben oder Einrichtungsgegenständen abgelesen werden können. Als Aufzuchtbecken benutze ich ein 1 Liter-Aquarium, das mit dem Wasser des Zuchtbeckens gefüllt und zur Temperierung in ein größeres Becken eingehängt wird. Wenn man unbefruchtete oder abgestorbene Eier rechtzeitig abliest, kann auf ein pilzverhütendes Mittel verzichtet werden. Nach dem Freischwimmen müssen die kleinen Welse mit Cyclopsnauplien oder Rädertierchen angefüttert werden. Um abgestorbenes Futter, das von den Tieren

 

 

 

nicht mehr gefressen wird, zu entfernen, setze ich Posthornschnecken oder noch effektiver kleine Apfelschnecken in das Becken. Selbstverständlich ist in so einem kleinen Becken ein regelmäßiger Wechsel unerlässlich. Die weitere Fütterung mit Cyclops oder Trockenfutter ist problemlos. Besonders schnell wachsen die Fische bei einer Fütterung mit (anfangs gehackten) Tubifex. Fein gehacktes Tubifex ist auch zum ersten Anfüttern gut möglich. Auf diese Weise habe ich neben C. panda auch C. paleatus und Aspidoras menezesi erfolgreich vermehrt.

Bei einer Reise der Autoren in das nördliche Pantanal in Brasilien gelang uns der Fang von C. hastatus in erstaunlichen Stückzahlen. Mit einem Kescherzug waren nicht selten 50 und mehr Tier im Netz. Die dort gemessenen Wasserwerte sind im Beitrag „Auf der Suche nach Apistogramma“ in diesem Heft abgedruckt. Begleitfische waren neben Apistogramma commbrae auch Aequidens spec. und eine Vielzahl unterschiedlicher Salmler, darunter z. B. der Trauermantelsalmler.

Auf dieser Reise konnten wir am Rio Tapajos in der Nähe der Stadt Santarem nahe der Mündung in den Amazonas in einem Totwasser, das in der Regenzeit mit dem Fluss verbunden ist, einen außerordentlich attraktiven Wels aus der Gruppe der Saugwelse fangen, der dem in unseren Aquarien inzwischen heimischen Weißpunktancistrus sehr ähnelte. Die dort gemessenen Wasserwerte entsprachen denen eines typischen Klarwasserflusses mit einer kaum nachweisbaren Leitfähigkeit und einer Wasserhärte unter der Erfassungsgrenze. Wegen eines Defektes des pH-Meters konnte der pH-Wert leider nicht gemessen werden. Die Saugwelse wurden unter abgestorbenen, im Wasser liegenden Ästen und Baumstämmen gefangen. Auch hier fanden wir mit Apistogramma cf. pertense einen Vertreter dieser Fischgruppe aber auch den Raubsalmler Hoplias malabaricus

 

File5603klein

.Corydoras paleatus

 

 

File3415klein

File3419klein

File3424klein

Totwasser am Rio Tapajos

Weißpunktancistrus

Hoplias malabaricus, Beifang

 

Zurück zur Inhaltsangabe

Zum nächsten Artikel