So züchte ich: Buntbarsche aus dem Malawi- und Tanganjikasee

Dr. Rainer Hoyer                                                 Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Richtigerweise müsste die Überschrift lauten: „So züchtete ich ...“, denn seit Mitte 1984 habe ich mich den kleineren Buntbarschen, insbesondere der Gattung Apisto-gramma zugewandt. Nach meinen Aufzeichnungen waren die letzten Tiere aus dem Tanganjikasee, die ich gepflegt habe, Labeotropheus trevevasae.

Der Malawi- und der Tanganjikasee ist im ostafrikanischen Grabenbruch zu finden. Die Seen sind nach unseren Vorstellungen wegen ihrer Größe eigentlich fast Süßwasserbinnenmeere. Es handelt sich um weitgehend abgeschlossene Seen, die einen Austausch von Fischen mit anderen Gebieten unmöglich machen. Die lange Isolation hat deshalb eine Vielzahl endemischer Fische, vor allem eben auch bei den Cichliden hervorgebracht. Durch die Eigenheiten der Küsten – im Malawisee vor allem felsige Abschnitte – haben sich die Tiere den Gegebenheiten angepasst und ihren Nahrungserwerb darauf eingestellt. Die „Mbuna“ des Malawisees weiden die auf den Felsen aufsitzenden Algen mit den darin lebenden Kleinstlebewesen regelrecht ab. Sie sind dabei weitestgehend territorial und besetzen eigene Reviere. Das bedingt eine teilweise durchaus beachtliche, vor allem innerartliche Aggression. Andere Arten haben sich auf die weiten Sandflächen spezialisiert. Besonders im Tanganjikasee haben sich dabei einige Sonderlinge herausgebildet. Die Fadenmaulbrüter bauen zum Beispiel riesige Sandburgen, aus denen heraus die Männchen die vorbeischwimmenden Weibchen anbalzen. Kleinere Cichliden nutzen wegen der fehlenden Versteckmöglichkeiten leere Schneckenhäuser als Bruthöhle.

In den beiden Seen hat sich als eine dominierende Brutpflegeform bei Cichliden die Maulbrutpflege herausgebildet. Diese Brutpflegeform garantiert einen hohen Bruterfolg. Entsprechend gering ist auch die Zahl

 

der abgegebenen Eier. Sehr oft musste ich auch feststellen, dass ein Großteil der Eier unbefruchtet war. Die Eiablage ist in der Literatur inzwischen so häufig und detailliert beschrieben worden, dass ich an dieser Stelle darauf verzichten möchte.

Die Schneckenbarsche sind dagegen Versteckbrüter.

An das Wasser stellen die Buntbarsche des Malawi- und Tanganjikasees keine großen Ansprüche, wenn es nur nicht zu weich und zu sauer ist. Unser Leipziger Leitungswasser ist mit seinen rund 18 odH und einem pH-Wert um den Neutralpunkt ohne Vorbehandlung einsetzbar.

Die Buntbarsche des Malawi- und Tanganjikasees sind natürlich in ihrer Körpergröße je nach Art sehr unterschiedlich. Entsprechend unterschiedliche Beckengrößen müssen deshalb gewählt werden. Über lange Jahre habe ich Neolamprologus ocellatus gepflegt und vermehrt. Sie gehören zu den vorher beschriebenen Schneckenbarschen. Die Tiere werden nicht größer als 6 – 7 cm. Die Weibchen bleiben sogar noch kleiner. Ein Becken in den Bodenmaßen 50 x 30 cm war für ein Männchen und 2 –3 Weibchen völlig ausreichend. Der Bodengrund sollte aus grobem Sand bestehen, da die Tiere ihre Schneckenhäuser oft und gern an andere Stellen transportieren. Als Unterschlupf habe ich die Gehäuse von Weinberg- und großen Apfelschnecken angeboten. Sie wurden auch willig akzeptiert. Waren sie zu klein, schwammen die Tiere oft mit dem Schwanz voran in das Schneckengehäuse ein. Ergänzt wurde die Einrichtung durch einige Anubias und einen luftbetriebenen Schwammfilter. Wenn dann das Weibchen sich nicht mehr im Freien blicken ließ, bestenfalls wurde ein Blick riskiert, konnte man davon ausgehen, dass die Tiere gelaicht hatten. Wenn an eine Nachzucht gedacht wird, müssen die Jungtiere rechtzeitig

 

 

 

entnommen und separat aufgezogen werden. Die Kleinen stehen anfangs in der Öffnung des Schneckenhauses. Das geschieht nach ungefähr 7 Tagen. Ich habe es dann in einem kleinen Aufzuchtbecken entleert. Lässt man die Jungfische im Becken, bleiben kaum welche übrig. Sie sind bereits relativ groß und bewältigen schon recht grobes Staubfutter. Die Aufzucht ist bei regelmäßigem Wasserwechsel nicht kompliziert. Die Jungen wachsen aber nicht sehr rasch. Pro Brut habe ich nie mehr als 15 Jungfische erzielt.

Anders dagegen muss das Becken für Nimbochromis venustus, früher der Sammelgattung Haplochromis als Haplochromis venustus zugeordnet, dimensioniert und ausgestattet werden. Auch diese Art ist im Malawisee endemisch. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht sonderlich. Insbesondere bei Jungfischen sind die Geschlechter nicht zu unterscheiden. Die Tiere erreichen durchaus eine Größe von mehr als 15 cm und sind untereinander, vor allem das Männchen gegenüber nicht laichwilligen Weibchen, recht ruppig. Ich habe ein Männchen mit drei Weibchen in einem 100 l großen Becken gehalten und wiederholt Nachzuchten erzielt. Diese Größe des Aquariums stellt wohl die unterste Grenze dar und darf nicht weiter unterschritten werden. Man sollte besser für diese Art Aquarien mit einem Inhalt ab 200 l vorsehen. Im Becken muss durch Steinaufbauten für ausreichend Versteckmöglichkeiten gesorgt werden. Es ist besonders wichtig, dass zu einem Männchen mehrere Weibchen gesetzt werden. Das verteilt die Aggression auf mehrere, so dass es nicht nur ein Ziel gibt. Wenn ein Weibchen gelaicht hatte, was unschwer am aufgeblähten Kehlsack zu erkennen war, habe ich es in ein separates Becken eingesetzt. Die Eier sind sehr groß und dotterreich. Die Tragezeit beträgt über 15 Tage. Da die Weibchen in dieser Zeit keine Nahrung aufnehmen, wären sie am Ende der Tragezeit sehr geschwächt. Außerdem tritt bei einer Hälterung außerhalb des gemeinschaftlichen Beckens eine Entfremdung ein, die das Zurücksetzen immer zu einem Risiko macht. Ich habe deshalb nach acht Tagen die

 

 Larven vorsichtig aus dem Maul der Mutter geschüttelt und sie in einem Sieb mit einer darunter angebrachten Belüftung gehältert. Wenn sie dann freischwimmen, werden sie in ein Aufzuchtbecken überführt und mit fein gesiebten Cyclops gefüttert. Auf Grund der Größe der Eier und der damit verbundenen langen Entwicklungszeit sind sie dann schon recht groß.

Entsprechend ihrer Größe benötigen ausgewachsene N. venustus entsprechend große Futterbrocken. Als Hauptnahrung erhielten sie bei mir zerkleinertes Rinderherz, das gemeinsam mit Spinat und einer Vitaminzugabe zu einem Brei verrührt und anschließend tiefgefroren wurde. Darüber hinaus wurde Lebendfutter gereicht. Besonders gut ließen sich die Larven von Furchenschwimmern sowie große Daphnien verfüttern. Aber auch Mückenlarven wurden gut angenommen.

Ein nicht ganz unproblematischer Pflegling ist Topheus duboisi aus dem Tanganjikasee, denn auch hier herrscht eine beträchtliche innerartliche Aggression. Es ist nahezu unmöglich, zu einem Trupp eingewöhnter Tiere neue hinzuzufügen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich bestenfalls in der Größe. Ich habe T. dubiosi in einem 140 l Becken mit reichlich Steinaufbauten gemeinsam mit Mbunas gepflegt. Als nach einigen Jahren nur noch ein Paar übrig geblieben ist, das sich recht gut vertrug, war es eines Tages doch so weit, dass das Männchen während meiner Abwesenheit das Weibchen zu Tode gehetzt hatte.

T. duboisi haben extrem große Eier, die ungefähr Erbsengröße erreichen. Entsprechend wenige werden gelegt und sehr lange, bis zu sechs Wochen, ist dann auch die Tragezeit der brutpflegenden Weibchen. Hier war es bei dem relativ kleinen Becken besonders wichtig, das Weibchen nach dem Laichen herauszufangen und dann nach spätestens 6 – 8 Tagen die Eier zu entnehmen und das Weibchen zurückzusetzen.

 

 

 

Dreizehn Jungtiere waren der höchste Zuchterfolg, wobei bei dieser Brut noch drei unbefruchtete Eier hinzukamen.

Von den Mbunas will ich beispielhaft von Pseudotropheus lombardoi berichten. Diese Art ist ein Maulbrüter aus dem Malawisee. Auch hier sind versteckreiche Aquarien angebracht. Wichtig ist ebenso wie bei den vorher beschriebenen Arten die Pflege eines Männchens mit mehreren Weibchen. Um die Aggression darüber hinaus zu dämpfen, ist es vorteilhaft, andere robuste Fische aus dem Kreis der Mbunas zuzusetzen. Die P. lombardoi habe ich unter anderem mit Pseudotropheus esterae rot/rot, Melanochromis brevis, Labeotropheus trevawasae und den vorstehend genannten T. doboisi gemeinsam gepflegt. Die Eizahl bei diesen Fischen ist höher als bei den bisher genannten. Jungfischzahlen über 70 waren keine Seltenheit. Wie vorher beschrieben, wurden bei dieser Art nach 6 – 8 Tagen Tragezeit die Eier von der vorher separat in einem Aquarium gehaltenen Mutter entnommen. Bemerkenswert ist der ausgeprägte Geschlechtsdichromatismus der meisten Mbunas. Sehr häufig herrscht die Farbkombination blaues Männchen und gelbes Weibchen in den unterschiedlichsten Schattierungen, oft mit roten Farbanteilen vor. Die P. lombardoi weichen von diesem Schema ab, denn hier sind die Männchen gelb und die Weibchen blau mit dunkelblauen Streifen.

Die Fütterung dieser Tiere erfolgte wie bei T. duboisi in der Hauptsache mit einer Rinderherz/Spinatmischung.

Ähnlich problemlos gestaltete sich die Haltung und Zucht der Kaiserbuntbarsche der Gattung Aulonacara, von denen ich A. hansbaenschi pflegte und auch wiederholt nachzog. Die Gattung ist auf den Tanganjikasee beschränkt und auch maulbrutpflegend.

Die Haltung und Zucht von Malawi- und Tanganjikabuntbarschen ist nicht sonderlich problematisch. Insbesondere entfällt die mühsame Aufzucht der Jungtiere mit Staubfutter. Auch die Ernährung der Alttiere und die Wasserzusammensetzung stellen keine Probleme dar.

 

Grundvoraussetzung ist allerdings, dass ausreichend dimensionierte Aquarien zur Verfügung stehen. Für die Größe gibt es nach oben keine Grenze. Problematisch ist immer die Pflege in kleineren Becken, wie es aus Platzgründen bei mir notwendig war. Der Pfleger muss dann besonders aufmerksam das Verhalten seiner Pfleglinge be-obachten, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Die von mir gehaltenen Fische waren nicht besonders krankheitsanfällig. Julidochromis marlieri, die ich lediglich gehalten, aber nicht nachgezogen habe, zeigten sich jedoch als außerordentlich empfindlich gegen Kupferionen. Bei der Bekämpfung einer mit Teichfutter eingeschleppten Hydrainvasion mit Kupferblech verstarben die Tiere trotz Wasserwechsel, während andere im Becken befindliche Buntbarsche keine Beeinträchtigung zeigten. Offensichtlich ist die Toleranz gegenüber gewissen Schwermetallionen ausgesprochen artabhängig.

Die Vergesellschaftung mit anderen Fischen muss gut bedacht werden, auch die mit anderen Fischen aus dem Malawi- oder Tanganjikasee. So gelang die Vergesellschaftung von Altolamprologus calvus (früher Lamprologus calvus) mit Mbunas nicht, da sich die Tiere nicht durchsetzen konnten und nicht an das Futter kamen.

Im Laufe der Jahre wurden von mir folgende Buntbarsche aus dem Malawi- und Tanganjikasee gepflegt und vermehrt:

  • Pseudotropheus lombardoi
  • Pseudotropheus esterae rot/rot
  • Melanochromis exasperatus
  • Melanochromis joanjohnsonae
  • Melanochromis brevis
  • Iodotropheus sprengerae
  • Labeotropheus trevawasae
  • Nimbochromis venustus
  • Tropheus duboisi
  • Aulonachara hansbaenschi

 

 

 

File5574klein

File5580klein

File5598klein

File5597klein

Iodotropheus sprengerae, Männchen

Tropheus duboisi, Männchen

Pseudotopheus lombardoi, Männchen

Pseudotropheus lombardoi, Weibchen

 

File5576klein

File5592klein

File5585klein

File5584klein

Julidochromis marlieri

Labeotrophues trevavasae, brutpflegendes Weibchen

Pseudotropheus esterase, Männchen

Pseudotropheus esterae, Weibchen

Zurück zur Inhaltsangabe

Zum nächsten Artikel