So züchte ich: Lebendgebärende Zahnkarpfen

Klaus Maßmann

Es gibt fünf Familien der lebendgebärenden Zahnkarpfen aus Mittelamerika, von Mexiko bis Panama, den Inseln der Karibik, Haiti und Kuba sowie die vorgelagerten Großen und Kleinen Antillen.

  • Lebendgebärende Zahnkarpfen - Poecilidae
  • Hochlandkärpflinge - Goodeidae
  • Halbschnäbler - Hemirhamphidae
  • Linienkärpflinge - Jenynsiidae
  • Vieraugenfisch - Anablepidae

Lebendgebärende Zahnkarpfen sind eigentlich „eierlebendgebärend“. Aus dem Ei schlüpfen beim Ausstoßen die lebenden Jungfische. Der kleinste bekannte lebendgebärende Fisch heißt Heterandria formosa, er ist 1,5 bis 3 cm „groß“.

Einige Informationen zu der Tragzeit und der Anzahl von lebendgebärenden Zahnkarpfen:

  • Guppy - Poecilia reticulata
  • 28 Tage, 100 Stück
  • Segelkärpfling , Poecilia velifera
  • 28 Tage, 100 Stück
  • Black Molly, Poecilia shenops
  • 28 Tage, 100 Stück
  • Schwertträger, Xiphophorus helleri
  • 28 Tage, 20 - 200 Stück
  • Papageienplaty, Xiphophorus variatus
  • 28 - 31 Tage, 100 Stück
  • Platy, Xiphophorus maculatus
  • 28 Tage, 80 Stück
  • Zwergkärpfling, Heterandria formosa
  • 3 Wochen täglich, 10 Tage Pause

 

Von Schwertträgern, Platys und Papageienplatys gibt es jeweils 12 Zuchtformen. Bei der Guppyhochzucht gibt es 12 Schwanzflossenformen nach Standard.

Die Freilandhaltung der lebendgebärenden Zahnkarpfen ist möglich und von Vorteil.

 

Ein kleines Portrat über die Guppys

Im Jahre 1859 wurde der erste Guppy von W. Peters aus Venezuela als konserviertes Exemplar nach Berlin gebracht. Herr Peters hat ihn daraufhin als Poecilia reticulata- Peters 1859 beschrieben. 1909 wurde erstmals ein lebender Guppy nach Deutschland eingeführt, das Stück kostete damals stolze 80 Goldmark.

Die Geschlechtsunterschiede beim Guppy:

Das Männchen ist schlanker und bunter als das Weibchen. Es hat zur Begattung ein Gonopodium. Dies sind verlängerte Flossenstrahlen der Afterflosse, welche frei beweglich sind. Die abgegebenen Samenpakete lagern sich beim Weibchen lebenserhaltend ein. Dadurch kommt es zur Vorratsbefruchtung. Die Guppywildformen sind nicht so farbintensiv wie die Hochzuchtguppys und werden deshalb nicht so häufig gezüchtet, aber Liebhaber haben auch ihre Freude an diesen Fischen. Die Größe der Fische schwankt zwischen 2,5 bis 5 cm. Die Hauptzuchtgebiete der Prachtguppys sind momentan Singapur, Malaysia und Sri Lanka. Dort werden sie in großen Farmen gehalten und gezüchtet. Durch die Massenhaltung treten auch viele Krankheiten auf, die mit diversen Medikamenten behandelt werden. Zum Versand werden zusätzlich Medikamente eingesetzt, um sie länger am Leben zu halten. Wir als Liebhaber und Züchter können dann diese gestressten und zum Teil unfruchtbaren Fische kaufen.

Bei einer Temperatur von mindestens 10 °C und höchstens 35 °C ist die Guppyhaltung noch kurzzeitig möglich. Sie können in Salz,- Brack- und Weichwasser leben. Die idealste Temperatur beträgt 24 - 26 °C , die Jungfische mögen es auch etwas wärmer. Die Guppys sollten nicht länger unter 21 °C und nicht über 32 °C gehalten werden. Alle Fische, nicht nur der Guppy möchten sauberes, klares und frisches Wasser um sich

 

 

 

haben und einen pH-Wert im neutralen Bereich. Auch die beste Filterung ersetzt keinen Frischwasserwechsel. Ein schönes bepflanztes Becken ist eine Augenweide, besonders mit den vielen bunten Guppys. Die Jungfische können sich in den Pflanzen auch gut verstecken, da sie von den älteren Tieren als Futter angesehen werden. In einem normalen Zuchtbecken benötigt man keinen Bodengrund. Dadurch kann man es besser reinigen und die Jungfische kommen nicht im Kies um. Ein häufiger Wasserwechsel fördert das Wohlbefinden, das Wachstum und die Vitalität. Auch das Futter ist sehr wichtig für gesunde Fische. Die Guppys sind „Allesfresser“ , doch bitte beachten Sie: Nicht einmal und reichlich sondern mehrmals und wenig über den Tag verteilt ist besser. Es ist also ratsam, mehrmals und abwechslungsreich zu füttern. Das Futter muss eine fischgerechte Größe haben. Es gibt kleine und auch sehr große Flöhe und Würmer. Wichtig ist ein großer Anteil an pflanzlicher Kost wie Algen, Salat usw. Lebendes Teichfutter ist das günstigste für die Vitalität der Fische.

Die Zucht:

Für die Zucht benötigt man bestes Ausgangsmaterial. Es ist in jedem Falle ratsam, neu erworbene Fische drei bis vier Wochen in einem Quarantänebecken zu beobachten. Dabei muss Vitalität, Wohlbefinden und Fresslust vorhanden sein. Alle lebendgebärenden Fische kann man im Sommer in Freilandteichen pflegen, dies ist besonders für die Farbenpracht und Mobilität günstig. Dabei sollte man aber das Zufüttern nicht vergessen. Die Beckengröße sollte eine Kantenlänge von 50 cm haben, aber lieber etwas größer als zu klein.

Durch die Vorratsbefruchtung der Weibchen ist es nicht unbedingt nötig, dass sich ein Männchen mit im Becken befindet. Wenn aber ein Männchen mit im Becken ist, dann wird sein frischer Samen ausschlaggebend für die Vererbung der Gene sein. Bei guter Fütterung und geeigneter Temperatur wächst nach einem Monat das Gonopodium, dann müsste man die Männchen und Weibchen voneinander trennen, da es durch früh entwickelte Männchen zur Befruchtung der Weibchen kommen kann. Zu der Zucht benötigt man, wenn es möglich ist, jungfräuliche Weibchen. Durch die Inzucht wird der Stamm gefestigt, das

 

heißt: Vater mit Tochter aus der F1 - Generation oder Enkel der F2 - Generation. Wenn der Vater nicht mehr vorhanden ist, nimmt man den besten Sohn der F1 - Generation zur Mutter und zur Schwester der F1- Generation. Ab dem fünften Monat sollte man die Jungguppys zur Zucht nutzen. Da sieht man dann erst einmal, wie sich die Männchen entwickelt und eingefärbt haben. Es muss immer das größte, farblich den Vorstellungen und Standards des Züchters entsprechende Männchen zur Weiterzucht verwendet werden. Man muss aber auch daran denken, dass die Form vor der Farbe bei den Fischen kommt. Man unterscheidet 12 Guppyzuchtformen, die etwas über die Rücken- und Schwanzflossenform aussagen.

Flossenformen im Überblick nach Standard:

Bild1

Man benötigt etwa fünf bis sieben Becken pro Stamm. Bei der Zucht ist ein gutes Augenmaß für Farbe und Form der Fische

 

 

 

notwendig, außerdem gehört viel Durchhaltevermögen dazu.

Farben   Deckfarben

  • grau   snakeskin
  • albino   halbschwarz
  • blond   moskauer
  • pink   metallic/platinum
  • blau   neon
  • gold   japanblau
  • Wiener Smaragd

In Deutschland existieren derzeit drei Guppyvereinigungen.

  • DGF (Deutsche Guppyförderation e.V.)
  • GGD (Gesellschaft der Guppyzüchter in Deutschland e.V.)
  • DGLZ (Deutsche Gesellschaft lebendgebärender Zahnkarpfen e.V.)

Seit nunmehr 91 Jahren gibt es in Deutschland Guppyausstellungen mit einer Bewertung. Die wohl erste fand 1911 durch unseren Verein „Nymphaea“ statt. Im 887. Sitzungsbericht wurde über eine Ausstellung und Bewertung nach „5 Gesichtspunkten“ berichtet. Welche Gesichtspunkte das damals gewesen sind, ist nicht überliefert.

Die Ausstellungen finden heute in Deutschland, Polen, Tschechien, Slowakei, Österreich, Schweden, Belgien, Frankreich, Niederlande, USA, Japan und Brasilien statt. Es werden sogar mit den kleinen Fischen Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen. Durch gut geschulte Bewertungsrichter werden nur die besten Fische mit Pokalen und Urkunden ausgezeichnet. Wenn man an einer Ausstellung teilnehmen möchte, benötigt man gute gesunde Fische. Wie ich aus Erfahrung sagen kann, ist die Guppyzucht ein interessantes und langwieriges Hobby. Auf den vielen Meisterschaften erkennt man, was sich im Laufe der Zeit an Form und Farbe entwickelt hat. Zur Teilnahme an einer Ausstellung ist es notwendig, entweder einen Männchen-Weibchen-Satz, als Paarausstellung oder drei Weibchen zu nominieren.

Bild302 

 

Üblicherweise bevorzugt man drei Männchen, diese müssen möglichst genau in der Farbe, der Flossenform und der Größe übereinstimmen. Nun hat der Züchter die Aufgabe, die drei gleichen Fische zu finden, was natürlich nicht immer einfach ist. Es  ist daher von Vorteil, wenn man zwei Stämme gleichzeitig züchtet. Denn durch Krankheit kann man sehr schnell gute Tiere einbüßen. Bei der F3 - bis F5 - Generation ist die Farbe und Flossenform stabil. Die Selektion ist bei der Zucht sehr wichtig, um zu „seinen“ Guppys zu kommen.

Ich wurde durch den Vereinsfreund Wolfgang Slawik, einem langjährigen Fischzüchter und internationalen Guppybewertungsrichter auf Ausstellungen an die Guppyzucht herangeführt, was mir bis heute noch viel Freude macht.

BILD 1

mein Ausstellungstier von der Deutschen Meisterschaft 1998: ein Snakeskin-Doppelschwert-Guppy

BILD 2

halbschwarz-roter Triangelschwanz-Guppy

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