So züchte ich: Labyrinthfische

Dr. Rainer Hoyer                                                 Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Der Name “Labyrinthfische” steht als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Fischen, die über eine besondere Möglichkeit für eine zusätzliche Atmung neben der normalen Kiemenatmung verfügen. Es handelt sich dabei um ein stark durchblutetes Organ, dem Labyrinth, nahe der Kiemenhöhle. Es befähigt die Fische durch Luftschöpfen an der Wasseroberfläche zur direkten Aufnahme von Luftsauerstoff, indem dieser im Labyrinth unmittelbar über die Haut in das Blut diffundiert. Diese Zusatzatmung stellt eine Anpassung an widrige Umstände der Umwelt dar. Labyrinthfischen ist es damit möglich, auch in Gewässern auszudauern, in denen der Sauerstoffgehalt außerordentlich gering ist. Das kann der Fall sein, wenn das Wasser stark organisch belastet ist, zum Beispiel durch hohe Anteile an verrottender Biomasse, aber auch durch hohe Temperaturen in flachen, stark besonnten Gewässern. Diese zusätzliche Atmung kann durchaus so ausgeprägt sein, dass die Kiemenatmung so weit reduziert ist, dass die Fische bei einer Unterdrückung der Labyrinthatmung nicht überlebensfähig sind. Besonders gut ist dieses Organ beim Kletterfisch Anabas testudineus ausgeprägt, der sich durchaus längere Zeit außerhalb des Wassers aufhalten kann, wenn eine ausreichend hohe Feuchtigkeit gegeben ist.

Labyrinthfische kommen im Süden und Westen Afrikas und im Süden und Osten Asiens vor. Die afrikanischen Vertreter sind nicht sehr artenreich und bis auf die Buschfische der Gattung Ctenopoma aquaristisch weniger bekannt. In Asien haben sich dagegen eine Vielzahl von Arten herausgebildet, die auch aquaristisch weit verbreitet sind. Beispielsweise gehören die Zwergfadenfische der Gattung Colisa zum Standardsortiment der zoologischen Handlungen ebenso wie Blaue Fadenfische Trichogaster trichopterus oder Mosaikfadenfische Trichogaster leeri. Bekannt ist auch der Kampf-

 

fisch Betta splendens und seine Zuchtformen.

Während ich mich bis auf eine kurzzeitige Haltung des Pfauenaugen-Buschfisches Ctenopoma oxyrhynchum mit afrikanischen Labyrinthfischen nicht beschäftigt habe, konnte ich bisher eine beträchtliche Zahl asiatischer Arten halten und vermehren, aber auch bei verschiedenen Reisen in die Herkunftsgebiete selbst fangen und dabei die Wasserwerte in den Herkunftsgebieten bestimmen.

Die wohl weiteste Verbreitung dürfte der Kletterfisch A. testudineus haben. Ich konnte ihn von Sri Lanka im Westen, auf der malaysischen Halbinsel ebenso wie auf Bali im Osten fangen. Er zeigte dabei keine unterschiedlichen Varianten, sondern war immer gleich in Form und Farbe. Kletterfische besiedeln sowohl lehmtrübe Gewässer und Reisfelder, aber auch klare Bäche, wobei immer verkrautete Bereiche bevorzugt werden. Er ist damit außerordentlich anpassungsfähig. Beim Fang versucht er geschickt, durch schlängelnde Bewegungen dem Netz zu entkommen, was ihm auf Grund seiner Kiemendornen und der rauen Haut auch oft gelingt. Diese Art ist recht aggressiv. Ich habe sie bisher nicht im Aquarium gehalten.

Eine ebenfalls weit verbreitete Labyrinthfischart ist Trichogaster trichopterus, die ich sowohl auf der gesamten malaysischen Halbinsel als auch auf Borneo fangen konnte. Auch diese Art kommt in den verschiedensten Biotopen vor und ist einer der häufigsten Fische. Seine Farbe variiert von stumpfem blaugrau bis zu orangegrauen Farbtönen. In der Aquaristik sind mehrere Zuchtformen verbreitet, die die Wildform in der Farbigkeit übertreffen.

Ebenso weit ist der Knurrende Gurami Trichopsis vittata in diesen Gebieten verbrei-

 

 

 

tet. Auch ihn konnte ich in den unterschiedlichsten Gewässertypen fangen.

Eine weitere Anpassung der Labyrinthfische an oft sehr sauerstoffarme Gewässer zeigt sich in der Vermehrung. Eine große Anzahl bedient sich nämlich dazu eines Schaumnestes, das aus ausgepressten, mit Speichel umhüllten Luftblasen errichtet wird. Je nach Art kann es entweder sehr klein sein und aus nur wenigen Luftblasen bestehen oder großflächig aus einer mehr oder weniger dichten Schicht erbaut werden. Die Schaumnester anderer Arten sind kleinflächig, dafür aber hoch gebaut.

Eine weitere Fortpflanzungsstrategie, die in der Gattung Betta verbreitet ist, besteht in der Maulbrutpflege.

Die meisten der asiatischen Labyrinthfische sind relativ klein und bleiben friedlich. Bekannt von den kleineren Arten, die von dem Schema jedoch abweicht, ist der Siamesische Kampffisch Betta splendens, der in seinem Heimatgebiet Malaysia speziell zu Schaukämpfen, bei denen die Einheimischen oft beträchtliche Summen verwetten, in Züchtereien vermehrt wird.

Eine weitere, jedoch größer werdende und durchaus ruppige Art ist der Ceylon-Makropode Belontia signata, den ich in Sri Lanka in klaren, stark fließenden Gewässern sehen konnte. Das Männchen baut ein aus nur wenigen Luftblasen bestehendes Nest. Die Eier schwimmen auf Grund ihres Ölgehaltes an der Oberfläche und werden vom Männchen mit großer Aggressivität verteidigt, wobei das Weibchen aber nicht energisch vertrieben wird. Ich habe sie in einem Aquarium von 120 cm Kantenlänge vermehrt. Diese Größe sollte nicht unterschritten werden. Es wurde zur Zucht unbehandeltes Leipziger Leitungswasser mittlerer Härte und neutralem pH-Wert verwendet. Zur Aufzucht wird ein Teil des umfangreichen Geleges entnommen und separat aufgezogen. Die Tiere dürfen auch nur mit anderen robusten Fischen vergesellschaftet werden. Ceylon- Makropoden sind

 

sowohl hinsichtlich ihrer Färbung als auch der Gestalt schöne Tiere und können für größere Becken sehr empfohlen werden. Sie sind im zoologischen Handel aber nur selten anzutreffen.

Recht einfach ist die Zucht einer Reihe anderer friedlicher Labyrinthfische, wie z. B. der Blauen Fadenfische, die ihren Trivialnamen von den ausgezogenen Bauchflossen, die in trübem Wasser der Orientierung dienen, erhalten haben. Die Männchen der Blauen Fadenfische bauen ein großflächiges, oftmals auch hohes Schaumnest und laichen darunter in der üblichen Art der Labyrinthfische unter Umschlingen des Weibchens, wobei es auf den Rücken gedreht wird, ab. Die Gelege sind in der Regel mehrere hundert Eier stark und werden vom Männchen, das nach dem Ablaichen, aber auch in den Pausen zwischen den einzelnen Laichakten das Weibchen vertreibt, bis zum Freischwimmen betreut und auch mit einigem Nachdruck verteidigt. Die Wasserwerte spielen hinsichtlich der Härte und in Grenzen auch des pH-Wertes keine große Rolle. Zur Nachzucht kann sowohl das Gelege als auch die Larven vor dem Freischwimmen entnommen werden. Zum Anfüttern wird ein recht feines Tümpelfutter verwendet, da die Jungfische wie bei den meisten Labyrinthfischen sehr klein sind.

Ebenfalls einfach ist die Vermehrung des Zwergfadenfisches Colisa lalia. Er kommt in Indien vor. Es existieren von ihm inzwischen einige Farbformen, wobei die Stammform bei schönen Stämmen ausgesprochen prächtig gefärbt ist. Eine hübsche Zuchtform ist der Rote Zwergfadenfisch. Bei Zwergfadenfischen kommt es ganz besonders auf ein Anzuchtfutter in entsprechend geringer Größe und guter Qualität zum richtigen Zeitpunkt zur Erzielung qualitativ hochwertiger Bruten an. Selbstverständlich stellt Tümpelplankton, fein gesiebt, das beste Aufzuchtfutter für die ersten Lebenstage dar. Salinenkrebsnauplien, die ich selbst generell nicht verwende, sind für die ersten Tage zu groß. Es hat sich ge-

 

 

 

zeigt, dass ein tropisches Pantoffeltierchen in Kultur gehalten, ebenfalls zur Erstfütterung eingesetzt werden kann, wenn Tümpelplankton nicht verfügbar ist. Ich setze es mit gutem Erfolg in Kombination gemeinsam mit Cyclopsnauplien ein, da die Pantoffeltierchen auch höhere Temperaturen über längere Zeit tolerieren. Bruten, die nicht optimal aufgezogen worden sind, erreichen nie eine so gute Körpergestalt und gleich gute Farben, wie solche bei optimaler Haltung. Insbesondere treten dann sogenannte „Knickköpfe“ auf, bei denen im Stirnprofil eine deutliche Einkerbung zu sehen ist. Die ersten Nachzuchttiere färben sich bei mehrmaliger täglicher Fütterung, nach der Nauplien- und ersten Cyclopsphase auch mit hochwertigem Frostfutter, bereits nach 10 – 11 Wochen ein. Mit 16 Wochen kann mit der ersten Fortpflanzung gerechnet werden. Voraussetzung ist aber neben optimaler Fütterung und ständiger Wasserpflege durch Filterung, Belüftung und Wasserwechsel eine mindestens einmalige, besser zweimalige Sortierung nach Größe, da Zwergfadenfische trotz bester Bedingungen deutlich auseinander wachsen. Die in der Größe zurückgebliebenen Tiere wachsen mit den größeren in einem gemeinsamen Becken nicht weiter. Separiert man sie jedoch rechtzeitig, erreichen sie nur kurze Zeit später die Größe der vorwachsenden Fische, ohne dass sie an Qualität einbüßen. Besonderes Augenmerk muss man auf die Auswahl der Zuchttiere richten. Wenn man das nicht beachtet, verlieren die Zuchtstämme schnell an Qualität. Neben der Färbung muss dabei auch auf die Körperform geachtet werden. Im zoologischen Handel sind meist Nachzuchten aus Südostasien zu finden. Sie sind an der massigen Körpergestalt zu erkennen. Sie sehen zwar oft bestechend schön aus, verschiedene Versuche zur Nachzucht sind bei mir aber regelmäßig fehlgeschlagen. Sie waren einfach nicht zum Ablaichen zu bewegen. Einheimische Nachzuchten haben oftmals nicht die entsprechende Qualität. C. lalia vermehre ich gemeinsam mit Apistogramma in Becken von nur ca. 20 l Inhalt im

 

paarweisen Ansatz. Man muss dem nicht laichreifen Weibchen Versteckmöglichkeiten bieten, da sie sonst zu stark getrieben werden. Dazu habe ich Javamoos in die Becken gegeben. Die Oberfläche ist mit Javafarn und Salvinia abgedeckt. Das Wasser ist durch Regenwasser auf geringere Härte und Leitfähigkeit sowie auf einen leicht sauren pH-Wert eingestellt. Solche Wasserwerte sind aber nicht Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermehrung. Früher habe ich C. lalia, aber auch C. chuna (sota) in Leipziger Leitungswasser ohne Probleme zum Ablaichen gebracht. C. lalia-Männchen können sich durchaus gegen die Männchen von Apistogramma durchsetzen, wenn sie sich auf das Laichgeschäft vorbereiten oder ein Schaumnest betreuen. In das Schaumnest werden pflanzliche Materialien, wenn vorhanden, bevorzugt Bart- oder Fadenalgen eingebaut. Das Schaumnest wird für den Schlupf kurz nach dem Ablaichen entnommen und in einem kleinen 1-Liter-Becken mit Belüftung, das zur Temperierung in ein größeres beheiztes Becken eingehängt ist, untergebracht. Ein pilzverhütendes Mittel ist meist nicht erforderlich, da bei gut konditionierten Paaren die Befruchtungsrate hoch ist. In diesen Becken werden die frei schwimmenden Jungfische dann auch angefüttert. Sie werden nach ungefähr 10 Tagen in ein 5-Liter-Becken überführt und später dann in größeren Becken aufgezogen und wie vorher beschrieben nach der Größe sortiert. C. lalia sind hinsichtlich des Futters wenig wählerisch. Es werden alle Lebendfutterarten der passenden Größe, Frostfutter sowie Trockenfutter angenommen. Die Zuchttiere erhalten ausschließlich Lebendfutter, wie Daphnien, Cyclops sowie weiße und schwarze Mückenlarven je nach jahreszeitlicher Verfügbarkeit.

In Becken mit einer gleichen Einrichtung können auch Knurrende Guramis vermehrt werden. Von den drei Trichopsis-Arten habe ich bisher auf diese Weise T. vittata und T. pumilus nachgezogen. Die Schaumnester sind bei beiden Arten erheblich klei-

 

 

 

ner als bei Colisa oder Trichogaster. T. vittata nehmen unter der Wasseroberfläche eingehängte Blumentöpfe als Laichunterstände gelegentlich, T. pumila regelmäßig an und laichen darin ab. Auch hier wird das Gelege entnommen und wie vorstehend weiter behandelt.

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Linke Seite:

Anabas testudineus in der Fotoküvette

Verkrauteter Tümpel, Fundort von Trichogaster trichopterus

Trichogaster trichopterus nach dem Fang

Trichopsis vittata

Rechte Seite:

Schaumnest von T. trichopterus am Fundort

Kampffischzüchterei in Thailand

Betta splendens Männchen werden in großer Besatzdichte gehalten

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