So züchte ich: Killifische (Eierlegende Zahnkarpfen)

Klaus Breitfeld                                                      Fotos: Archiv Breitfeld

Die Killifische sind im Zoofachhandel nicht alltäglich, nur wenige Arten werden ständig angeboten. Der Reiz ihrer Seltenheit, verbunden mit der außergewöhnlichen Schönheit dieser Fische und den Besonderheiten bei ihrer Zucht, ist für manchen Aquarianer eine ständige Herausforderung, die seinen Ehrgeiz immer wieder aktiviert.

Zuchtaquarium, intensive oder extensive Zucht

Die Einrichtung des Zuchtaquariums leitet sich aus dem Ablaichverhalten der zur Zucht vorgesehenen Fische ab. Es werden Haft- oder Pflanzenlaicher, Bodenlaicher, Übergangs- und Sonderformen unterschieden.

Zur intensiven Zucht sind eine Reihe von Voraussetzungen notwendig, damit der Erfolg die Bemühungen rechtfertigt:

· Die zur Zucht vorgesehenen Killies sollten laichreif und von erstklassiger Qualität sein: Einwandfreier Körperbau, sehr gut ausgebildete Zeichnung und Färbung, bester Gesundheitszustand;

  • Trennung der Geschlechter mindestens eine Woche vor Zuchtansatz, Fütterung mit Kraftfutter, d.h. Mückenlarven oder Enchyträen, deutlich sichtbarer Laichansatz beim Weibchen;
  • Sauberes, hygienisch einwandfreies Aquarium (pro Pärchen mindestens 5 l Wasser);
  • Vorbereitetes Wasser, das den Verhältnissen in der Natur möglichst nahe kommt;
  • Aufstellung des Zuchtaquariums an einem ruhigen Platz bei gedämpftem Licht;
  • Pflanzenbüsche, Laichsubstrat (Laichmopp oder Torfschicht);
  • Erhöhte oder abgesenkte Wassertemperatur;

 

  • Versteckmöglichkeiten für die Weibchen;
  • Tägliches Ablesen der Eier bei Pflanzenlaichern und Überführung des Laichs in eine Kontrollschale;
  • Kräftige Fütterung der Zuchttiere ausschließlich mit Lebendfutter. Einige Arten müssen „im Futter stehen“, damit sie ihren eigenen Laich nicht fressen;
  • Regelmäßiger Wasserwechsel bei Daueransatz (Artaquarium=Zuchtaquarium), Auswechseln des Torfes bei den Bodenlaichern nach 8 bis 14 Tagen;
  • Dicht schließende Deckscheibe auf dem Aquarium, da beim Treiben die Weibchen nicht selten herausspringen wollen.
  • Die intensivste Zuchtmethode besteht darin, die Zuchttiere, nach Geschlechtern getrennt, in einem Artbecken gut zu füttern, bis sich an dem stärkeren Umfang der Weibchen ein deutlich sichtbarer Laichansatz zeigt. Zum Ablaichen setzt man dann ein Paar etwa 2 Stunden vor Verlöschen des Lichtes in eine flache Schale (Kühlschrankdose, 2 bis 3 Liter Inhalt), die dicht mit Wollmopps und Filterwatte gefüllt ist. Die Fische beginnen sofort zu laichen, im Finstern härtet der Laich aus und am frühen Morgen kann dann der Züchter den Laich absammeln. Die Fische werden wieder in das alte Becken zurückgesetzt und ein neues Paar bezieht nach Wasserwechsel den „Brutkasten“. Aller fünf bis sieben Tage kann das gleiche Paar zur Zucht angesetzt werden.

Man kann auch in einem eingerichteten Artaquarium Killifischzucht betreiben. Einige Pflanzenbüsche, z.B. Javamoos, an der Oberfläche schwimmender Zwergwasserschlauch, ein paar Schnecken, ein Schaumstofffilter mit Wasserauslauf in Höhe des Wasserspiegels, alle 3 Wochen 50 % Wasserwechsel und dazu wahlweise Moor-

 

 

 

kienwurzeln, Erlenzäpfchen, Buchenlaub zur Bodendekoration vervollkommnen das Artbecken. Der Laich wird hier nicht abgelesen und separat behandelt. Er entwickelt sich dort, wo die Fische ihn abgelegt haben. Diese natürliche Vermehrung ist aber nur für nichtannuelle Pflanzenlaicher geeignet. Die Ausbeute an Jungfischen ist hier meistens geringer. Diese Form der Zucht wird als extensiv bezeichnet. Für manche Arten, wie den Ringelhechtling, Epiplatys annulats, oder den Rivulus xiphidius ist eine extensive Zucht oft erfolgreicher. Die Jungfische werden abgeschöpft oder nach etwa 14 Tagen die Zuchttiere in ein neues Artaquarium umgesetzt.

Haft-oder Pflanzenlaicher (nichtannuell)

Die Fische dieser Gruppe laichen an natürlichen und künstlichen Substraten ab. Das können feinfiedrige Wasserpflanzen (Javamoos, Wasserschlauch, Hornkraut, Tausendblatt, Algenfäden, Schwimmpflanzenwurzeln), Torffasern oder farbechte Kunstfaserwolle, sog. „Ablaichmopps“, sein. Die Eier werden, dem bevorzugten Aufenthaltsort der Fische entsprechend, an der Wasseroberfläche oder in Bodennähe abgesetzt. Sie besitzen Haftfäden, mit denen sie am Ablaichsubstrat festkleben.

„Nichtannuell“ heißt, dass die Fische mit ihrer Fortpflanzung nicht an einen bestimmten jahreszeitlichen Rhythmus (Regen- und Trockenzeiten) gebunden sind. In ihren Biotopen (tropischer Regenwald) gibt es aber auch in regenarmen Zeiten stets ausreichend Wasser. Als Fisch überleben sie mehrere Jahreszyklen, ihre Embryonalentwicklung ist dem Jahresgang nicht oder nur wenig angepasst.

Die Eier haben einen Durchmesser von etwa 1 bis 1,5 mm. Sie können aus dem Substrat problemlos abgesammelt werden. Zur Kontrolle gibt man die Eier in eine kleine Glas- oder Plastikschale. Eine Zugabe von chemischen Präparaten zur Verhinderung einer Bakterien- und Pilzentwicklung wird

 

empfohlen (z.B.Trypaflavin, Acriflavin). Unbefruchtete Eier werden trüb und verpilzen. Sie sollten regelmäßig entfernt werden, um die gesunden Eier nicht zu gefährden. Man kann den Laich auch in ein Sieb geben und von unten her ständig leicht durchlüften. Dieses Verfahren wird in der professionellen Fischzucht angewendet und hat sich auch bei den Killifischen bewährt. Bei einer anderen Methode pipettiert man die einzelnen Laichkörner auf feuchtes Substrat (Torf, Javamoos, Kunstfasern), das sich in einer abgedeckten Schale befindet. Eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit im Gefäß ist Voraussetzung. Kontrolle ist auch hier erforderlich.

Die Haft- oder Pflanzenlaicher bilden die größte Gruppe der Eierlegenden Zahnkarpfen. Zu ihnen gehören die Aphanius-, fast alle Aphyosemion-, Aplocheilichthys-, Aplocheilus-, Epiplatys- und Rivulusarten und zahlreiche nordamerikanische Fundulus-, Cyprinodon- und verwandte Arten.

Bodenlaicher = Bodentaucher, Bodenpflüger (annuell)

Die Bodenlaicher sind mit Ausnahme der Übergangsformen echte „Saisonfische“. Sie kommen in Gewässern vor, die in Abhängigkeit vom klimatischen Jahreszyklus nur zeitweilig (saisonal) Wasser führen. Die Fische können daher nur eine bestimmte Zeit als lebende Tiere überdauern. Während der Trockenzeit versickert das Wasser, und im Bodengrund liegen dann die sich entwickelnden Eier. Mit Beginn der Regenzeit füllen sich die Gewässer und die Jungfische schlüpfen. Man nennt diese jahreszeitliche Abhängigkeit „annuell“. Zu den Bodenlaichern gehören die Vertreter der Gattungen Austrolebias, Cynolebias, Leptolebias-, Megalebias-, Nothobranchius, Pterolebias, Simpsonichthys, Trigonectes u.a.

Die afrikanischen Nothobranchius-Arten und verschiedene südamerikanische Killi-fischarten laichen am Boden und wirbeln mit kräftigen Flossenschlägen die nichtkle-

 

 

 

benden Eier in den Bodengrund. Sie werden als „Bodenpflüger“ bezeichnet. Austrolebias-, Cynolebias-,  Pterolebias-, Simpsonichthys- und Arten aus anderen Gattungen sind „Bodentaucher“. Diese beiden Begriffe sind sehr anschaulich. Beim Laichen dringt das Pärchen eines Bodentauchers meist vollständig in den Boden ein, laicht „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ und taucht dann wieder auf. Die Eier der Bodentaucher haben auf ihrer Oberfläche kleinste Fortsätze, an denen Bodenpartikel festkleben, die die Feuchtigkeit halten.

Alle Arten der Bodenlaicher sind im allgemeinen Dauerlaicher, d.h., ihre Laichperiode beginnt mit der Laichreife im Alter von 6 bis 8 Wochen und endet mit dem Tod der Fische. Im Aquarium laichen die Fische auf oder in einer Schicht von abgekochtem Hochmoortorf. Die Höhe der Torfschicht sollte bei Bodentauchern etwa der Länge der Fische entsprechen. Bei Bodenpflügern genügen 1 bis 2 cm. Der Austausch des Laichsubstrats erfolgt aller ein bis zwei Wochen. Das Torf-Laich-Wasser-Gemisch wird durch einen engmaschigen Kescher geschüttet, das Substrat anschließend leicht ausgedrückt oder zum Wasserentzug für mehrere Stunden in saugfähiges Papier (Zeitungspapier) gewickelt. Der etwa erdfeuchte Torf kommt zur Aufbewahrung in einen verschließbaren Kunststoffbeutel oder in ein Glas mit Deckel. Wichtig ist eine genaue Beschriftung (Fischart, Datum des Beginns der Trockenperiode, Termin des möglichen ersten Aufgusses). Die Beutel oder Gläser können bei Temperaturen von etwa 17 bis 35 °C dunkel aufbewahrt werden und sind ab und an zu „lüften“, d.h. Beutel öffnen, Torf aufschütteln, Beutel verschließen. Höhere Tag-, niedrigere Nachttemperaturen wirken sich günstig auf die embryonale Entwicklung aus und verkürzen ihre Zeitdauer erheblich. So vermindert sich eine Lagerzeit von 3 bis 5 Monaten (bei einer relativ gleichbleibenden Temperatur von 23 bis 25 °C) auf 5 bis 6 Wochen, wenn die Temperatur wie o.g. deutlich schwankt. In regelmäßigen Ab-

 

ständen ist eine Sichtkontrolle des Laichs erforderlich, um den Entwicklungsstand der Embryonen zu überprüfen und um den notwendigen Schlupfzeitpunkt = Zeitpunkt der Imitation einer kleinen „Regenzeit“ durch Wasseraufguss nicht zu verpassen. Ein idealer Aufbewahrungsort für „Torf-Laich-Gemische“ ist der Raum unmittelbar unter der Decke eines „Fischkellers“, weil dort die höchsten Temperaturen erreicht werden. In den Torfbeuteln ist der Feuchtigkeitsgehalt gut, wenn sich nur wenig Schwitzwasser bildet.

Für Bodenlaicher hat sich auch die „Starenkasten-Methode bewährt. Dabei wird in ein Artbecken mit oben beschriebener Einrichtung eine Plastikdose mit seitlichem Einschlupfloch und Deckel gestellt. Der Deckel ist notwendig, denn er verhindert, dass bei dem heftigen Ablaichen der Torf so nach und nach aus der Dose verschwindet. In der Dose befindet sich eine mehrere Zentimeter hohe Torfschicht. Nach einer Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Tagen schwimmt das Pärchen in den Kasten und laicht dort ab, wenn sich an keiner anderen Stelle Laichsubstrat in Form von Torf befindet. Bei dieser Methode kann man auch mehrere Paare im Becken halten. Das stärkste Männchen wird sich dann in Nähe des „Starenkastens“ aufhalten und sich mit den laichbereiten Weibchen paaren.

Übergangsformen

Unter Übergangsformen versteht man Killies, die sowohl Pflanzen- als auch Bodenlaicher sein können. Man bezeichnet sie als „semiannuell“ oder „halbannuell“. Aus den Gattungen Aphyosemion, Roloffia, Rivulus u.a. „Südamerikanern“ sind mehrere dieser Arten bekannt. Ihre Biotope befinden sich in Gewässern savannenähnlicher Gebiete, die während der Trockenzeit kurzzeitig austrocknen können, aber nicht müssen. Es gibt Arten, die ihre Eier beim Laichen in den Bodengrund hineinwirbeln; andere laichen an organischen Substraten in unmittelbarer Bodennähe ab. Die Laichkörner

 

 

 

kleben kaum oder nicht und fallen so immer in das Bodensubstrat. Bei der Zucht werden diese Arten wie Bodenpflüger behandelt. Als Laichsubstrat eignet sich neben Torf auch feinster Sand, aus dem man die Eier aussieben kann.

Sonderformen

Unter den Killifischen gibt es auch einzelne Arten, deren Ablaichverhalten außergewöhnlich und dadurch sehr interessant ist. Ein Beispiel dazu ist der Floridakärpfling, Jordanella floridae. Diese Art wird zu den Pflanzenlaichern gezählt und übt eine einfache Form der Brutpflege aus. Solche Beobachtungen sind sogar im Gesellschaftsaquarium möglich. Das laichreife Männchen bildet ein kleines Revier, das gegen Artgenossen und andere Fische heftig nach Sicht verteidigt wird. Der Laichvorgang wird vom Weibchen ausgelöst. Es färbt sich fast weiß und zeigt eine deutlich angeschwollene Genitalpartie. Das Männchen wird vom Weibchen rückwärts im rechten Winkel zur Längsachse des Partners angeschwommen. Nach Berühren mit der Schwanzflosse wird das Männchen aktiv, und es kommt unmittelbar danach im Zentrum des Reviers zum Ablaichen an Pflanzen in Bodennähe. Bei vorher getrennten Geschlechtern können innerhalb kurzer Zeit mehrere Dutzend Eier auf kleinstem Raum abgelegt werden. Nach dem Ablaichen wird das Weibchen vom Männchen vertrieben. Das Männchen betreut den Laich, befächelt und verteidigt ihn gegen andere Fische. Diese Brutpflege kann aber nur am Tag des Laichens beobachtet werden. Die Jungfische schlüpfen nach 5 bis 10 Tagen. Die Aufzucht bereitet keine Probleme.

Andere Beispiele sind die zu den Leuchtaugenkärpflingen gehörenden Procatopus-Arten und Lamprichthys tanganicanus. Diese Killies laichen vorzugsweise in Steinspalten o. ä. ab. Dabei werden die Eier oft deformiert, ohne daß die sich entwickelnden Embryonen Schaden nehmen. Als Laichsubstrat eignen sich Korken mit Ril-

 

len, Rindenstücke, poröser Tuffstein, handelsübliche gerippte Schaumstofffilter. Die genannten Arten werden auch als „Spaltenlaicher“ bezeichnet.

In der großen Gattung der Bachlinge, Rivulus, zu der viele farbenprächtige Arten gehören, fällt eine Art besonders auf: Der Marmorierte Bachling, Rivulus marmoratus. Er zeichnet sich durch das Vorkommen sogenannter „Hermaphroditen“ aus. So werden Fische genannt, die sowohl Weibchen als auch Männchen sind und wie Weibchen aussehen. Um Nachzucht zu erhalten, genügt, und das glaubt man kaum, nur ein Fisch! Die Eier werden innerlich befruchtet und in unterschiedlichen Entwicklungsstadien abgesetzt. Der Schlupf der Jungfische geschieht in einem Zeitraum von etwa 1 bis 4 Wochen. Diese Art der Fortpflanzung ist eine Anpassung an das Leben unter schwierigen Bedingungen in kleinsten Wasseransammlungen.

Unter Sonderformen in weitestem Sinn können auch alle bei der Zucht gelegentlich auftretenden Mutanten bezeichnet werden. Mutanten sind Lebenwesen, die infolge einer erblichen Veränderung eines Merkmals vom Ausgangstypus abweichen. Beispiele dafür sind die Goldformen der Prachtkärpflinge Aphyosemion australe, A. gardneri, A. mirabile oder die albinotische Form des Fächerfisches Cynolebias whitei.

Laichentwicklung

Ausgangspunkt sind die in einer Kontrollschale befindlichen Eier der Pflanzenlaicher und die im feuchten Torf lagernden Eier der Bodenlaicher. Bei beiden ist eine Kontrolle der Laichentwicklung unerlässlich um die Verluste zu minimieren.

In den Kontrollschalen liegen die Eier der nichtannuellen Killies am Boden bzw. auf Kunstfaserstoff oder -gespinsten. Letztere Variante ist sehr günstig, da die Eier ringsherum von Wasser umgeben sind. Unter den Eiern, die am Boden liegen, bilden sich

 

 

 

häufig Bakterienherde, die trotz bakterienhemmender Zusatzstoffe zum Absterben der Eier führen können. Den Zustand der Eier und Entwicklungsstand der Embryonen kann man täglich überprüfen, da die Eihüllen durchsichtig sind. Unbefruchtete Eier werden trübe und verpilzen, sie sind zu entfernen. Darauf ist besonders in den ersten drei Tagen nach dem Laichen zu achten. Wasserwechsel in den Kontrollschalen ist täglich oder nach Bedarf vorzunehmen, besonders aber bei vielen Verlusten. Zum Wasseraustausch verwendet der erfahrene Züchter Wasser gleichen Ursprungs und gleicher Temperatur! Nach Abschluss der artspezifischen Entwicklungsdauer der Embryonen sieht man sie vollentwickelt in den Eiern liegen. Markant sind die großen Augen, mit Geduld und evtl. einer Lupe können Bewegungen der Embryonen be-obachtet werden. Der Zeitpunkt des Schlüpfens der Jungfische ist nach durchschnittlich 2 bis 4 Wochen (art- und temperaturabhängig) greifbar nahegerückt.

Schwieriger ist die Beobachtung der Eientwicklung in den Torfbeuteln mit dem Laich der Bodenlaicher. Die Entwicklungsvorgänge laufen über Wochen und Monate hinweg. Sie gehen nicht gleichmäßig vonstatten, sondern sind von Perioden des Entwicklungsstillstandes, sog. „Diapausen“, unterbrochen. Außerdem haften an den Eiern Torfpartikel, die das Finden der Eier im Torf-Laich-Gemisch erschweren. Mit etwas Mühe gelingt es doch, einige Eier aufzuspüren und zu prüfen. Auch hier ist der Zeitpunkt des Schlüpfens der Jungen gekommen, wenn die Augen der Embryonen groß und deutlich sichtbar sind.

Schlupf und Aufzucht der Jungfische

Nach Abschluss der Embryonalentwicklung schlüpfen aus den Eiern der Pflanzenlaicher nach und nach die Jungfische. Dieser Vorgang erstreckt sich, dem Zeitraum des Absammelns der Eier entsprechend, über Tage und Wochen. Hat man die Eier auf feuchtem Substrat gebettet, vollzieht sich

 

der Schlupfvorgang in wesentlich kürzeren Zeiten. Gibt es dabei Probleme, so dass die ersten Embryonen im Ei absterben, muss Schlupfhilfe gegeben werden. Dabei werden sehr verschiedene Methoden angewandt, die sich anscheinend sogar widersprechen, aber dennoch praktisch erprobt zum Ziel führen können. Das geschieht entweder durch Aufgießen von mindestens 5 °C kühlerem, sauerstoffreichem Wasser (Schocktherapie) oder durch Reduzierung des Sauerstoffgehaltes im Wasser. Zum Sauerstoffentzug werden Rotatorien oder Infusorien (Pantoffeltierchen) in die Schale gegeben. Man kann auch Trockenfutter aufstreuen und so Mikroorganismen in Massen erzeugen, zur Sauerstoffverdrängung mit der Atemluft durch ein dünnes Röhrchen CO2 ins Wasser blasen, die Temperatur des Wassers erhöhen und dazu den Laich kräftig bewegen. Die geschlüpften Jungfische müssen dann sofort in sauberes Wasser überführt werden. Eine andere Methode, die mehrere der genannten Faktoren miteinander kombiniert, besteht darin, die schlupfreifen Eier in ein Glas- oder Plastikröhrchen zu geben und einige Stunden in der Hosentasche herumzutragen. Hier wirken zwei Faktoren gemeinsam: Bewegen des Laichs und Sauerstoffentzug durch Temperaturerhöhung. Die Eihüllen zerfallen schnell und bieten dadurch Bakterien Nahrung, die sich schnell vermehren, das Wasser sehr belasten und ihm übermäßig viel Sauerstoff entziehen. Sobald die Jungfische geschlüpft sind, sind sie also auch hier sofort in frisches, temperiertes Wasser zu bringen.

Bei den bodenlaichenden Killies vollzieht sich der Schlupf der Jungfische nach Abschluss der Embryonalentwicklung genau wie bei den Pflanzenlaichern. Ein großer Unterschied besteht nur darin, dass der Beutel mit dem Torf-Laich-Gemisch „aufgegossen“ wird. Dabei wird Wasser, das mindestens 5 bis 10 ° C kühler ist, auf das in einem flachen Aquarium befindliche Torfsubstrat geschüttet. Der Wasserstand soll etwa 1 bis 2 cm über dem Torf liegen,

 

 

 

einen oder zwei Tage später wird er langsam erhöht. Gleichzeitig gibt man feinstes Lebendfutter (Rotatorien, Nauplien) oder etwas feinzerriebenes Trockenfutter hinzu (notwendiger Sauerstoffentzug). Bereits nach wenigen Stunden schlüpfen die ersten Jungfische, füllen ihre Schwimmblase, schwimmen frei und beginnen sofort zu fressen. In der Natur verlaufen diese Vorgänge ähnlich. Beim ersten Starkregen füllen sich nach langer Trockenzeit die Senken mit Wasser. Im Bodengrund beginnen Fäunisprozesse, der Sauerstoffgehalt reduziert sich, die Jungfische schlüpfen.

Sollten keine oder ganz wenige Jungfische erscheinen, ist der Torf nochmals trockenzulegen und nach weiteren 3 Wochen erneut aufzugießen. Schwimmen die Jungfische nach 2 bis 3 Tagen nicht frei, sondern hüpfen am Boden herum, sog. „Bauchrutscher“, dann erfolgte der Aufguß nicht zum optimalen Termin. Diese Jungfische konnten ihre Schwimmblase nicht füllen und sterben später ab. Bei den meisten Arten ist es günstig, wenn die Jungfische nach dem Freischwimmen mittels Pipette (Saugröhrchen, Stechheber) in ein anderes Aquarium mit etwa gleichem Wasser gebracht werden. Manchmal, z.B. bei Nothobranchius rachovii, ist es besser, die Jungfische mehrere Tage im Torf zu belassen, weil es beim Umsetzen zu größeren Verlusten kommen kann. Die Aufzucht der Jungfische von annuellen Killies ist kein Problem Sie fressen von Anfang an gut, viel und ständig. Wichtig ist ein häufiger Wasserwechsel, um ein rasches Wachstum zu erreichen und ihnen gute Lebensbedingungen zu bieten. Bei Fütterung mit Artemia sollte das Wasser oft gewechselt werden, denn diese Futtertiere sterben schnell ab und verunreinigen das Wasser.

Zucht Killi A. belottiiklein

 

Zucht Killi A. belottii 262 2klein

Zucht Killi N. patriziiklein

Zucht Killi R. marmoratusklein

  • Austrolebias belottii (links)
  • Austrolebias belottii, Laichakt
  • Notobranchius patrizii
  • Rivulus marmoratus

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