So züchte ich: Barben und Bärblinge

Dieter Kräupziger                                                  Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Barben und Bärblinge gehören zur großen Familie der Karpfenartigen. Dazu zählen einheimische Arten, wie Karpfen und Karauschen und auch durchaus als Aquarienfische taugliche Arten wie Ukelei, Elritze oder Gründling. Die Europäische Flussbarbe, nach der die Gattung im Jahre 1817 durch Curvier aufgestellt wurde, ist für die Aquaristik auf Grund ihrer Größe nicht interessant.

Die uns interessierenden tropischen Barben und Bärblinge sind auf Afrika und Asien beschränkt, wobei die afrikanischen Arten in der Aquaristik weniger verbreitet sind. Barben sind in der Regel recht anspruchslose Fische, die die unterschiedlichsten Habitate bevölkern. So sind sie sowohl in rasch fließenden klaren Bächen als auch in lehmtrüben Gräben für die Entwässerung von Reisfeldern zu finden. Zumeist werden aber nur geringe Ansprüche an die Wasserqualität gestellt. Das bedeutet natürlich nicht, sie in organisch belasteten Aquarienwässern pflegen zu können. Lediglich hinsichtlich Wasserhärte und pH-Wert sind sie recht tolerant. Wasseruntersuchungen in einer Reihe von Biotopen haben gezeigt, dass diese Wässer jedoch meist eine geringe Härte aufweisen. Der pH-Wert liegt um oder leicht unter dem Neutralpunkt.

Fundort von Rasbora vaterifloris, Rasbora daniconius und Barbus nirgofasciatus, Kottawa Forrest, Sri Lanka (Dr. Hoyer):

Rasch fließender klarer Urwaldbach mit kiesig-sandigem Untergrund, keine Unterwasserpflanzen, vollständig im Schatten

  • pH-Wert   7,1
  • Temperatur      Wasser    24,0 oC
  •                         Luft         30,4 oC
  • Leitfähigkeit      40 µS/cm
  • Gesamthärte      <0,5 odH
  • Karbonathärte       < 0,5 odH

 

Fundort von Rasbora borapetensis, Cha Am, Thailand (Dr. Hoyer):

Stehendes Gewässer, leicht bräunlich-trüb, schlammiger Untergrund, keine Unterwasserpflanzen

  • pH-Wert   6,9
  • Temperatur Wasser  31,2 oC
  • Luft  29,6 oC
  • Leitfähigkeit   490 µS/cm
  • Gesamthärte   6,0 odH
  • Karbonathärte   4,5 odH

Die ersten kleinen Barben und Bärblinge waren in Deutschland um 1900 im Handel und erfreuten sich rasch wachsender Beliebtheit.

Bedingt durch die zahlreichen Neuimporte der letzten Jahre ist die Pflege dieser Fischgruppe heute nicht mehr so populär, wie das früher der Fall war. Dennoch erweisen sich einige Arten, wie zum Beispiel der Zebrabärbling Brachydanio rerio und die Sumatrabarbe Barbus tetrazona, auf die ich noch ausführlicher eingehen werde, als aquaristische „Dauerbrenner“ und sie sind auf Grund ihrer prächtigen Färbung und ihrer Genügsamkeit im Aquarium die Anfängerfische schlechthin.

Die weitaus meisten Barben sind geselliger Natur. Es sind Schwarmfische, was bei ihrer Haltung unbedingt zu berücksichtigen ist. Es ist grundsätzlich jedes größere, gut eingerichtete und mit reichlich Schwimmraum versehene Becken geeignet. Sauberes, klares, etwas bewegtes Wasser, das oft gewechselt wird, sowie kräftiges und abwechselungsreiches Futter aller Art sind die Voraussetzungen dafür, dass sich die Fische wohlfühlen.

Wenn das Aquarium nicht zu stark besetzt ist, kann man häufig schon nach einem wöchentlichen Wasserwechsel

 

 

 

die Fische beim Laichen beobachten. Will man sie jedoch vermehren, muss man sie in einem gesonderten Becken ansetzen. Da die Barben starke Laichräuber sind, ist eine Vorsorge zum Schutz der Eier erforderlich. Ich benutze dafür einen Laichrost aus einer gelochten Folie. Durch einen Ausströmer wird eine geringe Wasserbewegung erzeugt. Gut konditionierte Fische, die man am besten am Abend einsetzt, laichen oft schon am nächsten Tag, spätestens aber nach 2 – 3 Tagen. Die Wasserwerte, wie Härte und pH-Wert, sind für die meisten Arten ohne größere Bedeutung, wenn sie nur nicht zu extrem sind. Abgestandenes Leitungswasser ist in der Regel ohne Vorbehandlung ausreichend. Die Temperatur sollte zur Zucht bei 25 oC liegen.

Zebrabärbling (Brachydanio rerio)

Die sehr attraktive Schleierform von B. rerio hat inzwischen die normalflossige Stammform fast völlig aus dem Handel verdrängt. Die Schleierform ist vor ungefähr 25 Jahren durch Mutation im Aquarium entstanden.

Wenn diese schleierflossige Form untereinander verpaart wird, sind die Nachkommen zu 100 % erbfest, das heißt, es ergeben sich ausschließlich schleierflossige Tiere. Verpaart man ein langflossiges Exemplar mit einem normalflossigen, ergibt die erste Generation 100 % langflossige Tiere. Verpaart man nun diese Tiere der F1-Generation wieder untereinander, so ergeben sich 75 % langflossige und 25 % normalflossige Nachkommen. Das Schleiermerkmal ist also in der ersten Generation zu 100 % dominant.

Das Zuchtbecken sollte eine Länge von cirka 15 – 25 cm bei einem Inhalt von mindestens 3 – 10 Litern haben. Im Übrigen gilt allgemein das oben Gesagte. Der Ansatz erfolgt paarweise. Die Männchen erkennt man leicht an der schlankeren Gestalt und der gelblichen Grundfärbung gegenüber den fülligeren und mehr weißlichen Weibchen.

 

Unter den geschilderten Bedingungen werden bei einem Laichansatz einige Hundert, von älteren Tieren über Tausend Eier abgegeben. Bereits nach 24 Stunden kann man die ersten Bewegungen der Embryonen im Ei wahrnehmen. Der Beginn des Schlupfes der ersten Jungfische erfolgt, auch in Abhängigkeit von der Temperatur, nach 4 Tagen. Die ersten Jungfische schwimmen bereits am 5. Tag frei. Spätestens am 6. Tag schlüpfen dann alle anderen Tiere und schwimmen unmittelbar nach dem Schlupf frei. Die Fische müssen sofort mit Rädertierchen oder kleinsten Nauplien angefüttert werden. Ersatzweise kann auch feingesiebtes Kunstfutter gegeben werden. Nach 5 – 8 Tagen werden dann Salinenkrebsnauplien gefüttert. Zu beachten ist, dass die Jungfische ständig im Futter stehen. Nach den ersten Tagen im Ablaichbecken müssen die kleinen Barben rechtzeitig in größere Aquarien umgesetzt werden, wobei größere Bruten besser auf mehrere Becken aufgeteilt werden. Nach 14 Tagen kann der ursprünglich verwendete Ausströmer gegen einen Schwammfilter ausgetauscht werden. Von Beginn an ist täglich cirka ein Viertel des Wassers gegen Frischwasser auszutauschen.

Das mitunter beklagte Nachlassen der Farbenpracht ist nach meiner Überzeugung keine „Inzuchtdegeneration“, sondern lediglich ausschließlich auf mangelhafte Hälterungsbedingungen bei der Aufzucht zurückzuführen. Die Fehler bestehen in erster Linie in einem ungenügenden Erstfutter, insbesondere der entsprechend geringen Größe und auch der Menge, da die Jungfische immer etwas zum Fressen brauchen. Auch die Aufzucht in zu kleinen Becken führt zu Tieren von ungenügender Qualität. Die anspruchslosen Jungfische ertragen zwar die schlechten Bedingungen, beantworten sie aber mit körperlicher und farblicher Unterentwicklung. Optimal aufgezogene Jungfische entwickeln sich auf jeden Fall zu prächtigen Exemplaren. Unter guten Bedingungen aufgezogene Bruten  sind bereits

 

 

 

nach 3 – 4 Monaten erneut laichfähig.

Sumatrabarbe (Barbus tetrazona)

Von der Sumatrabarbe gibt es neben der an sich schon sehr hübschen Stammform eine Reihe von Zuchtformen, wie die moosgrüne Sumatrabarbe, die in den siebziger Jahren aufkam und eine albinotischen Form. Bei Sumatrabarben trifft ganz besonders zu, dass mehrere Tiere gemeinsam gepflegt werden, da einzeln oder paarweise gehaltene B. tetrazona dazu neigen, gegenüber anderen Beckeninsassen zänkisch zu sein.

Der Ansatz der Tiere zur Zucht erfolgt jedoch immer paarweise. Die Unterscheidung der Geschlechter ist nicht schwer, da die Männchen einen höheren Rotanteil in den Flossen aufweisen und auch hier die Weibchen vor allem in der Bauchregion fülliger sind. Beim Ansatz sollten die Männchen nach Möglichkeit etwas älter sein und mit jungen Weibchen, die gerade laichreif geworden sind, angesetzt werden.

Da die Männchen stark treiben, muss der Zuchtbehälter deutlich größer als beim Zebrabärbling gewählt werden. Hier darf die Kantenlänge nicht unter 50 cm liegen. Es hat sich ein Wasser mit einer Härte von ungefähr 10 odGH und einem pH-Wert von 6,5 – 7 bewährt. Da die Tiere größer als Zebrabärblinge sind, kann ein groberer Laichrost verwendet werden. Als Laichsubstrat dient ein Busch Myriophyllum. Die Eier sind groß und sehr klebfähig.

 

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Das Ablaichen erfolgt in der Regel bereits am Tag nach dem Einsetzen. Die Fische treiben sehr stark und suchen in den Pausen zwischen den zahlreichen Paarungen eifrig nach Eiern. Die Paarungen erfolgen nach meinen Beobachtungen stets zwischen den Pflanzen, niemals im freien Wasser oder an der Oberfläche. Der Schlupf der sehr großen Embryonen erfolgt nach ungefähr 40 Stunden. Bei der Aufzucht ist zu beachten, dass die Temperatur nicht höher als 30 oC steigt, da ansonsten viele Krüppel zu verzeichnen sind. Das Freischwimmen der gegenüber B. rerio sehr großen Jungfische erfolgt meist am 5. Tag. Auch hier ist eine Abhängigkeit von der Wassertemperatur, aber auch von der Wasserzusammensetzung zu beobachten. Die sehr schnellwüchsige Brut können sofort mit Salinenkrebsnauplien angefüttert werden. Bei der weiteren Aufzucht ist zu beachten, dass die Zahl der Fische der Beckengröße angepasst wird.

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  • Rasbora vaterifloris (links)
  • Rasbora danonicus
  • Barbus nigrofasciatus          nach dem Fang

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