So züchte ich: Apistogramma

Dr. Rainer Hoyer                                                  Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Die Gattung Apistogramma ist mit ungefähr 50 beschriebenen und mindestens noch einmal halb so vielen unbeschriebenen Arten ausgesprochen artenreich. Dabei werden in der aquaristischen Literatur ständig neue Arten vorgestellt, die auf eine Beschreibung warten, so dass die endgültige Zahl noch lange nicht feststeht.

Apistogramma kommen in Südamerika von Kolumbien und Venezuela im Norden bis nach Paraguay und Nordargentinien im Süden vor und haben damit ein weites Verbreitungsgebiet. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Anforderungen, die insbesondere an das Wasser und seine Temperatur gestellt werden. Immerhin liegen die südlichsten Vorkommen in Gegenden, in denen durchaus kurzfristig 15 oC und weniger in den Nächten auftreten können. Ich habe im Pantanal im August, dem Winter der Südhalbkugel, in Gewässern, in denen A. borellii und A. commbrae gefangen wurden, am Morgen 19 oC gemessen. Dabei liegt diese Gegend wesentlich weiter nördlich als Nordargentinien. Dagegen wurden wenige Tage später in einem Seitengewässer des Rio Tapajos 32 oC gemessen.

Ebenso unterschiedlich sind Härte und der pH-Wert der Gewässer, in denen Apistogramma zu finden sind. Sie besiedeln Bäche mit Schwarzwasser ebenso wie solche mit Klarwasser oder Weißwasser. Die Spanne des pH-Wertes reicht deshalb von extrem sauer ab pH 4 bis neutral um pH 7.

Nicht ganz so ausgeprägt ist der Unterschied der Härte. Er reicht von einer nicht messbaren Leitfähigkeit und demzufolge einer nicht messbaren Gesamt- und Karbonathärte bis zu mittleren Härtegraden, wobei Abweichungen nach oben nicht ausgeschlossen sind, wohl aber die Ausnahme

 

bilden. Das muss natürlich auch bei der Haltung und Zucht beachtet werden.

Die Habitate, in denen Apistogramma vorkommen, sind demgegenüber sehr viel einheitlicher. Entsprechend ihrer geringen Größe – sie werden selten mehr als 10 cm groß, bleiben oft erheblich kleiner – sind sie natürlich auch eine beliebte Beute größerer Raubfische. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort sind deshalb deckungsreiche verkrautete Randbereiche größerer Gewässer. Sehr häufig kommen sie auch in kleinen Urwaldbächen vor, die auf Grund der geringen Sonneneinstrahlung keinerlei Unterwasservegetation aufweisen. Dort werden Apistogramma in der Falllaubschicht gefunden, in der auch die Vermehrung vonstatten geht. Die Anpassung ist hier so weit fortgeschritten, dass z. B. Blätter mit Laich bei Störung an einen anderen Platz gebracht werden. Inzwischen ist sogar eine Apistogramma-Art entdeckt worden, die den Laich und die Larven nach Maulbrütermanier im Maul mit sich herumträgt.

Bei der Zucht von Apistogramma sollten die vorgenannten Einflüsse der Temperatur und der Wasserqualität beachtet werden. Darüber hinaus muss die Einrichtung des Zuchtbeckens so gewählt werden, dass die Tiere Verstecke vorfinden. Besonders wichtig ist, dass Höhlen für das Laichgeschäft und die Entwicklung des Laichs vorhanden sind, da die Tiere Versteckbrüter sind. Apistogramma leben in einer Vater-Mutter-Familie mit deutlich unterschiedlicher Aufgabenverteilung. Häufig bilden sie einen Harem mit mehreren Weibchen und einem Männchen. Die Weibchen besetzen dabei je ein kleineres Brutrevier. Das Männchen sichert des Gesamtterritorium gegen Eindringlinge. Das kann auch in einem größeren Aquarium nachvollzogen werden. Als Versteck und Laichhöhle können halbierte Kokosnüsse oder kleine Blumentöpfe ver-

 

 

 

wendet werden. Es ist aber auch möglich, die Tiere paarweise in kleineren Aquarien zur Zucht anzusetzen.

Ich bevorzuge aus Platzgründen die letztere Methode. Meine Aquarien haben ein Volumen von ca. 20 Litern. Sie sind ausgestattet mit einem luftbetriebenen Schwamminnenfilter, einem Heizer und einem Blumentopf, dessen Abzugsloch entsprechend der unterschiedlichen Größe der einzelnen Apistogramma-Arten verschieden erweitert wurde. Das Loch muss nur so groß sein, dass das in der Regel erheblich kleinere Weibchen hindurchpasst. Beim Laichgeschäft muss das Männchen durchaus nicht in die Höhle einschwimmen. Vielmehr ist es völlig ausreichend und für die erfolgreiche Befruchtung nur erforderlich, dass das Sperma am Höhleneingang abgegeben und durch Flossenschlagen in die Höhle befördert wird. Das hat den Vorteil, dass sich das Weibchen in die Höhle zurückziehen kann, ohne vom Männchen bedrängt zu werden, wenn es nicht laichbereit ist. Der Blumentopf ist in eine kleine Glasschale mit ein paar Kieselsteinen eingestellt. Das Becken ist ohne Bodengrund. Unter den Aquarien ist eine schwarze Folie untergelegt. Außerdem enthält das Aquarium Javamoos und Utricularia sowie eine Schwimmpflanzendecke aus Javafarn und Azolla.

Als Wasser verwende ich einen Verschnitt aus 2/3 Regenwasser und 1/3 Leipziger Leitungswasser.

Temperatur:

24 –26 oC im Tagesrhythmus

Gesamthärte

ca. 8 odH

Karbonathärte

n.n.

pH

6,5  nach  dem   Wasserwechsel

5,5 (in Ausnahmefällen 5,0) vor dem nächsten Wasserwechsel aller 2 Wochen von ¼ des Beckeninhalts

Leitfähigkeit

ca. 200µS

 

Die Eier haben je nach Apistogramma-Art eine gelbliche bis purpurrote Farbe. Auch die Art des Futters verändert die Farbe der Eier, die am Innern des Blumentopfes als mehr oder weniger lockeres Gelege abgesetzt werden. Sie kleben mit einem Pol an der Innenwand.

Als Begleitfische habe ich erfolgreich auch zur Zucht Labyrinthfische zugesetzt. Deren Gelege werden nach der Eiablage entnommen und separat aufgezogen. Folgende Arten haben sich unter meinen Bedingungen bewährt:

  • Colisa lalia
  • Colisa chuna (sota)
  • Betta smaragdina
  • Betta imbellis
  • Pseudosphromenus cupanus
  • Pseudosphromenus dayi
  • Tichopsis vittata
  • Trichopsis pumilus

Außerdem habe ich den Ceylonbärbling Heradandia atukorali und die Hechtlinge Aplocheilus dayi werneri und Aplocheilus blockii in solchen Becken extensiv vermehrt.

Nach der Eiablage dauert die Entwicklung 2-3 Tage. Die Larven haften zu Anfang an der Wand des Blumentopfes und fallen dann auf den Boden der Glasschale. Ich entnehme die Larven zur weiteren Aufzucht zumeist am 5. Tag. Sie sind dann noch nicht schwimmfähig. Das Freischwimmen erfolgt erst am 6.-7. Tag nach dem Ablaichen. Danach muss sofort mit feinstem Staubfutter angefüttert werden. Natürlich eignet sich am besten Tümpelfutter. Es wird sofort alles gefressen, was durch ein Haarsieb passt. Es ist aber durchaus auch möglich, wird von mir aber nicht praktiziert, mit Salinenkrebsnauplien anzufüttern. Seit einiger Zeit füttere ich im Notfall mit einem tropischen Pantoffeltierchen an, das sich recht leicht züchten lässt und von den Tieren gut angenommen wird. Ich habe auch keine Wachstumsunterschiede feststellen

 

 

 

können. Diese Nahrung hat den Vorteil, dass sie nicht so leicht abstirbt, wie es insbesondere bei Salinenkrebsnauplien, aber gerade in den Wintermonaten wegen der Temperatur auch bei Tümpelplankton häufig der Fall ist. Es schließen sich dann je nach Wachstumsfortgang unterschiedlich große ausgesiebte Cyclops an. Das Wachstum der verschiedenen Apistogramma-Arten ist ausgesprochen unterschiedlich. Während es z.B. bei A. cacatuoides recht rasch ist, vergeht eine erheblich längere Zeit bei A. borellii oder A. trifasciata. Die Zahl der Jungtiere ist abhängig vom Alter der Weibchen und der Art. Junge Weibchen – A. cacatuoides können nach 20 Wochen das erste Mal laichen – haben oft nur wenige (15 – 20) Jungfische. Große Weibchen von A. spec. aff. cruzi oder A. macmasteri können leicht über 100 Jungfische haben.

Auf diese Art und Weise wurden von mir bisher folgende Apistogramma-Arten vermehrt:

  • A. agassizii Fotos unten
  • A. cacaduoides Foto darunter
  • A. borellii
  • A. spec. aff. cruzi
  • A. trifasciata
  • A. macmasteri
  • A. commbrae
  • A. hongsloi
  • A. eunotus
  • A. steindachneri
  • A. gephyra
  • A. gibbiceps
  • A. nijsseni
  • A. pertensis

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Fundort von A. borellii im Pantanal

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Krautzone eines Totwassers am Rio Tapajos, Fundort von A. pertensis

 

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