Das Zooaquarium in Leipzig und seine Beziehungen zur Hobby-Aquaristik

Dr. Wolf-Eberhard Engelmann                             Foto: L. Gabler, Zoo Leipzig

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Eingang des Aquariums im Leipziger Zoo

Als eines der ersten großen Aquarienhäuser in Deutschland wurde im Jahre 1910 das Leipziger Zooaquarium eröffnet. Viele Leipziger und Leipzigbesucher erhielten wahrscheinlich zum ersten Mal die Chance, einen Blick in die geheimnisvolle Unterwasserwelt zu werfen – in einer Zeit ohne Fernsehen und Freitauchsport sicherlich ein faszinierendes Erlebnis. Andererseits war aber die Aquaristik als Liebhaberei und Freizeitbeschäftigung bereits sehr weit verbreitet, wie der Zusammenschluss der Leipziger Aquarianer zu dem schon 1892 gegründeten Verein „Nymphaea“ zeigt, übrigens eine der ersten deutschen Aquarianer-Vereinigungen.

Gerade in der Pflege tropischer Zierfische waren  in den Liebhaberkreisen schon damals umfangreiche Erfahrungen vorhanden. Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, von wem der Gedanke stammte, im hinteren, damals als Gewächshaus ausgeführten Verbindungsteil des Aquarienhauses eine Ausstellung tropischer Zierfische des Leipziger Aquarienvereins aufzustellen. Auf jeden Fall zeugt es aber von einer bemerkenswerten Zusammenarbeit

 

zwischen Dr. J. Gebbing als Bauherrn, Initiator und Finanzier des Aquariums und den im Verein organisierten Leipziger Aquarianern. Wann diese Präsentation beendet wurde, ist nicht bekannt. Das gläserne Atrium wurde jedenfalls 1919 durch einen Massivbau mit 37 kleineren Becken als sogenannte Zierfischabteilung ersetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Aquaristik einen ungeheuren Aufschwung. Trotz vieler, der Zeit geschuldeter Schwierigkeiten vergrößerte sich der Fischbestand in Liebhaber- und Zookreisen zusehends. Verständlich, dass insbesondere der Austausch von Tiermaterial für beide Seiten interessant wurde.

Unser damaliger Aquarium-Inspektor, Werner Fickert, der das Haus von 1946 bis 1983 tierpflegerisch betreute, war vielen Aquarianern in der ehemaligen DDR, besonders aber den Freunden der Eierlegenden Zahnkarpfen, gut bekannt. Sein spezielles Interesse galt diesen kleinen, häufig so bunten und in ihrer Fortpflanzungsbiologie bemerkenswerten Fischen. Er pflegte bis zu 55 Arten gleichzeitig! Sie wurden größtenteils auch vermehrt, was nur möglich war, weil er gute Kontakte zu privaten Liebhabern unterhielt. Mit Aquarienfreunden, die ihr Hobby wirklich ernsthaft betrieben, blieb er teilweise jahrzehntelang in Verbindung. Höhepunkte waren zweifellos Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre mehrere Fachtagungen der Zentralen Arbeitsgemeinschaft „Eierlegende Zahnkarpfen“ im Zoo, zu denen in kleinen Sonderausstellungen im Aquarium diese Fische auch der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Diese Tradition führt Lothar Dudek, der heutige Bereichsleiter des Aquariums, auf einem anderen Gebiet fort. Als Mitglied der IG „Regenbogenfische“ wird von ihm so manche Art für unser Haus erworben oder an einen interessierten Liebhaber abgegeben.

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Wenngleich zwischen der Schau- und Hobby-Aquaristik viele Gemeinsamkeiten bestehen – schließlich beschäftigen sich beide mit der Lebewelt im Wasser – so gibt es doch auch einige wesentliche Unterschiede. Diese betreffen vor allem die Ziele. Eine Hauptaufgabe von Schauaquarien ist zweifellos, die Vielfalt der im Wasser lebenden Tierarten zu zeigen. Bereits bei der Eröffnung sahen die Besucher in den Becken des Leipziger Aquariums neben einheimischen Süßwasserfischen auch Fische und wirbellose Tiere aus der Nordsee und dem Mittelmeer. Sogar die Entwicklung von Katzenhai-Eiern konnte man beobachten. Oft war aber die Lebenserwartung der Tiere damals nur kurz. So soll von der Biologischen Station in Neapel monatlich mit der Eisenbahn ein Transport Mittelmeertiere in Leipzig angekommen sein.

Durch den weltumspannenden Langstrecken-Luftverkehr, wie er sich in den 60er Jahren zu entwickeln begann, wurde es möglich, praktisch aus nahezu allen Gebieten unserer Erde Süßwasser- und Meerestiere schnell und weitgehend verlustfrei zu beziehen. Besonders deutlich werden diese Zusammenhänge bei der sich danach ausweitenden Schaustellung von Korallenfischen. Letztlich wurde damit auch die Grundlage für die rasante Entwicklung der Meerwasser-Aquaristik in den Folgejahren gelegt.

Im Vergleich zu vielen neuen, großen Schauaquarien, die gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts weltweit entstanden sind, ist unser Leipziger Zooaquarium, trotz des 1992 fertiggestellten Neubaus mit seinem Ringbecken, ein eher kleines Haus. Die Raumsituation zwingt daher zur Beschränkung, nicht alles, was möglich wäre, kann auch gezeigt werden. Wir sind jedoch überzeugt, mit unserer Konzeption den Besuchern interessante aquaristische Themen, in ästhetisch ansprechender Form aufbereitet, anzubieten. Dies geschieht im Wesentlichen unter tiergeographischen und ökologischen Gesichtspunkten. Auf eine gewisse

 

Artenvielfalt und die Präsenz wichtiger Verwandtschaftsgruppen soll dabei vor allem aus didaktischen  Überlegungen heraus nicht verzichtet werden. Sie bilden bei Spezialführungen, beispielsweise für Biologie-Studenten, ein unverzichtbares lebendes Anschauungsmaterial.

Nicht unerwähnt bleiben soll die jahrzehntelange Zusammenarbeit des Zooaquariums mit den Leipziger Aquarianern bei der Durchführung der seit 1974 zumeist 3mal jährlich stattfindenden Zierfisch- und Wasserpflanzenbörsen, zuerst in der damaligen Zooschule, dann ab 1986 im Terrarium und ab 1996 im neuen Aquarium. Zu den besten Zeiten standen die Menschen in einer dichten, über 100 m langen Schlange, um Aquarienfische oder -pflanzen zu erwerben. Auch der Zoo war an diesen Börsen beteiligt und hat ebenfalls Nachzuchttiere abgegeben.

Ein verhältnismäßig neues Arbeitsfeld für die Aquarienhäuser betrifft ihr in zunehmendem Maße gefordertes Engagement im international organisierten Artenschutz. Die globale Lebensraumzerstörung macht leider auch nicht vor der Unterwasserwelt halt, so dass bereits einige aquatische Lebensräume akut gefährdet sind. Als herausragende Beispiele seien die Süßgewässer Madagaskars und der ostafrikanische Victoria-See genannt. Die dort lebenden, endemischen Buntbarsche werden seit einiger Zeit in internationalen Erhaltungszucht-Programmen betreut, an denen sich auch das Leipziger Zooaquarium im Rahmen seiner Möglichkeiten beteiligen wird. Hier kann sich zukünftig noch ein weites Feld der Zusammenarbeit mit interessierten Aquarianern und Aquarienvereinen eröffnen.

 

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