Die Welt der Killifische

Klaus Breitfeld                                                      Fotos: Archiv Breitfeld

Die Killifische oder Killies (Killis), früher pauschal als Eierlegende Zahnkarpfen bezeichnet, sind aus der Aquaristik nicht mehr wegzudenken. Im Vergleich mit Buntbarschen, Welsen oder Lebendgebärenden Zahnkarpfen führen sie aber, sehr zu Unrecht, so etwas wie ein Schattendasein.

Es gibt inzwischen etwa 600 bekannte Arten und Unterarten. Sie sind meistens außerordentlich farbenprächtig und haben ein sehr interessantes Verhalten. In den Verbreitungsgebieten sind die Killifische bei der einheimischen Bevölkerung wenig bekannt, da sie kaum eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Seit Jahrzehnten werden Jahr für Jahr von interessierten Wissenschaftlern und Hobbyfreunden neue Killifische gefunden und noch ist ein Ende nicht in Sicht.

Killifische waren am Anfang unserer Liebhaberei ebenfalls dabei. Die Gruppe der von Aquarianern gepflegten Arten ist aber seit dieser Zeit stets wechselhaft gewesen. Es gibt kein Standardangebot bei den Killies. Nur wenige Arten, wie den Streifenhechtling, Aplocheilus lineatus, den Roten Kap Lopez, Aphyosemion australe, oder den Tüpfelhechtling, Pachypanchax playfairii, gab es im zoologischen Fachhandel fast immer.

Mancher Aquarianer, der den Namen "Killifisch" zum ersten Mal hört oder liest, denkt zunächst an "Killer" oder "killen" - kurzum: er bringt den Namen mit "töten" in Verbindung. Die Killifische verhalten sich in dieser Richtung aber nicht anders als viele unserer Zierfische. Die meisten von ihnen sind  friedlich, selbst zahlreiche Hechtlinge. Der Name "Killifisch" oder "Killi" leitet sich aus dem Altniederländischen her. Unter "kil" werden kleine Wasseransammlungen oder Wiesengräben verstanden. In diesen Gewässern fand der

 

Deutsche Johann David SCHOEPF 1788 in der Umgebung vom heutigen New York den Fundulus heteroclitus und bezeichnete ihn als "Kilfish". Die holländischen Siedler in Amerika nannten kleine Fische vielfach "Kilvis". Noch heute heißt der Fundulus heteroclitus landläufig "Killfish", "Mudfish" oder "Zebra killie". Wenig zutreffend ist, wenn der Name von „killern“ = kitzeln abgeleitet wird. In der wissenschaftlichen Literatur und im Sprachgebrauch ist die Sammelbezeichnung "Eierlegende Zahnkarpfen" ebenfalls gängig. Interessant ist, dass die aus dem Englischen bzw. Amerikanischen stammende Bezeichnung „Killie“ bzw. „Killies“ erst Anfang der Sechziger Jahre mit der Gründung der „American Killifish Association“ in Deutschland stärker gebräuchlich wurde. Auch die Engländer übernahmen die Bezeichnung „Killi“ von den amerikanischen Killifreunden und brachten sie zu uns. Sie ist im Namen „Deutsche Killifisch Gemeinschaft“ verankert.

Die „Systematik“ ist auch ein Teil der Aquaristik. Nach LINNÉ´S Verwendung der "binären Nomenklatur" erhält jede Art eine doppelte lateinische Bezeichnung: den Artnamen und eine vorangestellte Gattungsbezeichnung (entspricht etwa unserem Vor- und Zunamen). Beide Namen beziehen sich in der deutschen Übersetzung meistens auf besondere Merkmale der Art. Der Blaubandkärpfling hat die lateinische Bezeichnung Fundulus heteroclitus (LINNÉ 1766). Fundulus = Gattungsname, abgeleitet von fundus: der Grund, Boden, die Tiefe, heteroclitus = Artname, Bezeichnung für ungleichförmig, unregelmäßig, LINNÉ = Name des wissenschaftlichen Erstbeschreibers der Art, 1766 = Jahr der Veröffentlichung der Erstbeschreibung, () = Hinweis darauf, dass die Art unter einem anderen Gattungsnamen erstbeschrieben wurde, hier „Cobitis heteroclita“.

 

 

 

Eine „Erstbeschreibung“ ist die erste wissenschaftlich anerkannte Publikation, die von einer neuen Art berichtet, diese manchmal auch nur nennt. Der Umfang einer solchen Arbeit bestand früher oft nur aus einigen wenigen Sätzen. Heute wird eine umfassende, wissenschaftlich exakte Abhandlung erwartet. Arten mit gemeinsamen Merkmalen werden zu Gattungen zusammengefasst. Mehrere Gattungen mit gemeinsamen Merkmalen bilden eine Unterfamilie, mehrere von ihnen eine Familie usw. Die Killifische haben die lateinische Ordnungsbezeichnung „Cyprinodontiformes“. Dieser wissenschaftlich exakte Name wird vom griechischen „kyprinos“ = Karpfenart mit hoher Fruchtbarkeit und „odon“ = Zahn, bezahnter Kiefer abgeleitet. Zur Ordnung gehören folgende Killifisch-Familien: Aphaniidae, Aplocheilichthyidae, Aplocheilidae, Cyprinodontidae, Fundulidae, Orestiidae, Profundulidae, Rivulidae, Valenciidae. Darüber hinaus gibt es auch bei anderen Familien einzelne wenige Arten, die den Killifischen zugerechnet werden.

Die Weiterentwicklung der Wissenschaften bringt ständig neue Möglichkeiten der Überprüfung und Verbesserung des Systems. Daraus ergibt sich im Sinne des wissenschaftlichen Fortschritts auch für den Killifischfreund die Notwendigkeit des Umdenkens. Er muss neue Namen für hinreichend bekannte Fische lernen - eine Schwierigkeit, die Aquarianer oft ausschließlich bei den Killies sehen und darüber lächeln. Bei anderen Zierfischfamilien ist das aber auch nicht ungewöhnlich, sondern ein ganz normaler Vorgang. Insgesamt gibt es ungefähr 60 Gattungen Killifische.

Die Form und Farbe der Killifische ist recht variabel. Es gibt schlanke, gedrungene, hochrückige, zylindrische, hecht-, karpfen-, forellenähnliche, lang- oder rundflossige Arten. Manchmal werden sie auch als bullig bezeichnet, das trifft aber nur auf wenige Arten zu. Killifische sind insgesamt eine sehr vielgestaltige Fischgruppe, und es ist nicht möglich, den "typischen" Killi zu be-

 

schreiben. Bestenfalls könnte man als typisch die allgemein bekannten und beliebten Prachtkärpflinge bezeichnen. Bei ihnen handelt es sich meistens um schlanke, gestreckte und seitlich wenig abgeflachte Fische mit großen Augen und einem breiten, oberständigen Maul. Rücken-, After- und Schwanzflosse sind recht groß und sehr interessant gezeichnet und gefärbt. Daneben gibt es Killies, die ein deutlich hechtähnliches Aussehen haben und die auch als Hechtlinge bezeichnet werden: Aplocheilus, Epiplatys. Sehr schlank sind viele Leucht-augenkärpflinge, besonders aus der Gattung Aplocheilichthys. Auch hochrückige Formen sind bekannt, z. B. die Vertreter der Fächerfische, Cynolebias, oder verschiedene Leuchtaugenfische aus der Gattung Procatopus. An unsere bekannten Karpfenfische im Miniformat erinnern die Wüstenfische aus der Gattung Cyprinodon oder auch die Mittelmeerkärpflinge, Aphanius. Mehr gedrungen wirken die zahlreichen Prachtgrundkärpflinge, Nothobranchius, zylindrisch dagegen die Bachlinge, Rivulus. Viele Fundulus-Arten ähneln im Aussehen kleinen Forellen, Austrofundulus-Arten wirken dagegen bullig.

Aber das ganz Typische fehlt den Killifischen. Sie haben eben keine Fettflosse wie die Salmler, keine Barteln wie viele Welse und Barben, keine geteilte Rückenflosse oder Hartstrahlen wie die Barsche und keine zu langen Fäden ausgebildeten Bauchflossen wie Segelflosser oder Labyrinthfische. Natürlich gibt es auch bei den Killies Besonderheiten, die man zwar kennen sollte, die aber nicht sonderlich deutlich und schon gar nicht typisch für alle sind. Zum Beispiel haben viele Hechtlinge auf der Kopfoberseite einen Leuchtfleck, der vermutlich Insekten anlocken soll, die über der Wasseroberfläche fliegen und die von den Fischen dann gefressen werden. Killies sind mit Zähnen auf ihren Kiefern ausgestattet - Zahnkarpfen! Die Weibchen vieler Rivulus-Arten zeigen im Bereich ihres Schwanzstieles den sogenannten Rivulusfleck - eine Anhäufung dunkel pigmentierter Schuppen. Die Weibchen von Fundulus-Arten haben

 

 

 

an der Afterflosse besonders ausgebildete Flossenstrahlen, die als "Geschlechtstäschchen" bezeichnet werden, und manchen Killies fehlen sogar die Bauchflossen. Alle diese Merkmale können aber nicht verallgemeinert werden. Die Killifische bieten für jeden Geschmack den passenden Fisch, es gibt kein Schema! Nicht einmal die Fortpflanzung dieser Fischfamilie ist einheitlich, sondern es sind zahlreiche spezielle Verhaltensweisen bekannt.

Die meisten Killifische sind mit einer durchschnittlichen Gesamtlänge von 5 bis 6 cm relativ klein. Ausnahmen gibt es nach oben und unten: Die größten Vertreter leben in Südamerika im Grenzgebiet zwischen Peru und Bolivien im Bereich der Altiplano-Hochebene in einer Höhe von 3700 bis 4000 m über dem Meeresspiegel. Sie sind vor allem im Titicaca-See verbreitet und werden in die Gattung Orestias, Titicacakärpflinge, eingeordnet. Orestias cuvieri, der Raubkärpfling, wird bis 30 cm groß. Dieser Fisch ist aquaristisch noch unbekannt, also vielleicht ein Fisch der Zukunft? In Südamerika gibt es den Megalebias elongatus, Gestreckter Riesenfächerfisch, aus zeitweiligen Wasseransammlungen in Argentinien und Uruguay, der eine Größe von 15 cm erreicht, den interessanten Fundulus grandissimus aus mexikanischen Gewässern hat eine noch etwas größere Gesamtlänge und in Nordamerika lebt die bis 20 cm groß werdende Art Fundulus catenatus, der Kettenkärpfling. Die beiden größten afrikanischen Killifische sind wirkliche Schönheiten und werden immer wieder importiert, gepflegt und nachgezüchtet. Die eine, Lamprichthys tanganicanus, das Tanganjika-Leuchtauge, wird bis 14 cm groß und kommt endemisch nur im Tanganjikasee vor. Die andere Art, Aphyosemion sjoestedti, der Blaue Prachtkärpfling, ist in Südwestnigeria und Westkamerun in Bächen, Gräben und Resttümpeln verbreitet und kann durchaus 12 cm lang werden. Diese Länge erreicht unter optimalen Hälterungsbedingungen auch der größte asiatische Vertreter der Killies, der Steifenhecht-

 

ling, Aplocheilus lineatus, ein Zierfisch aus Indien. Der größte "Europäer" ist der Valenciakärpfling, Valencia hispanica, aus Spanien mit einer möglichen Größe von über 8 cm. Im Aquarium erreichen die genannten Killifische ihre Spitzengröße nur bei bester Hälterung und Fütterung in entsprechend großen Aquarien oder bei zeitweiligem Aufenthalt in einem Gartenteich.

Die kleinsten Vertreter der Killifische sind aus Afrika und Südamerika bekannt. Der als Kolibrifisch bekannte Leuchtaugenkärpfling Aplocheilichthys (Congopanchax) myersi aus pflanzenreichen Gewässern Zaires und Kongos wird nur 2,5 cm groß. Der Zwergkillifisch, Fluviphylax pygmaeus, aus dem Amazonas bei Borba südlich von Manaus erreicht eine ähnliche Größe, ist aber aquaristisch noch weitgehend unbekannt, zumal er auch wenig Farbe zeigt. Klein, farbenprächtig und interessant sind auch die Diapteron-Arten aus dem Einzugsgebiet des oberen Ivindo - Nordostgabun, Afrika. Sie sind ausgesprochene Kleinode für das Süßwasser-Aquarium, nicht leicht zu züchten und noch immer Raritäten.

Wie auch bei anderen Fischfamilien bekannt, bei den Killifischen aber besonders ausgeprägt, kann man die männlichen und weiblichen Tiere unschwer auseinanderhalten. Besonders die Prachtkärpflinge (Aphyosemion), aber auch die Hechtlinge (Epiplatys, Pachypanchax), Bachlinge (Rivulus), Fächerfische (Cynolebias), Pracht-grundkärpflinge (Nothobranchius) und andere zeigen es deutlich: Die Männchen sind wesentlich farbiger und schöner gezeichnet als die Weibchen - ein  ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus (Dimorphismus = Zweigestaltigkeit, Auftreten einer Pflanzen- oder Tierart in zwei Formen) tritt auf. Bei den Männchen kontrastieren rote Farbmuster oft mit benachbarten, metallisch glänzenden gelben, grünen oder blauen Schuppenreihen. Besonders attraktiv sind die vielfach wimpel- oder fahnenförmig ausgezogene Rücken-, After- und Schwanzflosse, obwohl manchmal auch abgerundete Flossen arttypisch sind.

 

 

 

Welt Killi 1klein

Welt N. Kkorthausaeklein

Welt A. filamentosumklein

Welt A. cognatumklein

Epiplatys chaperi

Nothobranchius korthausae

Aphyosemion filamentosum

Aphyosemion cognatum

 

Welt N. orthonotusklein

Welt A. bitaeniatumklein02

Welt A. occidentale oklein.

Welt A. occidentale o. 2klein

Nothobranchius orthonotus

Aphyosemion bitaeniatum

Aphyosemion occidentale occidentale

Aphyosemion occidentale occidentale

Laichakt

 

 

 

Die Weibchen dagegen können häufig auch vom Spezialisten nur schwer einer bestimmten Art zugeordnet werden. Innerhalb einzelner Artgruppen der Prachtkärpflinge oder zwischen verschiedenen Populationen der gleichen Art ist das oft unmöglich. Daher muss auf eine sorgfältige Trennung der Weibchen geachtet werden, will man die Arten und ihre verschiedenen Populationen (= Gesamtheit der Tiere oder der Pflanzen eines begrenzten Gebietes) reinerbig erhalten. Zu diesem Zweck sollte der Killifreund die Aquarien beschriften und dafür Sorge tragen, dass seine Pfleglinge nicht von einem Aquarium in das andere springen können!

Die Färbung der Weibchen ist meistens einfarbig hellgrau, braungrau, rotbraun und braun, gelegentlich mit dunklen oder blass farbigen Punkten, Flecken oder Streifen auf den Körperseiten und Flossen. Die Schuppen können dunkle bis schwarze Ränder haben. Die unpaaren Flossen (Rücken-, After-, Schwanzflosse) sind überwiegend farblos, durchsichtig und abgerundet. Weibchen, die den Männchen sehr ähnlich sind, bilden in der Killifischfamilie die Ausnahme.

Die unterschiedlichen Farbmuster der Männchen einzelner Artgruppen und Arten sind die Folge unterschiedlicher Entwicklungsbedingungen in Biotopen, die sich im Wesentlichen ähneln, im Detail aber doch eine ganze Reihe Unterschiede aufweisen. Die Prachtkärpflinge zum Beispiel sind keine Fische, die ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Sie bleiben im Bereich eines eng begrenzten Standorts, und dadurch entstehen kleine Populationsgruppen, die sich biologisch weiterentwickeln, von Nachbargruppen der gleichen Art isolieren und sich schließlich mit ihnen nicht mehr fruchtbar kreuzen. Dieser Artbildungsprozess ist auch heute noch im Gange und für die Wissenschaft außerordentlich interessant.

Mit Ausnahme von Australien, Arktis und Antarktis gibt es Killies auf jedem Teil der Erde. Die meisten und farbenprächtigsten

 

Arten kommen in den Tropen und Subtropen vor. Vertreter einiger Unterfamilien sind sogar bis in Gebiete mit gemäßigtem Klima vorgedrungen. Den bereits erwähnten Fundulus heteroclitus gibt es sogar an der kanadischen Ostküste. Bekannt sind Cynolebias-Arten aus der argentinischen Pampa, Nothobranchius- und Aplocheilichthys-Arten aus Südafrika, und selbst in Südeuropa leben Killies aus den Gattungen Aphanius und Valencia.

Neben der Verbreitung der Killifische aus geographischer und klimatologischer Sicht sind ihre Lebensräume = Biotope von besonderem Interesse. Killies besiedeln stehende Gewässer wie Seen, Teiche, Tümpel, Sümpfe, aber auch kleinste Wasseransammlungen in Radspuren, Fußabdrücken von großen Tieren u. ä. Fließende Gewässer, wie Ströme, Flüsse, Bäche, Quellen und in wenigen Ausnahmefällen die Küsten der Meere gehören ebenfalls zu den Lebensräumen Eierlegender Zahnkarpfen. Von diesen Gewässern führen die meisten ständig, manche aber nur zeitweilig Wasser. Letztere werden auch als temporäre Gewässer oder Saisongewässer bezeichnet. Es sind Bodenvertiefungen, die sich nach jahreszeitlich bedingten Überschwemmungen oder länger andauernden Regenfällen (Regenzeit) mit Wasser füllen und danach langsam austrocknen (Trockenzeit). Killifische aus solchen Gewässern werden als annuell (jährlich, einjährig) oder semianuell bezeichnet. Annuelle Killifische sind solche, die aus trockenen Gebieten mit einem ausgeprägten Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit kommen. Ihre Lebensdauer beträgt nur eine Saison, d.h. vom Beginn der Regenzeit bis zum Austrocknen des Gewässers. Bei den „Semiannuellen“ muss es nicht immer bis zur völligen Austrocknung kommen, der Laich der Fische passt sich den Gegebenheiten an, die Jungfische schlüpfen früher oder später.

Die Pflanzen- und Tierwelt am und im Wasser ist im Hinblick auf Versteckmöglichkeiten, Fressfeinde, Überlebenschancen oft von großer Bedeutung. Wassertempera-

 

 

 

turen und Lichtverhältnisse hängen vielfach davon ab, ob die Wasserfläche voll in der Sonne liegt oder Halb- bzw. Vollschatten hat. Die physikalischen und chemischen Wasserverhältnisse sind ebenfalls bedeutsam, gibt es doch Killies, die neutrales bis alkalisches Wasser bevorzugen, und andere, die nur in Wasser mit einem pH-Wert im sauren Bereich auf Dauer überleben. Auch hier sind Arten bekannt, die besondere Extreme lieben, z. B. Meereswasser oder Wasser mit noch viel höherem Salzgehalt, pH-Werte zwischen 4 und 5, Temperaturen von weit über 30 °C oder Wintertemperaturen unter 10 °C.

Die Gewässertiefe kann von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern betragen. Viele Killifische halten sich im flachen bis sehr flachen Wasser auf, um den oft vorhandenen größeren Fressfeinden zu entgehen. Das ist eine der wesentlichsten Überlebensstrategien. Andere wiederum verschwinden bei Gefahr im Bodengrund, wie viele südamerikanische Bodenlaicher. Aber auch Hechtlinge können das, wie das bei der Pflege des Madagaskar-Hechtlings, Pachypanchax omalonotus, in einem Aquarium mit feinem Sand als Bodengrund beobachtet werden konnte.

Neben der Art des Gewässers sind die bevorzugten Standorte der Killies zu beachten. Es gibt Fische, die sich vorwiegend an der Wasseroberfläche, teils offen im freien Wasser, teils versteckt unter Pflanzen aufhalten: Vertreter der Gattungen Epiplatys, Aplocheilichthys, Aplocheilus. Andere dagegen bevorzugen mittlere bis obere Wasserschichten: Aphyosemion, Aphanius, Rivulus. Ein nicht geringer Teil hält sich vorwiegend am Boden auf: Cynolebias, Nothobranchius, Pterolebias. Dazwischen gibt es viele Übergänge, und selbst am Boden lebende Arten steigen zur Wasseroberfläche auf, um Futtertiere zu erbeuten. Nur wenige Arten, besonders die im Schwarm lebenden Fische, z. B. aus der Gattung Aplocheilichthys, bevorzugen den Aufenthalt im freien Wasser. Die meisten Killies lieben Versteckmöglichkeiten zwischen Pflanzen, am Boden liegenden Blättern,

 

Steinen, Wurzeln, ins Wasser hängenden Landpflanzen. Besonders extreme Lebensräume haben Eierlegende Zahnkarpfen, die in den Küstenzonen großer Meere zu Hause sind, z. B. Fundulus heteroclitus, Cyprinodon variegatus, Aphanius dispar oder Cyprinodon-Arten aus stark mineralhaltigen Quellen im Südwesten der USA. Sogar in der Geröllzone des Tanganjikasees gibt es einen nur dort vorkommenden Killifisch, das Tanganjika-Leuchtauge, Lamprichthys tanganicanus, der seine Eier in Steinspalten ablegt - ein gutes Beispiel für die Anpassung an bestehende Umweltverhältnisse.

Interessant sind die Fundortangaben zu den Lebensräumen in jedem Fall, auch wenn den Fischen im Aquarium diese Bedingungen nicht immer geboten werden können. Das Studium der geographischen Gegebenheiten in den Verbreitungsgebieten der Killifische kann für eine erfolgreiche Hälterung und Zucht der Fische von großer Bedeutung sein. Daraus leiten sich Rückschlüsse auf Wassertemperaturen, Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und zwischen den Jahreszeiten, auf die Wasserchemie, die Beleuchtungs-dauer der Aquarien und anderes mehr ab.

Killifische im Aquarium

Das Angebot an Killifischen im zoologischen Fachhandel ist meistens wenig reichhaltig, und man muss sehr suchen, um einen nach der Literatur ausgewählten Killi zu finden. Schon eher bekommt man ihn auf den Börsen regionaler Aquarienvereine oder bei Spezialistentreffen der Deutschen Killifischgemeinschaft.

Vor dem Kauf sollten zwei Bedingungen beachtet werden: Das vorgesehene Aquarium muss bereits eingerichtet sein und erste Kenntnisse über die anzuschaffende Art dürfen nicht fehlen. Artkenntnisse bestimmen wesentlich die Einrichtung des Aquariums und verhindern - besonders bei Gesellschaftsaquarien - unliebsame Überraschungen. So passen Streifenhechtlinge, Aplocheilus lineatus, nicht mit kleinen

 

 

 

Salmlern oder Barben zusammen. Beim Kauf sind die Fische vielleicht erst halbwüchsig, wachsen dann aber rasch und können die kleineren Mitbewohner gefährden. Umgekehrt ist eine Vergesellschaftung von kleinen Killies, wie z. B. Aphyosemion cyanostictum, mit großen Cichliden wenig erfolgversprechend, weil die Barsche die Kleinen als Futtertiere ansehen. Wichtig ist ferner, soll Freude an den neuen Bewohnern des Aquariums aufkommen, mindestens zwei Pärchen, besser zwei Männchen und vier Weibchen zu kaufen. Das bringt zwei Vorteile: Zum einen ist die Freude nicht gleich vorbei, sollte doch ein Tier aus unvorhergesehenen Gründen verloren gehen, und zum anderen sieht man dadurch die etwas versteckt lebenden Killies öfter. Gerade die Männchen wollen sich gegenseitig ihre Stärke beweisen. Sie tun das mit Flossenspreizen und anderem individuellen Imponiergehabe. Das bietet einer intensiven Beobachtung breiten Raum und verschafft dem Killifischliebhaber manches interessante Erlebnis.

Bevor die neuen Pfleglinge ins Gesellschaftsaquarium eingesetzt werden, ist eine Quarantänehälterung in einem separaten Aquarium zu empfehlen, um die Übertragung von Krankheiten auf bereits vorhandene Aquarienbewohner zu vermeiden.

Den Killifischen wird seit Generationen nachgesagt, dass sie mit kleinsten Aquarien vorliebnehmen, und damit wird der Eindruck erweckt: je kleiner das Aquarium, desto besser. Dem ist aber nicht so, und auch Killies fühlen sich in einem großen Behälter bedeutend wohler als in einem zu kleinen, selbst wenn sie ihr Dasein dort durchaus fristen können. Richtig ist vielleicht, dass ein Aquarianer, der sehr wenig Platz hat, in einem kleinen Aquarium besser ein paar ruhige Killies unterbringen kann, als vielleicht schnellschwimmende und ständig aktive Salmler oder Barben. Nach eigenen langjährigen Erfahrungen sollte man einem Pärchen Killies von mittlerer Größe (5 bis 6 cm lang) mindestens 5 bis 10 Liter Wasser zubilligen und das nur zum Zuchtansatz oder vorübergehend. Es zeigt

 

sich immer wieder, dass Fische, die in einem großen Aquarium aufgewachsen sind, auch entsprechend größer werden und von besserer Kondition sind.

Die Einrichtung des Aquariums hängt zuerst von dem Zweck ab, dem es dienen soll. Zu unterscheiden wäre zwischen einem Gesellschafts- und einem Art- bzw. Zuchtaquarium. Im Gesellschaftsaquarium kann man Killies mit Fischen aus anderen Familien zusammenbringen, möglich ist auch ein Besatz nur mit Killifischen. Das Artaquarium hat zwei Ziele: Es dient der ständigen Pflege, Beobachtung und ggf. der Zucht einer ganz bestimmten Art, zum anderen nur den meist kurzzeitigen Zuchtansätzen.

Grundsätzlich brauchen Killifische, je nach Art und Herkunftsgebiet, sauberes, d. h. biologisch und chemisch geeignetes Wasser, das mit Abfallstoffen wenig belastet ist. Es sollte in der Regel weich bis mittelhart und leicht sauer sein. Nur wenige Arten benötigen hartes, alkalisches und salzreiches Wasser, z.B verschiedene Wüstenfische oder Leuchtaugenfische. Belüftung und Filter sind in der Regel angebracht, aber auch entbehrlich. Die Temperatur des Wassers kann je nach Art von 18 °C bis über 30 °C betragen, Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind oft recht günstig. Gedämpftes Licht von oben bzw. von der Seite, am besten Tageslicht (Farbwirkung!) erzeugt bei den meisten Killifischen Wohlbefinden. Dazu gehören auch ein sandiger bis torfiger Bodengrund, eine dichte Bepflanzung mit geeigneten Versteckmöglichkeiten (Moorkienwurzeln, Schwimmpflanzendecke, bepflanzte Steine) und feinfiedrige Pflanzenbüsche bzw. Fasertorfbündel als Laichsubstrat. Bei der Intensivzucht gehören Ablaichmopps aus Wollfäden (Bodengrund besser weglassen) oder eine dicke Schicht abgekochten Torfs gehören zum Spezialinventar. Unbedingt notwendig ist aber eine absolut dicht schließende Abdeckscheibe, denn Killies springen hervorragend aus dem Aquarium! Die meisten erfahrenen Killifischfreunde haben trotz aller Deckscheibenmühe schon

 

 

 

fassungslos auf  vertrocknete Killifischspezialitäten geschaut.

Killies im Gesellschafts- oder Artaquarium stellen im Vergleich mit anderen Zierfischen ähnliche artspezifisch niedrige oder hohe Ansprüche an den Liebhaber. Ist das Aquarium nicht übervölkert, artgerecht eingerichtet, mit reichlichen Versteckmöglichkeiten ausgestattet, stimmen die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Wassers und ist die Beleuchtung nicht zu grell, dann gibt es wenig Probleme. Die Pflegemaßnahmen beschränken sich auf einen regelmäßigen Wasserwechsel von etwa 1/3 des Beckeninhalts pro Woche, Reinigung des Filters, Korrigieren des vielleicht zu üppig wachsenden Pflanzenbestandes, Herausfangen des zu reichlich werdenden Nachwuchses, Reinigen der Sichtscheiben von Algenbewuchs und Füttern der Killies. Es ist nach meinen Erfahrungen oft sinnvoller, etwas mehr abgestorbene Pflanzenteile oder durch Schnecken aufbereiteten Mulm im Aquarium zu belassen. Gerade die Killifische lieben es sehr, sich in diesen Substraten aufzuhalten, zumindest die Arten, die einen leicht sauren pH-Wert benötigen, z.B. nahezu alle Prachtkärpflinge.

Zur Einstellung günstiger Wasserwerte ist es in jedem Fall wichtig, dass der Killifischfreund weiß, welche Qualität das Wasser aus seiner Wasserleitung hat, wie die Beschaffenheit des Regenwassers ist, das er im Garten auffängt, wie man die Wasserwerte kontrolliert und wie das vorhandene Wasser verbessert werden kann. Zum Problem „Aquarienwasser“ gibt es genügend Spezialliteratur. Grundsätzlich sollte ein Killifischfreund mit folgenden Begriffen etwas anzufangen wissen: Wasserprüfung, Wasseraufbereitung, Kationen- und Anionenaustauscher, Schwarzwasseraufbereitung mittels Erlenzäpfchen und Hochmoortorf, Kohlefilter, Osmoseanlage, Regenwassersammelanlage, Wasserqualität im Gartenteich.

Zum Besatz eines Aquariums mit Killifischen liegen zahlreiche, recht unterschiedliche Erfahrungswerte vor. Diese können nur

 

Anregung und Modell sein und ersetzen nicht die persönlichen Erfahrungen. In ein Gesellschaftsbecken für Killifische passt beispielsweise ein attraktiver Schwarmfisch wie Procatopus similis und dazu Aphyosemion gardneri und Aphyosemion amieti. Man kann an ihrer Stelle auch Chromaphyosemion-Arten oder Aphyosemion australe, A. striatum und Epiplatys lamottei zusetzen. Zu den lebhaften Schwarmfischen passt aber kein Aphyosemion sjoestedti. Das hängt weniger mit der zu erwartenden Größe des Fisches als vielmehr mit seiner langsamen Futteraufnahme zusammen.

Manche Killifischfreunde haben beobachtet, dass Aphyosemion splendopleure nicht mit A. ahli zusammengebracht werden können (A. ahli wird unterdrückt). Beide verhalten sich aber gegenüber Leuchtaugenfischen aggressiv usw. Generell gilt: Eine Vergesellschaftung von Killifischen ist möglich und entspricht auch den natürlichen Verhältnissen. Problematisch wird es beispielsweise dann, wenn die einzelnen Arten mit mehreren Tagen Zwischenraum in das Aquarium gegeben werden. Das Territorium des Aquariums wird von vornherein unter den Bewohnern aufgeteilt und jeder neue Fisch als unerwünschter Eindringling betrachtet. Werden alle geplanten Beckeninsassen zu gleicher Zeit in das gut eingerichtete Aquarium gesetzt, dann pendeln sich die Ansprüche von Anfang an besser ein. Im großen Gesellschaftsaquarium fressen (Futterneid!) und wachsen die Fische besser, sie zeigen mehr Verhaltensinventar als bei Einzelhaltung. Sogar Trockenfutter wird dann mit „Begeisterung“ gefressen. Das Geschick liegt darin, Arten auszuwählen, die unterschiedliche Räume im Aquarium bewohnen (Oberfläche. mittlere Bereiche, Boden) und die unterschiedlich im Verhalten sind (Schwarmfische, Einzelgänger). Das Aquarium ist den unterschiedlichen Ansprüchen Rechnung tragend mit Versteckplätzen und freiem Schwimmraum auszustatten.

Die Fütterung und Ernährung der Fische ist eines der wichtigsten Probleme der Aquarienfischhaltung überhaupt und beschäftigt

 

 

 

die Hobbyfreunde eigentlich ständig. Auf diesem Gebiet werden sehr viele Fehler gemacht, die letztendlich das Wohlbefinden der Pfleglinge wesentlich beeinflussen. Es gibt keinen Aquarianer, der sich nicht freut, wenn seine Fische gierig und offensichtlich auch mit Appetit an das gereichte Futter gehen. Den Killifischen geht der Ruf voraus, sie würden ausschließlich Lebendfutter fressen. Das bedeutet für viele Aquarianer Ablehnung, denn nicht jeder Liebhaber hat die Möglichkeit, das Futter für seine Pfleglinge aus den Teichen und Tümpeln der näheren Umgebung selbst zu keschern. Lebendfutter aus der Natur ist zwar in jeder Beziehung ideal, aber nicht die einzige Möglichkeit, die Killifische gesund am Leben zu erhalten. Es gibt in den zoologischen Fachgeschäften eine ganze Palette wertvoller Futtermittel verschiedener Art, z.T. auch lebende Futtertiere. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Zucht von Futtertieren, denn ohne Lebendfutter kommt ein „Killianer“, der von seinen Fischen etwas haben und aktiv züchten will, nicht aus. Eines der lebenswichtigsten Prinzipien bei der Fütterung der Killifische ist, die Fische nicht zu überfüttern. Es ist besser, den Fischen über den Tag verteilt 5 kleine Portionen Futter anzubieten, als die gesamte Menge mit einem Mal. Natürlich gibt es bei Hobbyfreunden, die im Beruf stehen, an dieser Stelle Probleme, aber eine Fütterung morgens und abends ist meistens möglich. Eine weitere Grundregel ist, dass man nur soviel Futter geben soll, wie innerhalb  weniger Minuten restlos von den Fischen gefressen wird. Dazu gehört einiges Fingerspitzengefühl. Nichts ist im Aquarium schlimmer als übriggebliebene Futterreste und tote Futtertiere, die nicht einmal von den Schnecken bewältigt werden können. Es kommt noch hinzu, dass Killifische leicht zu viel fressen und dadurch bei der Verdauung Probleme auftreten. Für erwachsene Killies ist es von Vorteil, ab und zu einen futterfreien Tag einzuschieben. Das kann soweit gehen, dass man die Killifische über einen kürzeren Urlaub hinweg ohne Futter lassen kann. In der Natur erle-

 

ben die Fische auch größere Hungerperioden, die problemlos überstanden werden und bessere Futterverhältnisse fördern dann die Laichbereitschaft erheblich. Wichtig für den Killifischfreund sind ausreichende Kenntnisse über die Futtermöglichkeiten und ihren sinnvollen Einsatz.

In der Natur besteht das Futter der Killies aus Insekten, Insektenlarven, Süßwassergarnelen, Kaulquappen, jungen Fischen, Würmern, Schmetterlingen, Heuschrecken (für große Killies) und Detritus (= zerfallendes organisches Material). Die Insekten, wie kleine Käfer, Ameisen, Motten, kleine Nachtfalter, Fliegen, fallen auf das Wasser und werden, solange sie sich bewegen, von allen Killifischen, besonders aber von den an der Oberfläche der Gewässer lebenden Arten ( z.B. Epiplatys, Aplocheilus, Aplocheilichthys) aufgenommen. Der Aquarianer kann als Naturfutter verschiedene Arten Mückenlarven (schwarze = Culex, rote = Chironomus, weiße = Chaoborus), Wasserflöhe (Daphnia), Rüsselkrebschen (Bosmina), Tümpelflöhe (Moina), Hüpferlinge (Cyclops), Bachröhrenwürmer Tubifex), Eintagsfliegenlarven (Ephemeroptera), kleine Wasserkäfer sowie deren Larven und Bachflohkrebse (Rivulogammarus) selbst fangen oder z.T. im Fachhandel kaufen. Für die Jungfische eignen sich Tümpelinfusorien, die Vorstufen der Hüpferlinge = Nauplien, Rädertierchen verschiedener Arten, Blattläuse und Springschwänze als Erst- und Anschlussfutter. Für größere Fische sind auch kleine, ggf. zerschnittene Regenwürmer, gekeschertes Wiesenplankton, Springschwänze und Ameisen einschließlich Ameisenpuppen ein sehr gutes Futter. Allerdings ist auch hier das notwendige Maß und eine sinnvolle Abwechslung der Schlüssel zum Erfolg. Bei einseitiger Fütterung, z.B nur mit Ameiseneiern oder –puppen, können erhebliche Verdauungsprobleme bei den Fischen auftreten.

Futterzuchten sind als Futterquelle für gerade geschlüpfte Jungfische bis hin zu ausgewachsenen Killifischen möglich. Ansätze mit zugehörigen Zuchtanleitungen liefern

 

 

 

der Fachhandel oder erfahrene Hobbyfreunde. Was kann alles gezüchtet werden?:

Pantoffeltierchen, Salinenkrebse, Rädertierchen, Springschwänze, Wasserflöhe, stummelflüglige Taufliegen, Essigählchen, Mikro, Enchyträen, Grindal, Grillen, Wachsmotten, Laubwürmer.

Flockenfutter, Trockenfutter, Frostfutter gehören in jedem Fall zu den möglichen Futtermitteln für Killies und sollten auch ständig mit verfüttert werden. Alle Fische benötigen dazu eine bestimmte Zeit der Angewöhnung und des Trainings. Hier muss der Killifischfreund bei manchen Arten viel Geduld aufbringen. Es ist aber ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn die Fische auf „Ersatzfutter“ eingestellt sind.

Ein wertvolles Futter ist Frostfutter jeder Art. Man kann es auch selbst herstellen. In manchen Jahreszeiten gibt es in kleineren Dorfteichen und Tümpeln oft ein Überangebot an Daphnien, Cyclops, Mückenlarven. Es lohnt sich, dann entsprechend größere Mengen zu holen, lebend nach Hause zu transportieren und umgehend zu frosten. Dazu kann man Zierfischtransportbeutel nehmen, das Futter in die Beutel geben und sie fest verschließen. Das Futter wird wenige Millimeter stark breitgestrichen und die „Platte“ sofort in das Tiefkühlfach gelegt. Dieses Futter wird von vielen Killifischen sehr gern gefressen.

Manche Killies, besonders die Wüstenfische der Gattung Cyprinodon, fressen ausnehmend gern pflanzliche Nahrung in Form von Algen, gebrühtem Salat oder Spinat und zerfallenden Wasserpflanzen. Gleiches trifft auch für Arten aus der Gattung Aphanius und den Floridakärpfling, Jordanella floridae, zu. Nach Beobachtungen kann ein Pärchen J. floridae ein stark veralgtes 100-Liter-Becken innerhalb einer Woche algenfrei fressen, vorausgesetzt, dass es sich um schmackhafte Grünalgen und nicht um Blaualgen handelt! Fein geschnittene Fadenalgen aus dem Gartenteich kann man für den Winter einfrieren und in kleinen Portionen verfüttern. Salat, Spinat, Haferflo-

 

cken, Weizenkeime, fein zerkleinert, werden ebenfalls gefressen.

Bei optimaler Hälterung können einzelne Aphysemion-, Epiplatys- und Roloffia-Arten über 5 Jahre alt werden. Gewöhnlich erreichen die Haft- oder Pflanzenlaicher (nicht-annuelle Arten) durchschnittlich ein Alter von 1,5 bis 2,5 Jahren. Die Lebensdauer der annuellen Bodenlaicher aus den Gattungen Cynolebias, Pterolebias oder Nothobranchius beträgt dagegen kaum ein Jahr. In der Natur leben die Fische nur so lange, wie in ihren Heimatgewässern Wasser vorhanden ist. Das sind oft Zeiträume unter einem halben Jahr. Die Gewässer trocknen aus und damit verenden die Fische. Sie vertrocknen, ersticken oder werden von anderen Tieren gefressen. Davon gibt es zahlreiche für uns erschütternde Bilddokumente, die aber ein ganz natürliches Ereignis wiedergeben.

Nur ab und an werden von Killifischfreunden Angaben zur Lebensdauer ihrer Pfleglinge gemacht. Das hängt vielfach damit zusammen, dass kaum schriftliche Dokumentationen angefertigt werden, so sinnvoll das auch sein kann. Interssante Angaben: Ein Männnchen der Art Nothobranchius guentheri erreichte das für Prachtgrundkärpflinge erstaunliche Alter von drei Jahren. Roloffia geryi wurde bei einem Hobbyfreund über 5 Jahre alt. Valencia letourneuxi, eine europäische Killifischart, lebte 4 Jahre, Cynolebias whitei 1,5 Jahre.

In diesem Zusammenhang erhebt sich auch die Frage, wie lange eine Killifischpopulation unter aquaristischen Bedingungen gehalten werden kann, ohne dass neue Importe zur Blutauffrischung eingekreuzt worden sind. Dazu gibt es wenige verlässliche Angaben. Ein Aquarienstamm vom Goldschwanzbachling, Rivulus magdalenae, vorher R. milesi, ist seit über 20 Jahren in Sachsen im Hobby. Der Kubabachling, Rivulus cylindraceus, befindet sich nun schon etwa 40 Jahre in den Händen der Killifischfreunde, ohne dass sich Degenerationserscheinungen zeigen. Sicher gibt es noch mehr solche Beispiele, die aber bisher nicht publiziert worden sind. Dagegen ist es

 

 

 

sehr häufig der Fall, dass Killifische, die mühevoll importiert werden konnten, nach zwei oder drei Generationen wieder verschwunden sind.

Das liegt oft an geringer Attraktivität der Art, an Problemen bei der Nachzucht durch bisher fehlende spezielle Informationen aus den Heimatgebieten der Killies oder einfach an der Unachtsamkeit ihrer Pfleger.

 

 

Killi P. kigawensisklein

Killi L. tanganjikanusklein

Killi N. foerschiklein

Pronothobranchius kigawensis

Lamprichthys tanganicanus

Nothobranchius foerschi

 

Killi A. australeklein

Killi A. bitaeniatumklein

Killi A. dayiklein

Killi P. playfairiklein

Aphyosemion australe

Aphyosemion bitaeniatum

Aplocheilus dayi

Pachypanchax playfairi

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