Wasserinsekten im Aquarium

Text und Fotos: Carsten Ziemke

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Wasserinsekten werden äußerst selten im Fachhandel angeboten und dementsprechend gering ist die Verbreitung der geeigneten Arten in den Aquarien. Problematisch ist auch, dass Insekten in der Regel flugfähig sind und sie daher durchaus in der Lage sind, im Wohnzimmer unter Umständen ein kleineres (mentales) Chaos anzurichten. Auf Grund ihrer Lebensweise sind sie aber interessante Pfleglinge über die meist wenig bekannt ist.

Neben den vielen Arten aus den unterschiedlichsten Insektenordnungen, bei denen nur die Larven ein aquatiles Leben führen, sind relativ wenige Arten dem Leben auf und im Wasser angepasst. Diese beschränken sich vornehmlich auf die Ordnungen der Käfer und Wanzen.

v02Aquarianer, die noch Wasserflöhe selbst fangen, haben dabei oft als Beifang größere Käferlarven im Netz. Dabei handelt es sich zumeist um Larven von Schwimmkäfern aus der Gattung Dystiscus. Die bekannteste Art der Gattung ist der Gelbrandkäfer Dytiscus marginalis. Es lohnt sich durchaus, diese Larven einmal separat zu halten. Mit Hilfe ihrer Schwanzanhänge hängen sie an der Wasseroberfläche. Kommt ein Beutetier in die Nähe „springen“ sie diese durch einen Schlag mit dem Hinterleib an. Dabei wird über die Mandibeln ein lähmendes Sekret in das Opfer eingespritzt, welches gleichzeitig die Verdauung einleitet. Diese Verhaltensweise trug der Larve schon vor 350 Jahren den bezeichnenden Namen „Mordwurm“ ein. In der Fischereiwirtschaft kann es dadurch zu Verlusten bei Jungfischen kommen, was sicherlich durch den permanenten Überbesatz der Gewässer begünstigt wird. Die Larven bauen sich zur Verpuppung über der Wasserlinie eine Erdhöhle. Die erwachsenen Käfer ernähren sich ebenfalls räuberisch, sind allerdings nicht in der Lage, gesunde Fische zu überwältigen. Die Hauptnahrung besteht aus Schnecken, Insektenlarven und Aas. Nach meinen Beobachtungen wurden im Aquarium hauptsächlich Posthornschnecken und Frostfutter gefressen, beweglichere Beute konnte in der Regel nicht erjagt werden.
Die Männchen haben Saugnäpfe an den Vorderbeinen mit denen sie sich bei der Paarung an den Weibchen festheften. Die Weibchen haben im Gegensatz zu den Männchen zumeist glatte, nicht gerippte Flügeldecken. Ungefähr ein Drittel der Weibchen haben allerdings auch gerippte Flügeldecken. Die Käfer werden im Aquarium drei bis fünf Jahre alt.

Sporadisch werden aus aller Welt Wasserkäfer eingeführt. Dauerhaft hat sich bisher noch keine Art in der Haltung etabliert.

In der Ordnung der Wanzen gibt es einige Arten, die im Wasser leben und zur Haltung im Aquarium geeignet sind. Neben einheimischen Arten werden von Zeit zu Zeit Wasserwanzen aus den wärmeren Regionen importiert.

An heimischen Arten kommen besonders die beiden zu der Familie der Skorpionswanzen Nepidae gehörenden Arten, der Wasserskorpion Nepa rubra und die Stabwanze Ranatra linearis, in Frage.

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Bei den Skorpionswanzen haben sich die Vorderbeine zu Fangarmen umgebildet. Die Stabwanze fängt damit recht geschickt kleinere Wassertiere, zumeist Insektenlarven, seltener Fische. Der Wasserskorpion bevorzugt, zumindest im Aquarium, langsamere Beutetiere wie zum Beispiel Schnecken.

v05Beide Arten brauchen Zugang zur Wasseroberfläche, um mit ihren Atemröhren den  Luftbedarf zu decken. Bei den Stabwanzen reichen dazu Wasserpflanzen, die bis zur Wasseroberfläche reichen. Der Wasserskorpion benötigt eine flache Uferzone mit zwei bis drei Zentimeter Wasserstand, wo er ruhen und atmen kann. Wird diese nicht angeboten, schwimmt er pausenlos durch das Aquarium, um zum Schluss entkräftet zu ertrinken.

Aus Afrika werden sporadisch eindrucksvolle, dem Wasserskorpion ähnelnde Wanzen, importiert. Während unsere einheimische Art ungefähr zwei Zentimeter groß wird erreichen diese Arten sechs bis sieben Zentimeter. Im Aquarium werden vornehmlich Posthornschnecken gefressen. Bei Temperaturen von 22 – 28° C und einer fachgerechten Haltung werden die Tiere mehrere Jahre alt. Über die Fortpflanzung im Aquarium gibt es bisher keine Erfahrungen.

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Aus der Familie der Schwimmwanzen Naucoridae ist die einheimische Schwimmwanze Ilyocoris cimicoides ein interessanter Pflegling. Sie wird bis 16 Millimeter groß und kommt in verkrauteten Kleingewässern häufig vor. Die Vermehrung im Aquarium ist möglich. Die Eier werden in Pflanzenteile mit der Legeröhre eingestochen. Die nach vier Wochen schlüpfenden Larven sind nach ungefähr zehn Wochen voll entwickelt. Larven und Imagines ernähren sich räuberisch, vornehmlich von Insektenlarven entsprechender Größe. In den Tropen gibt es zahlreiche Arten aus dieser Familie, von denen immer einmal wieder einzelne Arten importiert werden. Die genaue Bestimmung der Arten ist schwierig und meistens kaum möglich. Dies gilt für die von mir gehaltenen Schwimmwanzen aus Indien. Sie gehören zur Gattung Hydactus und werden ungefähr zwanzig Millimeter groß. Im Aquarium fraßen sie ausschließlich Schnecken. Da ist es doch verwunderlich, wenn massenhaft Tiere aus dieser Gattung in Australien zur Malariabekämpfung ausgesetzt wurden. Diese Schwimmwanzen lassen sich im Aquarium relativ einfach vermehren. Bei der Eiablage werden die Eier am Männchen angeheftet. Die Larven fressen wie die Imagines Schnecken, somit gestaltet sich die Aufzucht recht einfach.

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Fast alle Wasserwanzen haben gut entwickelte Flügel, welche gerne benutzt werden. Eine spaltenlose Abdeckung der Aquarien ist dementsprechend eine Grund- voraussetzung bei der Haltung. Beachtung sollte bei den Wasserwanzen (wie bei vielen anderen Wanzenarten) der Saugrüssel finden, da mit diesem doch recht schmerzhaft gestochen werden kann, einschließlich einer mehr oder weniger ausufernden Entzündung der betroffenen Stelle.

Wasserwerte haben bei der Haltung von Wasserinsekten einen eher untergeordneten Stellenwert. Durch die Möglichkeit, die Gewässer fliegend zu wechseln und die vom Sauerstoffgehalt des Wassers unabhängige Atmung haben diese Arten einen großen Toleranzbereich diesbezüglich.

Es gibt sicherlich viele für die Aquaristik unentdeckte Wasserinsekten, so dass in der nahen Zukunft noch mit einigen interessanten und vielleicht spektakulären Arten zu rechnen ist.

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