Auf der Suche nach Apistogramma

Dr. Rainer Hoyer                                                  Bilder: Dr. Rainer Hoyer

Als wir, Vereinsfreund WOLFGANG KELLER und ich mit unseren Frauen am 23.08.1998 kurz nach Mitternacht in Cuiaba aus dem Flugzeug stiegen, wussten wir noch nicht, was uns in den kommenden Stunden erwarten würde. Wir hatten die dritte Etappe unserer Brasilien-Rundreise, die uns von Rio de Janeiro über die Wasserfälle des Iguassu nun in das nördliche Pantanal gebracht hatte, erreicht. Der bereits in Deutschland vorsorglich bestellte Mietwagen war schnell übernommen und der Weg aus der um diese Zeit verkehrsarmen Stadt gefunden. Über die Stadt Pocone, die durch ihre Goldgewinnung mit den damit verbundenen Umweltschäden bekannt ist, ging es auf der Transpantaneira nach Süden. Die ersten Tiere, die wir im Scheinwerferlicht zu sehen bekamen, waren ein Gürteltier und

ein Tapir. Beide Arten haben wir dann später leider nicht wieder zu Gesicht bekommen.

Die Transpantaneira war in den siebziger Jahren gebaut worden und sollte ursprünglich das gesamte Pantanal von Nord nach Süd durchqueren. Wegen Geldmangel wurde der Bau dann aber bereits in Porto Joffre, unserem Ziel nach ca. 145 km abgebrochen. Die Straße besteht lediglich aus einer aufgeschütteten Piste aus rotem Lehm, die sich in der Regenzeit nur wenig über das Wasser erhebt. Das Pantanal ist eine riesige, von Gebirgen umgebene Ebene mit wenig Gefälle. Diese Ebene läuft in der Regenzeit mit Wasser voll, das dann in der Folgezeit nur langsam wieder abläuft. Wir waren während der Trockenzeit dort. Der Aufenthalt in der Regenzeit soll wegen der Moskitos wenig angenehm sein.

Diese Transpantaneira wird nun häufig durch Holzbrücken unterbrochen. Bis Porto Joffre sollen es 89 sein. Sie bestehen aus riesigen Stämmen, die in den Untergrund gerammt worden sind. Darüber sind gewaltige Bohlen gelegt, die von Ufer zu Ufer

 

reichen und durch weitere, quer liegende Bohlen verbunden sind. Darüber sind Laufbohlen in Fahrtrichtung angebracht, die eine Überquerung ermöglichen sollten. Nachdem die ersten Brücken noch gut befahrbar waren, wurden sie in der Folgezeit immer erbärmlicher. Da die Laufbohlen nicht mehr befestigt und auch nicht mehr vollständig vorhanden waren, mussten die Fahrer eines jeden Fahrzeugs mit anderer Spurbreite die Bretter in die richtige Lage bringen. Auf diese Weise hatten wir die ersten 64 km in reichlich 4 Stunden geschafft. Die dann erreichte Brücke war mit unserem PKW nicht mehr zu überqueren, da die Querbohlen riesige Lücken aufwiesen und auch nicht mehr ausreichend Laufbohlen vorhanden waren. Unsere Räder wären in den Lücken mühelos verschwunden. Wir konnten später erleben, wie ein Rind bis zu den Hinterkeulen in ein solches Loch stürzte und am Schwanz wieder herausgezogen wurde. Aus diesem Grund quartierten wir uns für die nächsten 5 Tage in einer glücklicherweise nahe gelegenen Facienda mit Hotelbetrieb ein.

In dieser Gegend wird eine extensive Weidewirtschaft betrieben. Entlang der Straße gab es zu dieser Zeit noch zahlreiche Wasserlöcher, in denen es von Fischen aber auch von Kaimanen wimmelte. In einem ca. 100 x 30 m großen Wasserloch haben wir nach dem fünfzigsten Kaiman aufgehört zu zählen. Zwar passt der Mensch nicht in das Beuteschema dieser Tiere, wir haben das aber vorsichtshalber nicht ausprobiert. Beeindruckend ist auch der Reichtum an Wasservögeln.

Die Wasserlöcher gab es zu dieser Zeit noch in den unterschiedlichsten Größen. Viele werden im Laufe der Trockenzeit gänzlich austrocknen. Während einige größere offensichtlich mit dem Flusssystem verbunden  waren  und  lehmtrübes  Wasser

 

 

 

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Brücke auf der Transpantaneira

Fundort von Apistogramma commbraea

führten, waren andere abgeschlossen, teilweise nur noch wenige Zentimeter tief und durchsichtig klar. Während in ersteren vor allem Welse (Brochis splendens, Hoplosternum littorale, Dornwelse) und der Grüne Messerfisch, Eigenmannia virescens, gefangen wurden, gingen in letzteren eine Vielzahl von Salmlern in das Netz. Darunter waren so bekannte Arten wie der Trauermantelsalmler, Gymnocorymbus ternetzi oder die Rotaugenmoenkhausia, Moenkhausia sanctaefilominae, aber auch der Gebänderte Bodensalmler, Characidium fasci-

 

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Apistogramma commbraea, oben Männchen, unten Weibchen Fotos: Mario Salisch

Kaimane gab es reichlich

atum und Hyphessobrycon vilmae, ein wunderhübscher, glasiger Salmler. Weiterhin gelang es uns, eine Aequidens- und eine Bujorquina-Art, die im Transportbeutel Jungfische aus dem Maul entließ, zu fangen. Außerdem fingen wir teilweise bis zu 50 Zwergwelse der Art Corydoras hastatus mit einem Zug des Netzes.

Besonders interessiert waren wir natürlich an Apistogramma. Die erste Art, die wir erbeuten konnten, war zweifelsfrei Apistogramma borellii, da die Tiere bereits ausreichend groß und die Männchen ausgefärbt waren. Daneben fingen wir kleinere

 

 

 

Tiere einer anderen Art, die wohl der Gattung Apistogramma zuzurechnen, aber wegen der geringen Größe nicht zu bestimmen waren. Das Restwasserloch war nur wenige Zentimeter tief und zeigte im Laufe des Tages stark schwankende Temperaturen. Während die A. borellii auf dem Transport einem Unfall zum Opfer fielen, gelang es uns, diese Winzlinge unbeschadet nach Leipzig zu bringen, obwohl wir noch längere Zeit unterwegs waren.

Am Fundort wurden folgende Wasserwerte bestimmt (Tabelle 1):

Temperatur

9.00 Uhr

Luft

19,8 oC

 

 

Wasser

20,8 oC

 

15.00 Uhr

Luft

26,7 oC

 

 

Wasser

25,5 oC

Gesamthärte

 

 

2,5odH

Karbonathärte

 

 

2,5odH

Leitfähigkeit

 

 

100 µS

pH nicht gemessen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Restlöcher waren mit Gräsern und Schilf, aber auch mit einer Echinodorus-Art bewachsen, die Blüten und Früchte trug.

Die sechs mitgebrachten Tiere wurden in ein kleines Aquarium mit 25 l Inhalt und einem von uns auch bei anderen Apistogramma verwendeten Verschnittwasser aus Regenwasser und ca. 1/5 Leipziger Leitungswasser gesetzt. Dieses Wasser wurde später auch zur Zucht eingesetzt. Es hat die durchschnittlichen Werte nach Tabelle 2.

Nachdem die Fische herangewachsen waren, konnten wir sie als A. commbrae bestimmen. Es zeigte sich, dass wir zwei Männchen und vier Weibchen mitgebracht hatten. Wir setzten je ein Paar in ein Becken mit 25 l Inhalt, reichlich Javamoos und einem Blumentopf mit aufgeschlagenem Abflussloch. Bereits nach kurzer Zeit färbte sich das eine Weibchen gelb ein und es kam zum  Ablaichen  nach dem  üblichen

 

Tabelle 2:

Temperatur

24 –26 oC im Tagesrhytmus

Gesamthärte

ca. 8 odH

Karbonathärte

n.n.

pH

6,5  nach  dem   Wasserwechsel

 

5,5 (in Ausnahmefällen 5,0) vor dem nächsten Wasserwechsel aller 2 Wochen von ¼ des Beckeninhalts

Leitfähigkeit

ca. 200 µS

 

 

 

 

 

 

Schema der Apistogramma. Weil wir unbedingt Jungtiere erzielen wollten, entnahmen wir die Larven nach vier Tagen und zogen sie separat auf. Da unser Verein eine Anzahl von Teichen um Leipzig in Pacht hat, ist die Beschaffung von Staubfutter kein Problem. Bei reichlicher Fütterung ausschließlich mit Tümpelfutter der entsprechenden Größe wachsen die Tiere zügig heran. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Weibchen willig laichen und die Jungtiere aufopfernd pflegen. In einer Größe der Jungtiere von ca. 1 cm wird dann oftmals das nächste Gelege abgesetzt. Die Jungfische des vorhergehenden Ablaichens werden aber auch in diesem kleinen Becken nicht gejagt. Es konnte keine Laichzeit festgestellt werden. Die A. commbrae laichten über das gesamte Jahr. Die Tiere wurden bis zur dritten Generation vermehrt.

Aus den hinreichend bekannten Gründen des restriktiven Vorgehens der brasilianischen Behörden dürften das die vorläufig letzten Tiere aus diesem Gebiet sein, die durch reisende Aquarianer nach Deutschland gekommen sind. Kommerziell werden sie wohl kaum importiert.

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