Unser Ehrenmitglied Prof. Dr. Dr. Sterba

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Der verdienstvolle Vorsitzende unserer Nymphaea-Gemeinschaft bat mich in einem Schreiben vom 14.01.2016 für die Jubiläumsfestschrift einen Beitrag zum Thema „Mein Verhältnis zum Verein“ zu schreiben. Dem Anliegen komme ich gern nach, aber unsere Verhältnisse sind meines Erachtens so gut, dass sie sich durch Worte kaum verbessern lassen. Aber vielleicht, so das Ergebnis längeren Nachdenkens, kann interessieren, wie das älteste Mitglied als Elfjähriger zu einem Aquarium kam und wie ihn die Aquaristik in den folgenden Jahren begleitete, davon immerhin 58 von 94 bei der Nymphaea beziehungsweise ihrem Vorgängerverein Aqua West.

Also, soweit ich mich erinnere, begann meine aquaristische Laufbahn Weihnachten 1933 als Tauschhandel. Mein Vater bot mir als Geschenk ein Aquarium mit Fischen an, ich sollte mich als Gegengabe bereit erklären, dass unser Papagei verkauft werden darf. Das mir sehr liebe Tier gab ständig schrille Töne von sich, die ihm meine Mutter beigebracht hatte; „Adolf“ meinem Vater zuliebe, „Bubi“ mir zuliebe. „Unsere Bekannten glauben noch, wir lieben Adolf“ war die Argumentation meines Vaters, „Aber ich mag den Papagei“ die meine. Mein Vater siegte, wie immer.

So kam ein kleines Aquarium in die noch kleinere Wohnung und nur auf dem Kü- chenschrank war ein Stellplatz frei. Meine aquaristische Tätigkeit begann beim Be- obachten  und  Füttern immer  mit dem  Aufstellen  einer  kleinen Leiter. Zum Glück

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verliebte sich auch die Wirtschaftshilfe in die Schwertträger und Prachtbarben. Ihre Körperlänge sicherte die Fischkontakte auch ohne Leiter. Sie war es auch, die meinen Vater überzeugen konnte, dass unter dem Flurfenster auch noch Platz wäre. Nachdem mein Vater die höheren Heizkosten an dortiger Stelle als unerheblich kalkuliert hatte, kam das gute Stück da hin. Endlich konnte ich wirklich beobachten, füttern lernen, auch vom Lebendgebären etwas erfahren und die Fischliebe studieren. Ich begann, Aquarianer zu werden, auch aktiviert von dem Wissen, dass der einzige Fischhändler der Stadt mir ab und zu ein paar Jungtiere abnahm. 20 Heller das Stück 100 Heller waren eine Krone und 8 Kronen eine Mark. Mein Vater sagte noch immer „Viecher“ zu den Fischen und wollte gar nichts von meinem Wunsch wissen, Bildhauer zu werden.

Mit einem generellen Wohnungswechsel endete schließlich die Platznot. Ein riesiger Boden bot Platz für einen Kleintierzoo, ich wurde übermütig. Im Gymnasium grün- deten wir, das heißt alle Fischliebhaber, einen Interessenkreis und wählten unseren Biologielehrer zum Vorsitzenden. Herr Warznauer eignete sich gut dazu. Immerhin hatte er versucht, den Eiger zu besteigen, war aber klug genug, dazu nicht die Nord- wand zu wählen. Ihm verdanke ich die Liebe zur Biologie und den Umgang mit der Fachliteratur. Die Interessengruppe verdankt ihm die Kontakte mit ähnlichen Interes-senten im In- und Ausland.

Das wirklich große aquaristische Erlebnis kam ganz plötzlich und unerwartet in mei- nen Fischalltag. Mein Händler hatte den ersten lebenden Neon, das war kein Fisch, das war das Superwunder in Fischgestalt. Mit allen Träumen war man von nun an in der tropischen Region, um solche Wunder zu suchen.

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Dann kamen das Abitur, der Arbeitsdienst, die Fronteinsätze. Von den Verwundun- gen war die letzte eigentlich ein Segen, brachte sie doch die absolute Wehruntaug- lichkeit. Als ich nach 1946 die großen Krücken endlich nicht mehr brauchte, kamen die Fische wieder ins Haus und wieder gab es ein bisschen Geld für die Nachzuchten von Keilfleckbarben, von denen viele westwärts schwammen, zumindest bis 1950.

Und dann kam eines Tages der Urania- Verlag mit der Anfrage, ob ich ein Aquarienbuch schreiben könnte. Aber da zeigte schon ein erster Versuch, dass die Begeisterung für Fische den Tintenfluss aus der Feder soweit begünstigte, dass die Texte gleichsam allein aus der Feder flossen und sich zudem ganz gut lesen ließen. Jetzt mussten wir auch nicht mehr die Kindermilchkarten verkaufen, weil kein Geld im Hause war.

Bei manchen meiner späteren Einladungen als Neuroendokrinologe kam in den eh- renden Worten zur Begrüßung auch die Bemerkung vor, dass es in Deutschland auch einen Fischkundigen namens Sterba gäbe. In meine Dankesworte habe ich dann manchmal eingeflochten, „mit der rechten Hand schreibe ich akademisch, mit der rechten und linken Hand versuche ich mich in der Aquarienliteratur, die linke Hand allein ist mir Reserve für die schönen Zufälle des Lebens“.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und bleibenden Dank für die Wahl zum Eh- renmitglied.

Günther Sterba

Inhaltsangabe

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