Die Panzerwelse  Corydoras paleatus  (Jenyns, 1842) und  Brochis splendens  (Castelnau, 1855) im Aquarium
Unserem verstorbenen Vereinsfreund Klaus Kuhfuß gewidmet.

Text und Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Klaus Kuhfuß hatte den jahrelangen Kampf gegen die Krankheit verloren und seine Witwe hatte uns im November 2014 gebeten, sein Aquarium aufzulösen. Es fanden sich auch spontan einige Vereinsmitglieder, die zur Hilfe bereit waren. Es war ein schön eingerichtetes Becken und es tat einem leid, es auseinander zu reißen, doch es blieb keine Wahl. Auch die Fische waren in einem tadellosen Zustand.

Obwohl auch meine Aquarien dicht besetzt waren, nahm ich neben drei Mosaikfadenfischen  Trichopodus leerii  (Bleeker, 1852) sechs Punktierte Panzerwelse Corydoras paleatus und fĂŒnf Smaragdpanzerwelse Brochis splendens in meine Obhut.

Es waren große, krĂ€ftige Tiere, die sich auch sichtlich in dem zugewiesenen 85 Liter fassenden Aquarium wohlfĂŒhlten. Sie waren stĂ€ndig in Bewegung und suchten den Boden nach Futter ab. Wie in den meisten meiner Becken gab es keinen Bodengrund und die Pflanzen waren in Blumentöpfen eingepflanzt. Das erleichtert die Arbeit, wenn Fische herausgefangen werden mĂŒssen oder eine Generalreinigung ansteht. Das Aquarium wird mit einem luftbetriebenen Innenfilter Marke Eigenbau gefiltert. Allerdings kauen die Panzerwelse unablĂ€ssig alles Erreichbare durch, so dass es am Ende staubfein zermahlen ist und im gesamten Becken schwebt. Selbst bei einem großen Wasserwechsel – ich wechsele immer ungefĂ€hr 80 Prozent – bleibt noch so viel Schwebstoff ĂŒbrig, dass es leicht trĂŒb erscheint. Vergesellschaftet sind sie mit einigen BĂ€rblingen, die sich nicht daran stören sowie einem Paar  Ancistrus sp., unserem guten alten Antennenwels.

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Die Tiere werden mit allerlei Lebendfutter – Rote und Weiße MĂŒckenlarven, Tubifex, Daphnien, aber auch Trockenfutter – gefĂŒttert. Als Trockenfutter bevorzuge ich Forellenaufzuchtfutter, das nicht nur von den Welsen gut gefressen wird. Zuletzt war die Versorgung mit MĂŒckenlarven und Tubifex unsicher, so dass ich auf ein Futtermittel aus meiner Malawi-Tanganjika-Zeit zurĂŒckgegriffen habe. Es handelt sich um fein zerkleinertes Rinderherz, das ich mit gefrostetem Spinat (selbstverstĂ€ndlich ohne Sahne!) versetze und danach einfriere. Es wird zum VerfĂŒttern vom gefrorenen Block abgeschabt und ohne weiteres in das Aquarium gegeben. Zu meiner Überraschung wurde dieses Futter sofort ohne Übergangszeit angenommen und ich fĂŒttere es inzwischen auch an andere Fische. Selbst Zwergbuntbarsche fressen es nach einer Eingewöhnung.

C. paleatus kommt im Stromgebiet der Rio de La Plata und des Rio Parana in Uruguay und Brasilien vor. Der Lebensraum erstreckt sich bis weit in den SĂŒden im subtropischen Bereich, so dass auch tiefere Temperaturen vertragen werden. In den achtziger Jahren hatte ich diese Art bereits vermehrt und den Sommer ĂŒber in einem Gartenteich gepflegt. Das ist selbst bei einem kalten Sommer durchaus möglich. Br. splendens kommt dagegen aus tropischen Gebieten am Rio Amazonas und aus dem Einzugsbereich des RĂ­o Ucayali. Entsprechend höher sind die Anforderungen an die Wassertemperatur. Ich pflege beide Arten gemeinsam in unserem Leipziger Leitungswasser bei 23 – 26 Grd C.

So verging ein gutes halbes Jahr, ohne dass ich den Tieren grĂ¶ĂŸere Aufmerksamkeit geschenkt hĂ€tte. Ende Mai entdeckte ich dann an den Pflanzen einige Eier und stellte bei nĂ€herer Betrachtung fest, dass die MĂ€nnchen der Punktierten Panzerwelse die Weibchen in typischer Panzerwels-Manier durch das Becken trieben. Es blieben aber nur einige wenige Eier, die ich von den Pflanzen absammelte und in einem kleinen EinhĂ€ngebecken mit separater BelĂŒftung aufbewahrte. Die Eier sind klebrig und sehr hartschalig, so dass man sie mit den Fingern entfernen und am Glas des kleinen Beckens wieder ankleben konnte. Es entwickelten sich elf Jungtiere, die mit Nematoden aus eigener Zucht angefĂŒttert wurden. Sie entwickelten sich zĂŒgig aber nicht rasant gemeinsam mit kleinen Zwergbuntbarschen in einem Aquarium. Mit einer GrĂ¶ĂŸe von ungefĂ€hr drei Zentimetern setzte ich sie dann zu den Ă€lteren Tieren, um den Bestand zu vergrĂ¶ĂŸern. Allerdings starben nach einigen Tagen aus nicht ersichtlichem Grund fĂŒnf Tiere innerhalb kurzer Zeit. Da Panzerwelse kein aggressives Verhalten zeigen, kann es nicht daran gelegen haben, dass die grĂ¶ĂŸeren Tiere die jĂŒngeren bedrĂ€ngt haben könnten.

Diese Laichphase war nur von kurzer Dauer. Danach tat sich bis Mitte November nichts. Ohne VerĂ€nderung am Aquarium oder der FĂŒtterung begannen jetzt die MĂ€nnchen beider Arten unablĂ€ssig zu treiben. GlĂŒcklicher Weise hatte ich gerade zwei kleine Becken von ungefĂ€hr zwanzig Liter Inhalt frei, in die ich drei MĂ€nnchen und ein Weibchen von C. paleatus in das eine und zwei MĂ€nnchen – mehr hatte ich nicht – und ein Weibchen von Br. splendens in das andere setzte.

Bereits am nĂ€chsten Tag hatten die Smaragd-Panzerwelse gelaicht. Es sah aus wie nach einem Schneegestöber. Das Weibchen hatte ĂŒber Nacht seinen Eiervorrat abgelegt. Die Eier waren einzeln wahllos an Pflanzen, EinrichtungsgegenstĂ€nden und den Glasscheiben angeheftet worden. Die Elterntiere wurden daraufhin entfernt und zurĂŒck in das angestammte Aquarium gebracht. Allerdings entwickelte sich kein einziges Ei. Sie verpilzten allesamt innerhalb von zwei Tagen und wurden bei einem grĂŒndlichen Wasserwechsel entfernt. Der Misserfolg hatte mich aber nicht sonderlich erstaunt. Es ist hĂ€ufig der Fall, dass nach einer langen Zeit der Laichpause die Eier ĂŒberstĂ€ndig sind und sich nicht entwickeln. Sind diese Eier dann abgelegt, werden neue, befruchtungsfĂ€hige Eier gebildet und sie entwickeln sich ohne Problem. Ich hatte keine Information, ob die Tiere bei Klaus jemals gelaicht hatten, so dass der Vorgang völlig normal war. Inzwischen hatten auch im grĂ¶ĂŸeren Aquarium die Tiere abgelaicht und ich setzte erneut ein Trio in das Ablaichbecken. Auch diesmal war ĂŒber Nacht das „Schneegestöber“ erfolgt und die Elterntiere wurden zurĂŒckgesetzt. Diesmal entwickelte sich der Großteil der sicher mehr als einhundert abgelegten Eier innerhalb von zwei Tagen und schwammen nach zwei weiteren Tagen frei. Ich habe dann noch zweimal die Tiere angesetzt und zahlreiche Nachkommen erzielt. Allerdings habe ich nie den Laichakt verfolgen können, da ausschließlich in der Nacht gelaicht wurde.

Auch die Punktierten Panzerwelse hatten am folgenden Tag gelaicht. Anders als die Smaragd-Panzerwelse laichen sie ausschließlich am Tage. In typischer Art werden die Weibchen von den MĂ€nnchen verfolgt, wobei die MĂ€nnchen untereinander versuchen, sich abzudrĂ€ngen. Wenn es schließlich einem der MĂ€nnchen gelingt, sich quer vor das Weibchen zu stellen, klemmt es mit seiner Brustflosse die Barteln des Weibchens ein, das darauf hin bis zu drei Eier abgibt und in die zu einer Tasche umgebildeten Bauchflossen aufbewahrt. In dieser Zeit gibt das MĂ€nnchen offensichtlich sein Sperma ab und die Eier werden befruchtet. Anschließend schwimmt das Weibchen scheinbar ziellos durch das Becken und heftet die Eier an Pflanzen oder Aquarienscheiben. Im Gegensatz zu den Smaragd-Panzerwelsen werden die Eier aber in mehr oder weniger großen Flecken nebeneinander, aber mit Abstand angeheftet.

Die Befruchtungsrate der Punktierten Panzerwelse war bereits bei der ersten Laichabgabe recht hoch. Das hing sicher mit der Laichperiode im FrĂŒhsommer zusammen. Die Eianzahl war aber deutlich geringer als bei den Br. splendens. Die Laichentwicklung entsprach derjenigen der Smaragd-Panzerwelse.

Beide Arten wurden vorerst gemeinsam aufgezogen. Die FĂŒtterung erfolgte mit Rettichtierchen aus einer Kultur sowie mit den vorgenannten Nematoden. Mit dem Heranwachsen wurden dann ausschließlich letztere gereicht. Normaler Weise fĂŒttere ich die Nematoden mit Hafer-Schneeflocken und bei normaler Entnahme bilden sich ausreichend viele, um Jungfische aufzuziehen. Allerdings waren jetzt erheblich mehr Junge satt zu bekommen, als gewöhnlich. Um den Ertrag zu steigern, wurde zusĂ€tzlich BĂ€ckerhefe als Suspension den Kulturen zugesetzt. Das fĂŒhrte zu einer explosionsartigen Vermehrung, so dass frĂŒh und abends reichlich gefĂŒttert werden konnte. Als die Tiere etwas herangewachsen waren, wurde zusĂ€tzlich fein geriebenes Trockenfutter hinzugefĂŒttert. Es zeigte sich allerdings, dass die kleinen Smaragd-Panzerwelse ungleich schneller wuchsen als die Punktierten Panzerwelse. Ich habe letztere dann herausgefangen und separat aufgezogen.

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p05Die C. paleatus Ă€hnelten von klein auf in Form und Farbe den Elterntieren. Lediglich zu Anfang waren die Flecken kleiner, dafĂŒr aber zahlreicher. Sie zogen sich spĂ€ter zu geschlossenen Feldern zusammen und gleichen nun in Form und Farbe vollstĂ€ndig den Elterntieren. Die Bilder zeigen die Fische nach zwanzig und vierzig Tagen. Allerdings blieb es dabei, dass die kleinen C. paleatus deutlich langsamer wuchsen, als die B. splendens, obwohl sie nun keine Konkurrenz mehr hatten. Etwas Bemerkenswertes ist hier noch zu berichten, denn es fiel eine ziemlich hohe Zahl an albinotischen Jungtieren aus. Von den ungefĂ€hr 150 Nachkommen waren es immerhin 19 Tiere. Bei der Aufzucht waren keine Nachteile hinsichtlich der ÜberlebensfĂ€higkeit zu bemerken. Sie erschienen im Gegenteil weniger scheu und verließen die Futterstelle bei AnnĂ€herung an das Aquarium als letzte. Albinotischen Fischen wird nachgesagt, dass sie eine geringere Sehkraft haben sollen. Vielleicht ist das der Grund, dass sie die AnnĂ€herung an das Becken einfach spĂ€ter erkennen können. Sie wachsen jedenfalls in der gleichen Geschwindigkeit wie ihre normalfarbigen Geschwister.

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p08Dagegen machten die Br. splendens eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Die Bilder zeigen die Jungfische nach zehn, dreißig und fĂŒnfzig Tagen. Neben der Fleckenzeichnung ist die besonders große RĂŒckenflosse im VerhĂ€ltnis zum Körper bei den Kleinsten auffĂ€llig. An den Körperseiten bilden sich zunehmend mehr Flecken, die in eine Marmorierung ĂŒbergehen. Diese Marmorierung verschmilzt zunehmend zu einem flĂ€chigen dunklen GrĂŒn. Nach fĂŒnfzig Tagen gleichen die inzwischen bereits drei Zentimeter messenden Welse ihren Eltern. In dieser GrĂ¶ĂŸe wurde dann neben Trockenfutter auch Rinderherz gefĂŒttert. Es wurde sowohl von diesen Jungfischen als auch von C. paleatus sehr gut und ohne eine Eingewöhnungszeit angenommen.

WĂ€hrend der Aufzucht der Jungfische ist eine peinliche Überwachung der WasserqualitĂ€t unabdingbar. Das Wasser wird durch den hohen Futterumsatz – und die Kleinen fressen beachtliche Mengen – außerordentlich belastet. Auch bei den kleinen Fischen wechsele ich das Wasser bis zu achtzig Prozent, indem ich es nach dem Ablassen durch temperiertes Leitungswasser ohne jegliche Vorbehandlung ersetze. Diese Prozedur nehme ich bei allen meinen Fischen vor, ohne jemals damit Probleme gehabt zu haben. Zu Diskussionsabenden hört man gelegentlich, durch den Wasserwechsel seien Fischverluste aufgetreten. Ich glaube aber, hier gilt der Spruch: „Der schlechte Reiter schiebt es auf das Pferd.“ Sicher sind andere GrĂŒnde verantwortlich.

Alles in allen sind sowohl die Punktierten als auch die Smaragd-Panzerwelse einfache Pfleglinge, die auch in der ErnĂ€hrung nicht sehr anspruchsvoll sind. Den Br. splendens wird lediglich nachgesagt, sie seien nicht so einfach zur Vermehrung zu bringen. Wie ich zeigen konnte, ist es aber auch ohne grĂ¶ĂŸere BemĂŒhungen durchaus möglich.

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