Unterwegs in Nigeria - Salmler, Barben, Garra, Leuchtaugen, Welse, Buntbarsche

Text und Fotos: Michael Haubner

Im Rahmen eines beruflichen Aufenthalts ging es wieder einmal  auf Zierfischfang in Nigeria. Wir möchten auf den folgenden Seiten die Fangplätze und die angetroffenen Arten kurz vorstellen. In den Jahren 2009 – 2011 war die Sicherheitslage noch nicht so angespannt, wie sie sich in den späteren Jahren entwickeln würde. Natürlich sollte man niemals übermütig werden und geltende Sicherheitsvorkehrungen in den Wind schlagen. Die vorrangigen Ziele lagen daher auch im Gebiet um Abuja, der neuen künstlichen Hauptstadt Nigerias.  Die Fließgewässer in und um Abuja waren kaum zum Fischfang geeignet. Bis auf einen Flusslauf im Westen Abujas waren alle Bäche sehr stark vermüllt, verschmutzt und mit Öl belastet. Hier fährt jeder, ob Mopedfahrer oder Taxifahrer sein Gefährt an oder in das Gewässer und wäscht sein Fahrzeug. Man glaubt aber gar nicht wie stark die Natur ist. Selbst in stinkenden und trüben Bachläufen waren noch Barben zu fangen. 

Barbus callipterus (Boulenger, 1907)
Barbus holotaenia (Boulenger, 1904)

Nitrat (NO3)
Nitrit (NO2)
Gesamthärte (GH)
Karbonathärte (KH)
pH Wert6,4
Temperatur in 1m Tiefe

< 100mg/l
< 10  mg/l
7,0° dH
3,0° dH
6,4
28° C

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Hauptfangplatz war jedoch der nahe liegende Usmandamm. Hier waren recht schnell helfende Hände zur Stelle. In den folgenden Monaten sollte mich immer wieder mein Guide Young unterstützen. Er ist immerhin Eigner eines rund 6 Meter langen Kanus.

Nitrat (NO3)
Nitrit (NO2)
Gesamthärte (GH)
Karbonathärte (KH)
pH Wert6,4
Temperatur in 1m Tiefe

10mg/l
0,2
  mg/l
6,0° dH
6,0° dH
7,2
28° C

l03 l04

Die vorrangig vorkommenden Arten sind die allgegenwärtigen Tilapia mariae Boulenger, 1899 und Tilapia zilli Gervais, 1848 sowie Welse der Gattungen Auchenoglanis und  Clarias,  aber immer wieder  gingen  besonders in Ufernähe schöne Hemichromis letourneauxi (Sauvage,1880) in die Reuse (Haubner & Hoyer, 2011). Es waren Tiere aller Größen anzutreffen von ungefähr einem Zentimeter bis zu ausgewachsenen Tieren von zehn bis zwölf Zentimeter Länge. Die in meiner Unterkunft gehaltenen Tiere zeigten nach kurzer Eingewöhnung prächtige Farben und ließen sich von der Vermehrung nicht abhalten.

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l07Die Tilapien wurden von den jungen Männern mit langen Netzten im Freiwasser gefangen. Leider sind die Netzte recht engmaschig und aussortiert wird nichts, die großen sind für den Grill, die kleinen wandern in die Pfanne oder die Fischsuppe. Bei den Tilapien sollte man damit sicherlich keinen Schaden anrichten, da diese meist ausgesetzt sind und sich in allen Gewässern rasant vermehren und die ursprünglich vorkommenden Arten stark unterdrücken bis ausrotten. Es waren recht stattliche Exemplare von 25 Zentimeter Länge in den Fängen enthalten.

Bei einem Ausflug mit dem Kanu habe ich dann, bitte nicht weitersagen, die Reusen der Fischer etwas in Augenschein genommen und zwei kleine noch in Transportgröße befindliche Giraffenwelse Auchenoglanis occidentaslis (Valenciennes 1840) gefunden. Diese beiden Tiere erfreuen sich heute noch bester Gesundheit und sind mittlerweile zu  stattlichen  Tieren  herangewachsen.  In der  Literatur werden diese Fische mit einer Größe bis 75 Zentimeter Länge beschrieben, die größten im Netz gefangenen Exemplare maßen um die vierzig Zentimeter.

Ein weiterer sehr interessanter Fisch ist uns mit Raiamas senegalensis (Steindachner, 1870) in die Reuse gegangen.  Es sind sehr schnelle, elegante Schwimmer. Kleinere Tiere bis zehn Zentimeter Länge konnte ich bis zu meiner Abreise im Dezember 2011 in meinem Aquarium halten.

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Zu guter Letzt gab es einen recht kleinen Vertreter der Leuchtaugenfische Aplocheilichtys luxophthalmus (Brüning, 1929), der sich trotz der hohen Anzahl von Fressfeinden erfolgreich im See halten konnte. Besonders in Ufernähe wurden die kleinen Fischlein recht einfach mit dem Kescher gefangen. Über mehr als 6 Jahre gelang einem Fachgruppenmitglied die erfolgreiche Arterhaltung.

l11An einem namenlosen kleinen Flusslauf im Westen Abujas konnte ich eine doch recht erschreckende Beobachtung machen. Ein junger Mann fing offenbar mit der Hand Fische aus dem Wasser. Ich glaubte natürlich an die tollen Fähigkeiten des vermeintlichen Fischers. Mein Fahrer machte mich jedoch dann darauf aufmerksam, dass etwa 100 Meter oberhalb des Fangplatzes ein Helfer immer wieder eine Flüssigkeit in das Wasser gab. Es handelt sich dabei um das Nervengift Gamalin 20. Das Teufelszeug betäubt schon in geringsten Dosen und ist sicherlich nicht nur für die Fische tödlich. Ich machte noch kurz einige Aufnahmen und dann nichts wie weg.  Bemerkenswert war der auf dem Bild erkennbare Hepsetus odoe (Bloch, 1794). Er hat schon ein beeindruckendes Gebiss. Wenn man der Literatur Glauben schenken darf, werden diese Fische bis zu siebzig Zentimeter lang. Dann ist auch ein dreißig Zentimeter großer Buntbarsch eine leichte Beute.

Im Oktober 2009, als die Lage noch relativ ruhig war, unternahmen wir zwei längere Ausflüge etwa 120 Kilometer westlich von Abuja. Hier haben wir in der Nähe von Akwanga einen Wasserfall gefunden der zum Teil die Hochebene von Jos entwässert. Da die Trockenzeit noch anhielt, war es möglich, in den Restlöchern und kleinen Bächen auf Fischfang zu gehen. Wenn man bedenkt wie klein die Wassermenge in diesen Löchern war, kann man davon ausgehen, dass die Fische erhebliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht aushalten müssen.

Nitrat (NO3)
Nitrit (NO2)
Gesamthärte (GH)
Karbonathärte (KH)
pH Wert6,4
Temperatur in 1m Tiefe

20mg/l
0,3
  mg/l
2,0° dH
0,0° dH
7,2
22° C

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Am Nachmittag folgte noch ein Stopp nahe der Ortschaft Yasho. Unterhalb einer Brücke lud ein kleiner, aber optisch sauberer Bachlauf zum Fischfang. Wir waren sehr schnell von Kindern umgeben, die uns natürlich beim Fischfang helfen wollten. Diese Hilfe wurde dankend angenommen und den Jungs erklärt, wohin sie die Reuse legen sollten. Kaum fünf Minuten im Wasser wurde schon wieder nachgeschaut, wer sich denn von den Ködern hat anlocken lassen. Da half auch alles nichts, den Burschen zu sagen, sie sollen warten. Aber was war das für ein Gewimmel im Netz. Es waren die bereits in Abuja gefangenen Barben, die Garra vom Wasserfall aber nun auch noch ein hübscher, zierlicher Salmler im Netz. Es handelte sich um Micralestes cf. elongatus.

Nitrat (NO3)
Nitrit (NO2)
Gesamthärte (GH)
Karbonathärte (KH)
pH Wert6,4
Temperatur in 1m Tiefe

50mg/l
5,0
  mg/l
3,0° dH
2,0° dH
6,8
26° C

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Am frühen Nachmittag drängte die Zeit, sich auf den Rückweg nach Abuja zu machen, denn 120 Kilometer bedeuten mindestens 3 Stunden Fahrzeit und die Dunkelheit hält reichlich Gefahren bereit, Straßenschäden, kamikazefahrende Autolenker, Polizisten die noch schnell etwas „verdienen“ wollen und so weiter.

Eine weitere kurze Reise führte uns in den Kainji Nationalpark an der Grenze zu Benin.  Mit einem Polizisten im Auto ging es auf die dreitägige Reise.  Am Kainji Lake fielen uns bereits bei der Anreise die vielen fliegenden Fischhändler am Stra-ßenrand auf, die frischen, weil noch lebenden Fisch anboten.  Für uns Europäer ist das natürlich äußerst gewöhnungsbedürftig. Den angebotenen Welse, wahrscheinlich, Brachysynodontis batensoda (Rüpell, 1832) wurde der verlängerte erste Brustflossenstrahl durch die Schwanzwurzel gestoßen und so zum Kringel fixiert mussten die Tiere auf dem Tisch liegen. Von Zeit zu Zeit wurden sie mit Wasser bespritzt. Die Leute wussten genau, was tun ist, um die Tiere möglichst lange am Leben zu erhalten. Was ist das für eine Quälerei. Im Bild sind sie bereits gebraten.

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Im Park selbst wurde uns an einer Stelle das Fischen erlaubt, immer mit einem wachsamen Blick zum Wasser, denn hier lebten auch Flusspferde.  Zur Ausbeute gehörten Hemichromis guttatus Günther 1862 und Oreochromis sp. (Haubner & Hoyer, 2013).

Im Park selbst wurden zahlreiche Antilopen, Wildschweine und Affen gesichtet, die wahren Herrscher - Löwe und Elefant - bekamen wir leider nicht zu Gesicht.  Dafür hätten wir mindestens vier Tage im Park verbringen müssen, diese Zeit war uns leider nicht gegeben.

Auf dem Rückweg wurde eine Grillpause am Kaduna River eingelegt. Es konnte ja nichts schaden die Angel auszuwerfen, vielleicht gab es frischen Fisch zum Mittagessen. Tatsächlich ging ein kleiner Salmler an den Haken. Es war Brycinus affinis (Günther, 1894).

l20Diese Fisch war lange Zeit in meiner Pflege, legte jedoch ein solches Wachstum und Temperament an den Tag, dass er in einem Großaquarium untergebracht wurde.

Es war eine sehr interessante und lehrreiche Zeit in Nigeria. Leider wurde es ab 2011 zunehmend unruhiger. Man glaubt nicht, was Menschen aus religiösen Gründen zu tun in der Lage sind. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch in diesem Teil der Welt endlich Frieden und Vernunft einziehen, habe ich doch auch viele Freunde gewonnen, sei es mein Guide Young, mein Driver Ibrahim, den Schlosser Ezekil, den Schweißer Haruna, den Superviser Alex und viele andere. Die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Nigeria bleibt.

Das letzte Bild zeigt einen Moslem und einen Christen beim gemeinsamen Gebet. Möge das die Zukunft Nigerias sein.

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Inhaltsangabe

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