Kurt Buchheim

geboren am 19.09.1907                             Dr. Rainer Hoyer

Kurt Buchheim ist mit seinen 95 Jahren nicht nur unser ältestes Ehrenmitglied, sondern unser ältestes Mitglied überhaupt. Wenn man ihn sieht und vor allem mit ihm spricht, glaubt man sein Alter nicht. Um diesen Beitrag und die Geschichte der Aquaristik in Leipzig schreiben zu können, habe ich zweimal drei Stunden mit ihm gesprochen und es war keine Minute langweilig. Auf ein Stichwort konnte er zu beliebigen aquaristischen oder auch geschichtlichen Themen sprechen. Er erfreut sich auch in seinem hohen Alter noch bester geistiger Kräfte.

Unser Kurt, vielen besser unter seinem Spitznamen „Knacker“ (was aber nur heimlich in seiner Abwesenheit gebraucht wurde) bekannt, wurde als Sohn eines Schuhmachers, der bei der Kaiserlichen Armee angestellt war, in Wahren bei Leipzig geboren. Nach der achtjährigen Schulzeit erlernte er in der Werkzeugmaschinenfabrik Pittler in Wahren bis 1925 den Beruf eines Werkzeugschlossers. Nach der Lehre wurde er dort für ein Jahr weiterbeschäftigt und war anschließend für 8 Jahre arbeitslos, ein Schicksal, das er in dieser schweren Zeit der Weltwirtschaftskrise mit vielen Deutschen teilte.

Ab seinem 10. Lebensjahr beschäftigte er sich mit Fischen und Lurchen. Zu Anfang waren es einheimische Fische, die in der Umgebung gefangen wurden. Recht anschaulich wusste er noch heute über den Fang von kleinen Hechten mit der bloßen Hand zu berichten. Von einem Klassenkameraden erhielt er seine ersten tropischen Fische: Guppys. Später kamen Platy hinzu, die damals bei weitem noch nicht die Farbenpracht heutiger Zuchtformen aufweisen konnten. Die ersten eierlegenden Fische, mit denen er sich beschäftigte, waren Makropoden. Deren Laichgeschäft faszinierte auch seine Großmutter derartig, dass er künftig ausreichend Freiheit für sein Hobby hatte. Seine Zeit musste er sich dabei mit seinem zweiten Hobby, dem Feldhandball teilen.

 

1928 kam er auf Vermittlung von HESSEL und RADESTOCK zum Arbeiter-Aquarienverein „Azolla“. In dieser Zeit begann er sich intensiver mit Labyrinthfischen zu beschäftigen. Seine besondere Liebe galt den Kampffischen, die sich über viele Jahre erhalten hat. In der Zeit von 1930 bis zur Auflösung 1933 wegen der Machtübernahme der Nazis war er Mitglied des kommunistischen Aquarienvereins „Mikro“ und trat danach wieder der „Azolla“ bei. 1946 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Nachfolgevereins der „Azolla“, der Fachgruppe „Aqua West“. Er war auch über lange Jahre als Kassierer im Vorstand tätig.

Ab 1934 war Kurt Buchheim wieder bei Pittler als Werkzeugschlosser tätig und wurde Vorarbeiter. Durch seine Kenntnisse und Fähigkeiten war er vom Kriegsdienst freigestellt. Nach dem Krieg wurde er Schlosser im LKW-Reparaturwerk „Roter Stern“ bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden 1960.

Jetzt begann für ihn ein völlig neuer Lebensabschnitt. Er machte nämlich sein Hobby bis 1972 zum Beruf und züchtete Fische, vor allem für die damalige VEH „Zoologica“. Seine Anlage befand sich in der Georg-Schumann-Straße, Ecke Pfefferbrückchen in einer alten Bäckerei. Die Qualität seiner Fische war legendär. Es gelang ihm auch die Zucht verschiedener Fische, die allgemein als schwierig galten. Besonders stolz berichtete er über die Zucht von Schrägstehern, an der sich andere Berufszüchter vergeblich die Zähne ausgebissen hatten. Einige unserer heutigen Teiche in Radefeld hatte er damals in Pacht.

Noch im Alter von 91 Jahren züchtete Kurt Apistogramma cacaduoides. In den letzten Jahren nach einem Umzug musste er sein Hobby aufgeben. Wir wünschen ihm noch ein langes und gesundes Leben.

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