Krebstiere im Süßwasseraquarium

Carsten Ziemke                                                   Fotos: Carsten Ziemke

Wirbellose im Süßwasseraquarium spielen eine meist untergeordnete Rolle, sie werden als zusätzliche und nützliche  „Dekoration“ beigefügt. So werden oft Apfelschnecken oder Garnelen als Algenverzehrer gehalten. Aber unter den, im Vergleich zu Meerwasseraquarien, wenigen zur Verfügung stehenden Arten gibt es doch einige, die interessant genug sind, um sich speziell damit zu beschäftigen. Meine besondere Aufmerksamkeit galt in den letzten Jahren Krebsen, Garnelen und Krabben, welche ja bekanntlich zu den Krebstieren (Crustacea) gehören.

Nach der weiteren Systematik werden Krebse, Garnelen und Krabben in die Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda) einsortiert. Unterhalb dieser Einteilung ist es allerdings dann etwas schwierig, die gehaltenen Tiere einer Art zu zuordnen. Bei den Krebsen ist es noch relativ einfach. Die Garnelen und Krabben können mit Mühe und Not gerade noch einer Gattung zugeordnet werden, wobei hier schon teilweise Zweifel angebracht sind, sehr oft erscheint daher bei der Artbezeichnung das beliebte spec. . Im Handel tauchen dann auch Arten auf, die mit fantasievollen deutschen Namen versehen wurden, eigenartige wissenschaftliche Bezeichnungen haben und auf Nachfrage der Herkunftsort auch bloß nicht bekannt ist. Die überschaubare Literatur zu diesem Thema hält sich ebenfalls, in dieser Hinsicht, dezent zurück, so dass ich die von mir gepflegten Tiere leider auch oft nicht genau benennen kann bzw. beim Blättern in der raren Literatur mehr auf Vermutungen angewiesen bin.

Meine ersten Krebstiere die ich in meinem Aquarium hielt (abgesehen von diversen Wasserfloharten), waren Kubanische Krebse Procambarus cubensis. Voller Stolz setzte ich 4 dieser Tiere in ein 80-Liter-Becken, welches gut bepflanzt und mit vielen Verstecken versehen war. Die Krebse verschwanden auch erst einmal in den vorhan

 

denen Unterschlupfen. Nach einer Woche konnte man dann die Krebse sehr gut be-obachten, denn der störende Pflanzenwuchs wurde von den Tieren erst einmal beseitigt, die Blätter schwammen abgeschnitten und teilweise angeknabbert an der Wasseroberfläche. Nach Literaturangaben soll das mit der Zugabe von pflanzlichen Futter vermieden werden, aber scheinbar sind frische Wasserpflanzen wesentlich schmackhafter als irgendwelches Ersatzfutter. Wichtig ist allerdings dass die Krebse neben ihren vegetarischen Gelüsten auch animalisches Futter bekommen, da ansonsten große Probleme bei den nächsten Häutungen auftreten können. Das gilt übrigens auch für alle anderen Krebstiere die ich hielt.

Als Futter empfehlen sich besonders Bodentabletten, die allerdings zerstückelt werden sollten, da sich sonst ein Tier der Tablette bemächtigt und diese in den jeweiligen Unterschlupf schleppt. Frostfutter jeder Art wird auch gerne angenommen. Um die Wasserwerte braucht man sich, bei regelmäßigem Wasserwechsel, nur geringe Sorgen zu machen. Wie schon der Name vermuten lässt, ist die Heimat dieser Art Kuba. Die Temperaturen können sich entsprechend des Herkunftsgebiets zwischen 20 – 26 °C bewegen. Die Kubanischen Krebse werden 6 - 8 cm groß. Die Weibchen bleiben meist etwas kleiner und haben kleinere Scheren. Die Krebse zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Größere Revierkämpfe können durch viele Versteckplätze vermieden werden. Ab und zu gehen, bei diesen dann doch stattfindenden Kämpfen, Gliedmaßen verloren, welche nach ein bis zwei Häutungen wieder vollständig nachwachsen. Früher oder später schreitet diese Art unweigerlich zur Fortpflanzung. Je nach Temperatur trägt das Weibchen die Eier bzw. Larven 9 - 14 Tage am Unterleib. Bis zu zwei Tagen betreut das Weibchen noch die freigesetzten kleinen Krebse. Die voll ausgebildeten kleinen Krebse sind dann ca.

 

 

 

1 cm groß. Die Aufzucht ist unproblematisch. Allerdings fallen bei einer zu hohen Populationsdichte die kleinen Krebse über jeden frisch gehäuteten Artgenossen her, so dass bei nicht rechtzeitiger Vereinzelung der Tiere nur wenige das Jugendstadium überstehen.

Der Rote Sumpfkrebs oder auch Roter Hummer Procambarus clarkii wird im Handel öfter angeboten. Diese Krebsart kommt von Mexiko bis in relativ nördliche Gebiete der USA vor. Die Temperaturen können sich demzufolge zwischen 10 - 25 °C bewegen. In klimatisch günstigen Lagen sind diese Tiere auch in Mitteleuropa als unerwünschte Art heimisch geworden. Der Rote Sumpfkrebs wird bis zu 15 cm groß, diese Länge erreicht er im Aquarium aber kaum. Haltung und Zucht entspricht der oben genannten Art, nur sollte das Aquarium etwas größer sein. Für das Gesellschaftsbecken sind Krebse nur bedingt geeignet, da alles, was sich auf dem Bodengrund befindet, als potentielle Nahrung betrachtet wird, wie zum Beispiel schlafende Fische. Hier kommen nur ausgesprochene Oberflächenbewohner zur Vergesellschaftung in Frage.

Krabben sind mit dem überwiegenden Anteil der Arten im Meer- bzw. Brackwasser vertreten. Ein paar Arten haben sich aber auch an salzarmes Wasser angepasst und somit haben Süßwasseraquarianer die Möglichkeit, diese Tiere zu pflegen. In Fachgeschäften sieht man des öfteren eine kleine rötliche Krabbe. Diese wird je nach Händler als Malawikrabbe, Rote Thaikrabbe, Rote Mangrovenkrabbe, Springkrabbe usw. bezeichnet. Bei der wissenschaftlichen Namensgebung scheint zumindest die Gattungszugehörigkeit festzustehen, während die Artzugehörigkeit fraglich ist. So sind nach der einschlägigen Literatur Sesarma cf. johorensis bzw. Sesarma bidens die namentlichen Favoriten. Die Herkunft scheint Südostasien zu sein. Diese Krabbenart wird im Körperdurchmesser ca. 4 cm groß. Die Tiere können nur im Paludarium über einen längeren Zeitraum vernünftig gepflegt werden. Sie verbringen die meiste Zeit des Tages über der Wasseroberfläche. Für die Hal-

 

tung von vier Krabben ist eine Beckenlänge von 80 cm ausreichend. Es ist für jedes Tier ein räumlich getrennter Landteil vorzusehen, andernfalls kommt es zu ständigen Kämpfen, was die schwächeren Krabben auf Dauer nicht überleben. Als Futter kommt alles, was im weitesten Sinne als Fischfutter gehandelt wird, in Frage. Wasserpflanzen werden laut diverser Berichte kaum gefressen. Was auch dahingehend stimmt, das zuerst die Pflanzen des Landteils auf dem Speiseplan stehen und danach die Wasserpflanzen dran sind. Über die Vermehrung wurde bis jetzt noch nichts veröffentlicht. Eine weitere (einzelne) Krabbe die ich pflegen durfte, brachte Dr. Hoyer von einer Sri Lanka - Reise mit. Die Art- bzw. Gattungszugehörigkeit konnte ich leider nicht aufklären. Dieses Exemplar hielt sich überwiegend im Wasser auf und zeigte kaum Ambitionen, das Wasser zu verlassen.  Wie nicht anders zu erwarten war, wurden als erstes sämtliche Wasserpflanzen vertilgt. Erstaunlicherweise wurden allerdings Cryptocorynen verschmäht. Dieses Tier lebte 3 Jahre in einem Becken mit vielen Guppys zusammen (von denen sicherlich der eine oder andere verspeist wurde) und hatte zum Schluss einen Panzerdurchmesser von 5 cm.

Eine weitere Gruppe aquaristisch interessanter Krebstieren sind die Garnelen. Bei Körperlängen zwischen 4 – 30 cm ist die Haltung der meisten Süßwassergarnelen im Zimmeraquarium möglich. Es werden vornehmlich die Gattungen Neocaridina bzw. Caridina (Zwerggarnelen), Atyopsis (Fächergarnelen) und Macrobrachium (Großarmgarnelen) gepflegt. Garnelen übernehmen in der Natur in der Regel (auf Grund der hohen Populationsdichten) die Rolle der Abfallbeseitigung. Entsprechend anspruchslos sind dann auch die Anforderungen an die Futtermittel, man kann alles Fressbare verfüttern. Im Gegensatz zu den Krebsen und Krabben verschonten zumindest die von mir gehaltenen Garnelenarten die Aquarienbepflanzung. Einige Zwerggarnelen vertilgen positiver Weise sogar die meist lästigen Algen. Die Ansprüche an die Was

 

 

 

serbeschaffenheit halten sich in Grenzen. Die Temperaturen können je nach Herkunft zwischen 20 – 28 °C liegen. Bei der Einrichtung sind einige Versteckplätze vorzusehen. Während Zwerggarnelen meist in kleinen Gruppen durch das Aquarium ziehen, belegen bei den anderen Garnelenarten die Männchen Reviere. Bevorzugt wird eine erhöhte Stelle im Beckenzentrum erwählt. Die Reviergrößen überschreiten meist die Maße des normalen Zimmeraquariums. Bei einer ungünstigen Einrichtung des Beckens (freie Sicht in alle Richtungen) erliegen die nichtdominanten Tiere dem Konkurrenzdruck. Die Vermehrung im Aquarium ist bei einigen Arten ohne größeren Aufwand möglich. Die Weibchen tragen die Eier 8 – 14 Tage am Hinterleib. Bei einigen Arten verläuft die weitere Entwicklung der Larven nach dem Absetzen im Bodengrund. Die meisten Arten haben allerdings Larven, die in dieser Entwicklungsphase als freischwebendes Plankton leben. Die im Bodengrund lebenden Larven finden im nicht völlig sterilen Aquarium immer etwas zu fressen, so dass diese Arten sich auch im Gesellschaftsbecken im Selbstlauf vermehren. Anders sieht es bei den freischwebenden Larven aus. Zum Teil sind diese Larven unter einem Millimeter groß, damit ist es auch schwierig, das passende Futter anzubieten. Bei einigen Arten durchleben die Larven diese Entwicklungsstufe im Brackwasser, was die Aufzucht zusätzlich kompliziert gestaltet. Die bekannte „Amanogarnele“ ist ein typischer Vertreter dieser Vermehrungsweise. Einige Garnelenarten tragen die Larven so lange, bis diese sich zu voll ausgebildeten Junggarnelen entwickelt haben. Diese Arten lassen sich ebenfalls relativ leicht vermehren.

Eine sehr robuste Garnele ist die aus Asien kommende Fächergarnele Atyopsis mollucensis, die man über mehrere Jahre im Gesellschaftsbecken pflegen kann. Die ersten beiden Beinpaare sind bei diesen als Fächer ausgebildet. Diese Tiere kommen in schnellfließenden Gewässern vor. Dementsprechend suchen sie im Aquarium die Be-

 

reiche, in denen eine starker Strömung vorhanden ist (meist direkt vor dem Filterauslauf) auf. Stundenlang sitzen diese Garnelen dort und filtern mit aufgeklappten Fächern Nahrungspartikel aus der Strömung. In den Abendstunden gehen sie auch aktiv auf Futtersuche, wobei der Bodengrund nach Fressbarem durchsucht wird. Die Fächergarnele wird bis zu 6 cm lang und kann auf Grund ihrer Lebensweise problemlos mit kleineren Fischen zusammengehalten werden. Die Zucht dieser Art ist noch nicht gelungen.

Die Amanogarnele Caridina japonica (?) gehört mit nur 4 cm Körperlänge zu den Zwerggarnelen. Sie kann in jedem Gesellschaftsbecken mit friedlichen Fischen gehalten werden. Sie durchsucht fast den ganzen Tag das Aquarium nach Nahrung. Dass sie Algen, inbesondere die beliebten Pinsel- und Fadenalgen vertilgt, hat sich allgemein herumgesprochen.

Eine weitere Zwerggarnele ist die aus Asien stammende Zebragarnele Caridina serrata (?). Sie wird maximal 3 cm groß. Die Grundfarbe des Körpers ist braungelb, über den Rückenteil ziehen sich abwechselnd schwarze und weiße Querstreifen. So hübsch, wie diese Garnele ist, so selten sieht man sie im gut eingerichteten Becken. Bei normaler Pflege erscheinen irgendwann im Pflanzendickicht vollausgebildete Jungtiere.

Eine weitere Garnele aus Sri Lanka in dieser Größe ist die Ceylon-Süßwassergarnele Caridina zeylanica (?). Die Pflegeansprüche sind ähnliche wie bei der Zebragarnele.

Die Glasgarnele .Macrobrachium sp. gehört zu den Großarmgarnelen. Sie wird bis zu 5 cm groß. Die Männchen besetzen Reviere. Von einem erhöhten Standort wird jede andere sichtbare Garnele vertrieben. Bei kleineren Aquarien versuchen sich die unterlegenen Tiere mit einem Sprung aus dem Wasser in Sicherheit zu bringen. Bei einer ausreichenden Beckengröße und entsprechenden Versteckplätzen tragen die Weibchen recht bald Eier bzw. die geschlüpften Larven am Hinterleib. Nach dem Freisetzen sieht man die durchsichtigen Larven durch

 

 

 

das Wasser schweben. Die Aufzucht ist je nach Futterangebot einfach oder schwierig.

Eine weitere Art der Großarmgarnelen ist die sogenannte 6 - 7 cm lang werdende Chamäleongarnele Macrobrachium sp. Die Namensgebung ist mit viel Phantasie auf Farbwechsel zurückzuführen, was bei Garnelen eigentlich nichts unübliches ist. Bei den Männchen ist das erste Beinpaar als sekundäres Geschlechtsorgan stark verdickt. Kurz nach dem Einsetzen in das Haltungsbecken tragen die Weibchen Eier. Die Männchen werden danach aus ihren Unterschlüpfen vertrieben, was im Aquarium mit 80 cm Länge mit dem Tod der Männchen endet. Nach rund 14 Tagen treiben die Larven dann durch das Wasser. Leider scheinen sie in dem alteingerichteten Becken nichts Fressbares gefunden zu haben.

Hummelgarnele 5klein

Macrobrachium spec Singapur 3klein

Hummelgarnele

Macrobrachium spec. Singapur

 

 

Minifächergarnele 10klein

Krabbe Sri Lanka 2klein02

Kubakrebs1aklein

Roter Krebsklein

Mini-Fächergarnele

Krabbe Sri Lanka

Kuba-Krebs

Roter Krebs

 

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