Giganten im heimischen Aquarium

Text und Fotos: Andreas Oechel

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Wenn ich von Giganten spreche, ist das für  mich eigentlich Normalität. Seit vielen Jahren sind große Fische die “Grundausrüstung“ in meinem Fischkeller. Mir ist diese Möglichkeit gegeben worden durch die Wende. Ein Kohlenkeller wurde umfunktioniert.

Eines wurde mir auf jeden Fall bewusst, große Fische und Pflanzen sind nur im überschaubaren Maß möglich. Eine Riesenvallisnerie, die gut wächst, ist schon ein Erfolg. 
Mein größtes Becken misst zwei Meter und hat zwei große Höhlen, worin die Fische sogar vor mir sicher sind.

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Folgend Fische habe ich dort vergesellschaftet, die miteinander keinerlei Stress haben. Mein größtes Exemplar ist momentan ein Arowana, auch Gabelbart genannt (Osteoglossum bicirrhosum) von siebzig Zentimeter Länge. Im gleichen Becken befinden sich ein Feuer-Stachelaal (Mastacembelus erythrotaenia), auch siebzig Zentimeter, ein Pärchen Schmuck-Flösselhecht (Polypterus ornatipinnes), die mir schon seit ungefähr zwanzig Jahren die Treue halten, auch um die sechzig Zentimeter, dazu noch ein niedliches Pärchen von Endlichers Flösselhecht (Polypterus endlicherii) mit ungefähr vierzig Zentimeter und zum Schluss noch der Augenfleck-Schlangenkopf (Channa pleurophthalma). Sicherlich hat dieses Exemplar mit 35 Zentimeter auch nicht gerade mini-Maße, aber ist hier schon fast ein Zwerg.

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Eines dieser Tier musste leider „Asylantrag“ stellen, nachdem ich feststellen musste, dass das erhoffte Pärchen leider gleichgeschlechtlich war und von einem Tag auf den anderen sich nicht mehr mochte. Er wurde in der neuen Gemeinschaft sofort akzeptiert, denn ein Arowana erkennt, ob der Fisch als Futter in Betracht kommt.  Andererseits konnte ich feststellen, dass ein Skalar, der schon länger Wohnrecht hatte, von eingesetzten Channa ornatipinnis respektiert, ein nachträglicher eingesetzter Skalar gleicher Größe in der Nacht aber  verspeist worden ist. Die Reihenfolge des Besatzes spielt also eine entscheidende Rolle. Der zweite Augenfleck-Schlangenkopf in einem anderen Becken schwimmt nämlich mit Schwarzstreifen–Schwielenwelsen zusammen, und die sind gerade einmal ein Drittel so groß. Später eingesetzt, wären sie längst verschlungen worden. Meinen großen Feuerstachelaal musste ich leider einschläfern. Er wurde vermessen. Die achtzig Zentimeter und 1,1 Kilogramm waren respektabel. Leider habe nie ein passendes Männchen dazu bekommen.

Ich mag das Außergewöhnliche. Die Fische müssen nicht immer unbedingt riesig werden, aber sie müssen außergewöhnlich in Ihrem Aussehen und in Ihrem Verhalten sein. Außerdem will ich sehen, wie sie zu vergesellschaften sind. Die Tiere waren natürlich Jungexemplare, wenn sie von mir erstanden wurden.

r06Genau wie zwei Channa marulioides, die ich 2007 bekam. Ich hatte mich vor Ort schnell in einem entsprechenden Buch belesen und kurzerhand entschieden, die zwei mitzunehmen. Sie waren ungefähr 15 Zentimeter lang und nicht unbedingt besonders farbig, aber sie hatten diese elegante Torpedoform eines echten Räubers, wobei sie sehr friedlich waren. Sie haben trotz ihrer Größe nie andere Fische belästigt. Ich war der festen Überzeugung, ich hatte ein Pärchen. Leider wurden sie zu groß, sodass ich mich entschließen musste, sie 2011 an den Zoo Leipzig abzugeben. Sie kamen ins Gondwanaland zu den Gavialen. Einen konnte ich nun 2016 fotografieren – das hat mich wirklich sehr gefreut. Sie waren übrigens mit einem halben Meter Länge von unserem Vereinsfreund Lothar Dudek persönlich abgeholt worden. 

Am Liebsten sind mir „sanfte“ Räuber, die ich einerseits mit Tintenfisch, Muscheln und Garnelen  versorgen kann, anderseits aber auch lebende Futterfische nehmen oder geangelten Frostfisch nicht verschmähen.

Jeder dieser Fische aus der Gemeinschaft ist etwas Besonderes. Einem hungrigen Arowana die Finger vors Maul zu halten, ist nicht unbedingt ratsam. Viele kleine Zähne hinterlassen unschöne Hinterlassenschaften in Finger oder Hand. Das Tier rast nicht auf die Beute zu, sondern schwimmt ganz ruhig heran, krümmt sich s-förmig  zusammen und schnellt dann mit geballter Federkraft seinen Vorderkörper zu Seite. Damit saugt er seine Beute oder das Fischstück förmlich ein. Ist der erste Hunger aber gestillt, wird er ganz ruhig und man kann ihn förmlich aus der Hand füttern.

Den Stachelaal interessieren lebende Fische überhaupt nicht. Er würde bei dieser Art Fütterung über kurz oder lang wohl verhungern. Er wartet geduldig auf Frostfischstücke. Meeresfrüchte sind jederzeit und in jeder Form willkommen. Der Feuerstachelaal hat eine Vorliebe für Handfütterung. So kann er sich wohl die besten Bissen sichern. Allerdings überfrisst er sich dabei regelmäßig, Er reißt ohne Rücksicht auf Verluste den anderen Fischen das Futter aus dem Maul. Dabei nimmt er natürlich keine Rücksicht auf die Finger, wenn es ihm nicht schnell genug geht, die aber dabei keinen Schaden nehmen, da er keine Zähne hat. Arowana und  Stachelaal sind  Augentiere. Denen entgeht nichts. Jede Beute, ob tot oder lebendig, wird sofort erkannt.

r07Der Channa pleurophthalma ist der außergewöhnlichste Schlangenkopf,  den ich bis jetzt hatte.  Er ist schon von seiner ganzen Form her ein aktiver Jäger, dem kaum eine Beute entkommt. Wahrscheinlich hat er deswegen  auch keinerlei Tarnfärbung nötig. Diese metallisch glänzende blaue Farbe kann wohl kaum dazu taugen. An Ersatzfutter, wie tote Fische Muscheln oder Garnelen sind Channa pleurophthalma nur schwer und mit viel Glück zu gewöhnen.

r04Die Letzten im Bunde sind die Flösselhechte. Diese Tiere haben mich schon seit vielen Jahren fasziniert. Nach der Wende habe ich alles daran gesetzt, solche Tiere zu bekommen.  Die Polypterus ornatipinnes besitze ich jetzt seit etwa  zwanzig Jahren. Die schöne blaue Farbe verblasste mit der Zeit. Die Tiere kommen nur in Fahrt, wenn es was zu fressen gibt. Sie können ihre Beute optisch kaum wahrnehmen, alles geht über den Geruchssinn. Das Männchen frisst mit Vorliebe aus der hohlen Hand. Fische, die von den anderen Räubern nicht erbeutet wurden, werden in der Nacht zielsichere Beute Dieses Pärchen hat schon mehrmals abgelaicht. Da die Tiere aber Freilaicher sind, hätte ich die gesamte Nacht aufbleiben müssen um unter Umständen die Eier abzusaugen. Es lohnt sich einfach nicht, große Fische zu züchten, da der Absatz vor allem bei solchen Sonderlingen kompliziert wird. Interessenten nehmen einzelne Tiere ab, die anderen werden immer größer und damit immer teurer -  ich glaube, den Rest muss ich nicht kommentieren. Flösselhechte sind „ Panzerfestungen“, die schon zu Urzeiten existierten und mit den Fischsaurieren schwammen. Ich pflegte auch schon den Zaire-Flösselhecht (Polypterus delhezi), den Senegal-Flösselhecht (Polypterus senegalus) sowie Polypterus palmas. Alle diese Fische kommen wunderbar mit  unserem Leipziger Wasser mit pH- Wert von 6,8 aus, trotzdem ist es ratsam, den niedrigen KH-Wert von 4 etwas zu erhöhen, damit man einem Säuresturz entgeht. Es ist wohl so, dass nur in Wiederitzsch und Lindenthal der niedrige pH- Wert vorkommt.

r08Nicht alle meine Fische sind  abnorm groß. Vieraugenfische (Anableps anableps) haben doch mit 25 Zentimeter als erwachsene Tiere noch erträgliche Größe. Leider sind mir durch Unachtsamkeit beide Zuchtweibchen aus dem Becken entwichen. Somit sind nur noch ein Mann und zwei Halbstarke aus ersten Zuchtversuchen erhalten. Da aus der letzten Vermehrung mir noch fünf zehn Zentimeter große Jungfische geblieben sind, habe ich Hoffnung auf Fortsetzung der Zucht. Dadurch, dass sie sehr hoch aus dem Wasser springen können, sind zwanzig Zentimeter Wasserabstand bis zur Deckscheibe nicht genug, wenn man sie nicht richtig schließt. Die Tiere halte ich im Brackwasserbereich mit 1-1,5% Salz. Die Salzkonzentration sollte nicht unbedingt immer gleich sein. Sie leben im Mündungsgebiet von Flüssen und müssen so mit unterschiedlicher Salzkonzentrationen zurechtkommen. Als Beifische  gibt es Schwarzmundgrundeln. Diese stammen aus der Ostsee - genauer, aus dem Strelasund. Diese invasive Fischart ist wohl für die Fischer ein Problem  geworden, für die Raubfische selbst wohl eine Bereicherung des Speiseplans. Wie auch immer, das Aufkommen in Größe und Menge ist von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Das erste Mal habe sie vor vier Jahren im Strelasund mit dem Kescher gefangen bei Größen von fünf bis zwölf Zentimetern. Die einheimische Strandgrundel scheint fast vollständig verschwunden. Diese Schwarzmeergrundel, denn aus dem Gebiet stammt sie wohl, ist viel grösser und robuster. Im Aquarium sind es sehr interessante Pfleglinge. Sie fressen die Reste, die für die Vieraugenfische nicht erreichbar sind. Dazu gibt es noch noch ein paar Strandkrabben, die aus der westlichen Ostsee den Weg in mein Becken gefunden haben. Ich kann übrigens jeden beruhigen, diese Grundeln werden in keiner Weise den Weg ins Freiland finden, es gibt genug abschreckende Beispiele, wie Blaubandbärblinge oder Katzenwelse!

Vieraugenfische haben geteilte Augen, wobei sie über und unter Wasser gleich gut sehen. Sie gehören zu den etwas größeren  Zahnkarpfen. Je größer sie sind, desto mehr Jungfischfische bringen sie zur Welt. Der Nachwuchs muss ja irgendwo Platz finden. Bei ungefähr 15 Zentimetern Länge fand ich drei Jungfische von fünf Zentimeter Länge, voll ausgebildet und nach etwa zwei Tagen schon sehr verfressen. Bei  25 Zentimeter waren es acht Stück in gleicher Größe. Die Aufzucht bereitet keinerlei Probleme. Es kann Lebendfutter, Trocken- oder Frostfutter im Wechsel gegeben werden. Große Zuchttiere sollten reichlich mit Insektenfutter bedacht werden, das stimuliert die Paarungsbereitschaft entscheidend. Große Grillen, Heimchen, Fliegen, fliegende Ameisen - alles ist möglich. Nur Mehlkäferlarven sollten ganz sparsam gefüttert werden, diese haben wenige Nährstoffe, dafür viel Fett! Ach ja, Vieraugenfische sind ja eigentlich Oberflächenfische, die sich aber in keiner Weise daran halten. Sie holen sich, wenn es sein muss, das Futter aus den Scheren der Krabben. Auch habe ich festgestellt, dass sie im adulten Zustand  Salatblätter in großer Menge in sich hinein schlingen - Hauptsächlich die weiblichen Tiere.

Als Letztes hab ich noch auf dem Plan, den Schlangenkopffisch Channa andraos zu vermehren. Ob sie aber mitspielen? Ich habe zwei Weibchen ein Männchen, wenn ich richtig vermute. Sie sind wohl die momentan kleinste bekannte Schlangenkopfart, für mich geradezu untermaßig. Einmal deuteten sie Paarungsbereitschaft an, es kam aber nicht zum Abschluss.

Wie wohl jeder vermuten kann, hab auch ich nicht mit Großfischen begonnen. Mein erster Fisch und wie alles in meinem Aquarianer Dasein begann, war ein Paradiesfisch (Macropodus opercularis). Ausgewachsen war er einfach mit seiner Farbe und seinen Flossen ein absoluter Traum und ich muss klar sagen, auch als ich  mir später ein Pärchen zur Zucht erstand - nie wieder hatte ich so prachtvolle Exemplare. Das Männchen, das ich da bekam, war allerdings ein Geschenk aus einem Zoogeschäft, dessen Verkäufer  den Fisch von einer Kundin in der Toilette versenken wollte. Wie gesagt, als erstes wurden rote Makropoden gezüchtet, später Macropodus concolor. Daraufhin kamen gestreifte Fadenfische und Trichogaster (Trichopodus) trichopterus (Goldgurami). Labyrinthfische waren damals meine Favoriten. Viel später habe ich mich noch am Orange-Buschfisch (Ctenopoma ansorgii) und dem Ceylon-Makropoden (Belontia signata) erfolgreich versucht.

Auch afrikanische und südamerikanische Zwergbuntbarsche standen vor den Großfischen bei mir im Vordergrund. Die Beckengröße gab nichts anderes her. Ein Pärchen wildfarbener Scalare (Pterophyllum scalare), das ich zu der Zeit pflegte und vermehrte, habe ich später nie wieder in dieser Qualität bekommen. Allgemein muss ich sagen, dass die Qualität der gängigen Fischarten wohl durch Überzüchtung stark nachgelassen hat. Das hatte ich an erster Stelle bei einem Pärchen Pfauenaugenbuntbarschen bemerkte, welches ich zur Wendezeit erstand. Form, Größe und Farbe konnten in keiner Weise mit den fünf Jahr davor gepflegten Pärchen mithalten.

Einer der eindrucksvollsten Cichliden ist der Orangesaumbundbarsch (Audinocara rivolatus). Ein Pärchen, das sich sehr um seine Jungen kümmerte und dem ich als Versuch eine Jungfischgruppe vom Purpurprachtbarsch unterschob, war beeindruckend. Mit Erfolg, sie wurden angenommen. Möglicherweise sind sie in dem Pulk von Jungfischen untergegangen und gar nicht bemerkt worden.

Nun möchte ich eine Lanze brechen für einen Fisch, den viele schon im Vorfeld ohne ihn selbst gepflegt zu haben, als Räuber abstempeln oder als einen der die gesamte Inneneinrichtung in ihre Einzelteile zerlegt. Ich meine die farbliche Variante von Clarias batrachus – den Froschwels. Im Jahr 1999 erstand ich in einem Zoogeschäft in Delitzsch zwei kleine Welse, gelb mit dunklen Flecken, Der Händler hob die Hände – was so viel heißen sollte, er hatte keine Ahnung davon, was es war. Sie waren sehr agil, zutraulich und wuchsen schnell. Zumindest konnte man herausfinden, dass es Kiemensackwelse waren. Mit ca. 40 Zentimeter fingen sie an sich zu paaren. Unter einer Wurzelhöhle laichten sie ab, aber die größte Menge an Laich ging durch ihre wilden Bewegungen verloren. Herausgespült wurde er von Mitinsassen verspeist. Immerhin kamen zehn Stück auf. Leider fand das Männchen alsbald einen Ausgang aus dem Becken. Das Weibchen hatte sich schwere Verbrennungen am Heizer zugezogen, wohl ein Indiz dafür, dass das Schmerzempfinden gering oder gar nicht vorhanden ist. Die Jungen hatte ich leider verkauft, musste somit auf die nächste Gelegenheit warten. Immerhin bekam ich 2002 wieder ein Pärchen – man muss Glück haben. In einem gesonderten Becken zog ich sie soweit heran, so dass sie im zwei Meter-Becken nicht mehr als willkommene Beikost angesehen werden konnten. Es gab keinerlei Probleme mit den anderen Insassen, wie Flösselhechten, Tausenddollerfischen (Notopterus chitala) vierzig Zentimeter – und Spatelwelse  (Sorubim lima), diese gingen später in den Zoo Paderborn. Die Welse belästigten niemanden, rissen keine Pflanzen aus und warfen auch keine Dekoration um. Gelaicht haben sie später in einer Höhle aus Steinplatten. Somit beanspruchten sie ein Drittel des Beckens. Bewacht haben sie ihren Nachwuchs so gut, dass es mir erst gelang einen Blick auf  die Jungen zu werfen, als sie bereits cirka drei Zentimeter groß waren. Der eigentliche Laichakt war nicht einsehbar. Als die Jungen aber größer wurden, konnten die Eltern ihre Bande nicht mehr zusammenhalten, und diejenigen, die stiften gingen, wurden verspeist. Vor allem die Messerfische warteten in angemessener Entfernung auf einen Leckerbissen. Mit einem Schlauch saugte ich den Rest ab. Es war derer eine ganze Menge. Ich weiß noch, dass die Alten etwas verstört herumschwammen, aber wohl über die Entlastung froh waren. Auf alle Fälle sind es sehr lebhafte Fische, die trotz ihrer Größe nicht in der Lage sind, größere Fische anzugreifen und zu fressen. Ihr Maul ist viel zu klein. Will man ihnen eine Freude machen, dann gibt man Regenwürmer, die saugen sie förmlich aus der Hand.

Nebenher beschäftigte ich mich auch mit Brackwasserfischen.  An erster Stelle steht die Süßwassermuräne (Gymnothorax tile). Man kann sie nach meiner Erfahrung wirklich im Süßwasser halten, vorausgesetzt, der pH-Wert fällt nicht weit unterhalb des Neutralpunktes und die Wasserqualität sollte nicht vernachlässigt werden. Besser ist wohl aber Brackwasser, wohl auch der etwas empfindlichen Schleimhaut wegen. Man kann sie mit ruhigen Fischen vergesellschaften. Aber, alles was ins Maul passt, ist auch verloren. Deshalb sind hochrückige Fische kein Problem. Da wären zum Beispiel Argusfische im Brachwasser das Richtige. Bei großen Futterbrocken, die nicht sofort verschlungen werden können, drehen sie sich ähnlich einem Krokodil um die eigene Achse, um Stücke abzureißen. Sie fressen natürlich aus der Hand, etwas Abstand mit den Fingern zu nehmen ist ratsam. Kurz erwähnen möchte ich noch den Löwensteinfisch (Halophryne trispinosus). Er ist kein Fisch zum Kuscheln! Er hat einen Giftstachel auf dem Rücken. Gelesen hab ich das erst im Nachhinein. Ich habe sie damals auf dem OBI- Markt gesehen und mitgenommen. Obwohl sie ins Brackwasser kamen, waren sie bei mir nur etwa ein Jahr zu halten. Sie fraßen lebende Fische und wuchsen auf etwa zwanzig Zentimeter heran. Mehr gibt es Nennenswertes nicht zu sagen.

Noch ein Fisch, der nicht jedermanns Sache sein dürfte, ist der Nilkugelfisch. Er ist kein Gesellschaftsfisch mehr, wenn er die acht Zentimeter-Marke überschritten hat. Ich habe ihn, nachdem er anfing die Insassen zu belästigen in das Zweimeter-Becken strafversetzt. Es sah auch ganz friedlich aus, bis mir auffiel, dass die Flösselhechte seltsam ausgefranst aussahen. Ich konnte ihn beobachten, wie er sich von hinten anschlich und Stücke der Rücken- oder Schwanzflosse herausstanzte. Die Fische bemerkten das manchmal nicht einmal, weil die Schneidkannten seiner Zahnleisten wie Stanzwerkzeuge arbeiten.

Einen Fisch wollte ich unbedingt züchten. Anfang 2008 kam ich in den Besitz von zwei kleinen Schlangenköpfen. Wie so oft konnte mir keiner Auskunft über Art und Herkunft geben. Das Internet half mir. Keine Bauchflossen - also waren es Channa gachua. Ich habe Glück gehabt, denn es war auch noch ein Pärchen. Beim Heranwachsen konnte man dann unschwer erkennen, welches Geschlecht wer besitzt. Männchen haben immer dabei einen höheren Flossensaum und sind farbiger und dabei schlanker. Ich hatte sie in ein 80 Liter-Becken gesetzt und sie fraßen alles Frost- und Lebendfutter, das ich anbot. Lebendfisch gab es nicht. Hier muss ich anmerken, Rinderherz, wie ich es 10 Jahre zuvor noch fütterte, gibt es bei mir nicht mehr, nachdem ich feststellen musste, dass der Verdauungstrakt der einzelnen Arten sehr verschieden arbeitet. Großcichliden haben wohl einen langen Verdauungstrakt, Süßwassermuränen sicher einen kurzen. Sie sind nicht in der Lage, Säugetierfleisch richtig zu verdauen. Deshalb nehme ich Fischfleisch, da kann man nichts verkehrt machen. Irgendwann mit ca. 15 Zentimeter Länge begannen sie sich zu paaren. Eng umschlungen und verknotet hingen sie zwischen den Wasserpflanzen. Am Ende schwammen eine Menge kleiner Eier an der Oberfläche, die das Männchen hastig einsammelte. Den weiteren Verlauf kann ich nicht kommentieren. Alsbald entließ das Männchen zu gegebener Zeit die Jungfische für einige Momente aus seinem Maul, es sind Maulbrüter, hatte ich noch nicht bemerkt?

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Die Jungen wuchsen zügig, wenn auch sehr ungleichmäßig. Die Menge an Jungfischen war schwierig abzusetzen. Ihr ungleichmäßiges Wachstum half mir aber dabei. Ich kann mich erinnern, dass ein „Mickerling“ später zu einem wunderschönen Fisch herangewachsen ist. Die Natur hat es wohl so eingerichtet, dass nicht alle gleichzeitig groß werden. Leider musste ich feststellen, dass das Aufzuchtvermögen nach zwei Aufzuchten erschöpft war. Da alsbald das Männchen starb, gehe ich von einem erhöhten Stressfaktor aus.

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Nicht nur Fische, sondern auch Krebse habe ich gehalten und auch gezogen. Als Erstes den amerikanischen Sumpfkrebs (Procambarus clarkii). Es sind Ausbrecherkönige und möglicherweise schon als invasiv eingestuft. Sie sind heutzutage wohl nicht mehr gefragt, da sie nichts für Pflanzenbecken sind! Sie bringen viele Jungkrebse auf, nach jeder Häutung ist die doppelte Grundfläche im Becken notwendig, ansonsten machen sie sich Platz in Form dessen, des sie sich selbst reduzieren. Ein wirklich schöner und majestätischer Krebs für größere Becken ist der Rotscherenkrebs (Cherax quatricarinatus). Entgegen anderer Beschreibungen hat er bei mir die Pflanzen nicht vorsätzlich dezimiert. Voraussetzung ist ausreichend pflanzliches Futter (Salat, Gurkenstücke, Melone usw.). Das Männchen hatte mit Scheren in etwa 23 Zentimeter Länge, das Weibchen war etwas kleiner. Den Wert der Karbonathärte habe ich besonders im Auge behalten, damit es keine Probleme beim Häuten gibt. Zur Zucht sind sie in ein nicht bepflanztes Becken überführt worden. Obwohl sie  friedlich untereinander sind, brauchen die Jungen gute geeignete Versteckmöglichkeiten, nachdem das Weibchen ihre Jungen in die Selbständigkeit entlässt. Es können derer viele sein. Es gibt unterdessen viele schöne Krebse, diesen aber kann ich für ein großes Schaubecken empfehlen, auch in Gesellschaft von größeren Fischen, die sich nicht an den Krebsen nach deren Häutung vergreifen.

Auch Garnelen sind eine Alternative - natürlich im Gigabereich für mich. Ich habe aus einem Zoogeschäft eine von einer Kundin abgegebene Blaue Riesenhandgarnele (Macrabrachium rosenbergii) günstig erworben. Ungefähr zehn Zentimeter Körperlänge waren es am Anfang, als sie starb war sie doppelt so groß. Es kommen noch die Scheren hinzu, die um einiges vorstehen. Fünf Häutungen hat sie in der Zeit durchgezogen - ohne Probleme. Sie hat bei mir im Gesellschaftsbecken mit mittelgroßen Fischen gelebt. Fischverluste gab es keine, denn sie hatte ausreichend Lebend- beziehungsweise Frostfutter zur Verfügung.

Als Allerletztes noch ein Wort zu Reptilien im Aquarium. Im Jahr 2000 entschloss ich mich. ein „Fünfmarkstück“ auf vier Beinen mit in mein Becken mit Flösselhechten, Stachelaalen und anderen mir nicht mehr im Gedächtnis befindlichen Insassen zu entlassen. Angst musste ich zu dieser Zeit wohl mehr um die kleine Weichschildkröte haben, als um meine Fische. Je nach Wachstum, und das ging rasant, zog sie mehrmals um, jeweils zu Fischen, die ihre Rauflustigkeit und ihr ungestümes Verhalten problemlos wegsteckten. Schon im Aquarium konnte ich feststellen, dass Fische mit festem Schuppenkleid für sie uninteressant waren. Als sie ein Panzermaß von 15 Zentimeter hatte, wurde sie im Sommer zwangsumgesiedelt - in einen großen Gartenteich, etwas Besseres gibt es da wohl nicht. Man braucht keine Umzäunung, sie will ja nicht weg. Die Beifische sind da schon eher ein Problem. Einmal hatte ich festgestellt, dass ein Katzenwels keine Schuppen hat. Die Schildkröte ließ sich nicht mehr davon abzubringen, ihn bis zum Tod zu jagen, obwohl der Fisch viel zu groß für sie war. Selbst eine Strafversetzung ließ sie nach drei Monaten zielgerichtet Ausschau nach ihrem Opfer halten. Im Winter bekam sie ein eigenes Becken. Sie fraß alles, was fleischlicher Herkunft war, das heißt Regenwürmer, Nacktschnecken und Fisch. Man sollte schon eine gute Filterung haben, denn was sie da im Becken anrichtet, ist als „Sauerei“ wohl leicht untertrieben. Sie wurde nie richtig zahm, musste sie auch nicht. Als sie mir aber einmal ein richtiges Dreieck in die Hand biss, habe es ich doch übel genommen. Wir trennten uns einvernehmlich.

Noch ein Reptil hatte ich für die Gesellschaft meiner Fische ausgesucht. Eine Fühlerschlange - eine Trugnatter, ungefähr sechzig Zentimeter ausgewachsen - hält sich fast ausschließlich im Wasser bzw. auf Wasserpflanzen auf. Sie hat Giftzähne im hinteren Rachenbereich und ist für Menschen ungefährlich. Das Becken richtig verschließen, ist die einzige wirkliche Aufgabe. Guppys, Moderlieschen oder Blaubandbärblinge sind das richtige Futter für sie. Einmal ausgebüchst, gelang es mir nur durch einen Wassernapf, sie wieder anzulocken. 

Das alles sollte nur ein Einblick in meinem Aquarianer-Dasein der letzten 30 Jahre sein.

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