Aquarienfische im Gartenteich

Klaus Breiteld                                                       Fotos: Archiv Klaus Breitfeld

Die Pflege und Zucht von Aquarienfischen im Freilandteich ist durchaus möglich. Ein solches Minibiotop für Zierfische kann nicht als naturnaher Gartenteich angelegt werden, die praktische Handhabung aller Pflegemaßnahmen steht im Vordergrund und dem müssen sich manche ästhetischen und biologischen Forderungen unterordnen. Mit einfachen Hilfsmitteln kann man Freude an einem Teich, an Fischen, Wasserpflanzen und Wasserlebewesen haben. Voraussetzung ist, dass ein kleines Stückchen Land zur Anlage eines Teiches zur Verfügung steht.

Unser erster Garten befand sich in Taucha-Plösitz, einer kleinen dörflichen Siedlung im Nordosten Leipzigs. Dort entstand 1970 auf der Wiese an einer weitestgehend schattenfreien Stelle der erste von später drei Teichen aus Weichplastfolie, die seinerzeit auch Schwimmbadfolie genannt wurde. Unser Hobbyfreund LEO FATZ war ein selbständiger Klempnermeister. Er konnte dieses Material besorgen, die einzelnen Stücke zurechtschneiden und sie dauerhaft miteinander verschweißen. Die Folie hatte eine Stärke von etwa 2 mm und die Farbe Blau. Das Ausschachten der Teichgrube war keine leichte Sache, denn der Boden in dieser Gegend besteht aus eiszeitlichem Moränenmaterial und enthielt viele Steinen unterschiedlicher Größe. Zu beachten war, dass die Linienführung möglichst gleitend von den Flachwasserzonen in die tieferen Regionen gehen sollte. Das war auch im Sinne des Klempnermeisters, dem die Verlegearbeiten dadurch einfacher wurden.

Das Schlimmste kam zum Schluss, denn es sollte eine tiefere Stelle entstehen, an der sich beim Ablassen des Wassers die Fische sammeln konnten. Der Miniteich hatte die Ausmaße von etwa 3,5 x 2,5 m und eine maximale Tiefe von 60 cm. Die Form war etwa elliptisch und die Umrandung bestand

 

aus seinerzeit raren roten Klinkern, die mir ein anderer Hobbyfreund „unter der Hand“ besorgt hatte.

In die Flachwasserzonen kamen flache Betonformsteine, die zu einem Drittel herausschauten, damit auch die Vögel den Teich zum Baden nutzen konnten.

Der Teich wurde im Frühjahr mit Leitungswasser gefüllt und zur Verhinderung von „Wasserblüte“ eine größere Portion Daphnien hineingegeben. Hinzu kamen verschiedene Wasserrosen, Pfeilkraut, Schilf und andere einheimische Wasserpflanzen. Als Kübel für die Pflanzen eigneten sich sehr gut die sechseckigen Plastikbehälter, in denen gewöhnlich Milchbeutel in die Schulen und Kindergärten geliefert wurden. Das Pflanzsubstrat bestand aus ungewaschenem, lehmigem Sand, gemischt mit Komposterde und etwas Hochmoortorf. So fing es also an und nach einer Wartezeit von mehreren Wochen wurden Anfang Mai die ersten Fische in den Teich gesetzt. Es waren Stahlblaue Wüstenfische, Cyprinodon macularius macularius, genauer Fundort unbekannt. Im Gartenteich lebten mehrere Generationen dieser Art über 10 Sommer lang. Sie laichten stets an der Wasseroberfläche in den sich entwickelnden Fadenalgenpolstern. Dabei machten sie ihrem Namen alle Ehre, denn die Männchen zeigten ständig ihren stahlblauen Rücken und den dazu im Kontrast stehenden leuchtend gelben Schwanzstiel.

In den großflächigen Algenpolstern laichten die meisten Fische und dort fanden auch die Jungfische ausreichend Schutz vor Feinden aller Art, wie Wasserkäfer, Molche, Molch- und Libellenlarven u.a.

Erstaunlich ist immer, wie schnell sich Kleinlebewesen in einem Teich ohne jedes Zutun ansiedeln. Und genauso erstaunlich

 

 

 

ist die Beobachtung, wer wen dann frisst. Wie schnell kann eine Molch- oder Libellenlarve sein, wenn es um den Nahrungserwerb geht! Man traut das diesen Tieren nicht zu, wenn man sie so träge am Gewässerboden laufen sieht.

In sehr warmen Sommern wuchsen im Teich von 3 Paaren Wüstenfische manchmal über 500 Jungfische heran - trotz räuberischer Insekten und deren Larven. So war das 1983 und im gleichen Teich wurden außerdem von einem Paar Lucania goodei etwa 70 Junge gefunden. Die kleinen Fische halten sich, sofern Versteckmöglichkeiten in der Nähe sind, am liebsten in den ganz flachen, voll in der Sonne liegenden Flachwasserbereichen auf. Meistens sind es kleine Schulen, die dort entlang ziehen und nach Futter suchen. Man kann während der Sommermonate ab und an Wasserflöhe zufüttern. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es oft mehrere Wochen dauert, bis diese aufgefressen sind. Der Speiseplan der Fische ist durch die auf die Wasseroberfläche fallenden Kleininsekten und die sich im Wasser entwickelnden Mücken- und Eintagsfliegenlarven so vielfältig und abwechslungsreich, dass die Wasserflöhe als Futter bei den Fischen ganz weit hinten rangieren.

Aber nicht immer ist der Jungfischsegen so groß. Der kühle Sommer des Jahres 1978 brachte von im Mai eingesetzten zwei Männchen und einem Weibchen der Art Cyprinodon macularius beim Abfischen Ende Oktober (Wassertemperatur 7 bis 8°C) neben den Elterntieren nur 32 größere (25 mm), 22 mittlere (12-15 mm) und 32 kleine (um 10 mm) Jungfische. 5 Jungfische überlebten den Stress des Abfischens nicht. Daneben wurden etwa 20 erwachsene Ruderwanzen, verschiedene Wasserkäfer und Mengen von Eintagsfliegenlarven und Schnecken in dem Restwasser gefunden.

Im nächsten Jahr war das Ergebnis etwa gleich. Zwar kam ein zweites Weibchen dazu, dafür beim Abfischen aber auch mehr

 

als 200 Libellenlarven verschiedener Arten und einige große Furchenschwimmerkäfer.

Immer wieder erstaunlich ist es, welche Temperaturschwankungen die Fische vertragen können. Wenn die Sonne den ganzen Tag scheint und es windstill ist, sind Wassertemperaturen von über 35 °C an der Oberfläche des Wassers im Uferbereich durchaus möglich. In 30 cm Tiefe ist die Temperatur oft um 10° geringer. Den Fischen macht es nichts aus, von der Oberfläche in die Tiefe zu schwimmen und sich dort längere Zeit aufzuhalten. Diese natürlichen Temperaturschwankungen, die der Gartenteich den Fischen bietet und die für sie offensichtlich nicht von Nachteil sind, machen die Tiere robust, ausdauernd und wenig empfindlich. Allerdings müssen sich die Fische an solche Verhältnisse erst gewöhnen. Es kann nicht geschlussfolgert werden, dass es problemlos möglich ist, im Frühjahr die Fische direkt aus dem geheizten Aquarium in den wesentlich kühleren Teich zu geben, ohne dass die Fische Schaden nehmen. Günstig erscheint es immer wieder, die Fische erst in der zweiten Maihälfte nach den „Eisheiligen“ in den Freilandteich zu setzen. Manche Jahre ist in den ersten Maitagen so schönes und warmes Wetter gewesen, dass allen Vorsätzen zum Trotz mit dem Umsetzen begonnen wurde und es bei der folgenden extremen Abkühlung zu Fischverlusten kam. Die Fische sollten also vor dem Umsetzen in den Teich auf die jeweilige Teichtemperatur eingestellt und erst dann in die „Freiheit“ entlassen werden. Gleiches gilt für den umgekehrten Vorgang im Herbst. Die Zeitdauer der Umstellung hängt also wesentlich von der jeweiligen Temperaturdifferenz zwischen Teich und Aquarium ab.

Die Pflegemaßnahmen für den Teich beschränken sich im Sommer darauf, das verdunstete Wasser zu ergänzen und die Wasserpflanzen auszulichten. Verblühte Wasserrosen und abgestorbene Blätter werden entfernt. Manchmal entwickeln sich zu viele Wasserlinsen. Sie sind leicht zu entfernen.

 

 

 

Aber auch die Wasserschnecken können sich gelegentlich derart vermehren, dass sie die Wasserpflanzen stark schädigen. Hier hilft nur ein Einsammeln des Überschusses. Dankbare Abnehmer dafür sind Terrarianer oder das Zooaquarium, die diese Schnecken als Futtertiere verwenden.

Es kommt auch vor, dass die Ruderwanzen in solchen Mengen auftauchen, dass sie für die Fische eine ernste Gefahr sind. Mit einem grobmaschigen Netz, viel Geduld und Geschick können sie gefangen werden. Die Wartungsarbeiten halten sich also in Grenzen.

Im Herbst erfolgt das Abfischen des Teiches und eine damit verbundene Grundreinigung. Bei längeren kühlen Perioden mit Wassertemperaturen um 10 °C fühlen sich die Fische nicht mehr wohl. Sie fressen kaum, das Wachstum stagniert. Je nach Wetterlage kann dieser Zeitpunkt bereits im September, spätestens Anfang Oktober erreicht sein. Ist das Wasser zu kalt, sind die Fische träge und können dadurch im Schlamm und zwischen den Pflanzenresten durch ihre geringe Eigenbewegung leichter übersehen werden.

Das Abfischen im Herbst beendet also die „Sommerfrische“ der Fische. Eine handelsübliche Tauchmotorpumpe mit relativ geringer Leistung (max. 9000 l/h) wird eingesetzt, um das Wasser langsam aus dem Teich zu pumpen. Es konnte die Erfahrung gemacht werden, dass es sehr vorteilhaft ist, wenn man die Pumpe in einen mit Fliegengaze ummantelten und oben offenen Getränkeplastekasten stellt (mittlere Lamellen ausgeschnitten), damit besonders die kleineren Fische nicht in den Wassersog geraten.

Während der Wasserentnahme können alle Wasserpflanzenkübel, Steine, schwimmende Algenpolster und sonstige bewegliche Gegenstände aus dem Wasser entfernt werden. Trotz aller Sorgfalt lässt sich bei diesen Arbeiten ein gewisser Stress für die

 

Fische leider nicht vermeiden. Interessant ist, dass sich die Fische in dieser Bedrängnis oft zu Schwärmen zusammenschließen und gemeinsam durch das Restwasser ziehen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Schlamm und abgestorbene Pflanzenteile sich während der Sommermonate in einem so kleinen Teich ansammeln. Hinzu kommen die vielen Larven, Käfer, Futtertiere.

In diesem trüben Schlamm-Wasser-Gemisch müssen die Fische vorsichtig herausgefangen werden. Das geht am besten mit einem kleinen Handkescher. Das Wasser wird herausgeschöpft und durch den Kescher in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß geschüttet. Dabei hängt der Kescher leicht im Wasser. Mit einem Plastiklöffel sind die Fische dann gut in die vorbereiteten Behälter mit klarem und sauberem Teichwasser, das vor dem Beginn des Abpumpens entnommen worden ist, zu überführen. Gleiches gilt besonders für die Libellenlarven, die später wieder ein- oder umgesetzt werden.

Nachdem der Teich leer ist, wird er mit einem Schrubber gereinigt und wieder mit Wasser gefüllt. Dabei stand mir früher nur Leitungswasser zur Verfügung. Heute entnehme ich das Wasser einer Regenwassersammelanlage mit 8000 Liter Fassungsvermögen. Die Wasserpflanzenkübel werden ebenfalls gesäubert und alte Wasserpflanzenteile beseitigt.

Über die Wintermonate friert der Teich ein. Durch die flachen Uferzonen gibt es keine Schäden an der Folie und auch die Wasserpflanzen überstehen diese Zeit meistens gut. In strengen Wintern kann die Eisschicht sehr dick werden. Wenn das Eis trägt, kann man ein Loch in die Eisdecke stemmen und mehrere Eimer Wasser entnehmen. Dadurch bildet sich zwischen Eisdecke und Wasser ein Luftpolster, welches eine Verstärkung der Eisdecke wirkungsvoll verhindert.

 

 

 

Im Frühjahr wird eine Reinigung des Teiches nur dann notwendig, wenn sehr viel Laub und andere organische Abfallstoffe in das Wasser gelangt sind. Handelsübliche Teichnetze können das weitestgehend verhindern.

Die herausgefangenen Fische werden nach Größenklassen sortiert und auf entsprechend viele Aquarien verteilt. Die Temperatur des Wassers sollte langsam steigen, damit sich die Fische in Ruhe an die neuen Verhältnisse gewöhnen können.

Für die erwachsenen Tiere beginnt in den Aquarien ein zweiter Sommer. Das betrifft besonders die Fische mit einer natürlichen Laichzeit im Frühjahr, die mit einer Temperaturerhöhung einhergeht.

Es bleibt festzustellen, dass die Fische aus dem Gartenteich, und das betrifft sowohl die Elterntiere als auch ihren Nachwuchs, von einer hervorragenden Qualität sind. Das bezieht sich auf ihre Färbung und die gezeigte Vitalität. Entscheidende Faktoren sind: relativ großes Wasservolumen, sehr abwechslungsreiches Futterangebot, Sonnenschein, also UV-Licht pur, schwankende Temperaturen zwischen Tag und Nacht und von Woche zu Woche. Nur die kräftigsten und gesündesten Fische überleben. Damit sind die Bedingungen wirklich weitestgehend naturnah und nahezu optimal.

1990 bekamen wir durch Umzug einen neuen Garten direkt am Haus, in dem sich bereits ein Foliengartenteich befand. So nach und nach entstanden nach bewährtem Muster drei weitere Teiche aus PVC-Weichplastfolie (heute kann man auch große Fertigteiche im Gartencenter kaufen). Alle sind mehr oder weniger elliptisch und haben eine Wasseroberfläche zwischen 5 und 10 qm. In ihnen befinden sich in Kübeln verschiedene Wasserpflanzen, u.a. Wasserrosen (Nymphaea) unterschiedlicher Farbe, Sumpfschwertlilien (Iris), Rohrkolben (Typha), Schilf (Phragmites), Simsen (Scirpus), Strauß-Gilbweiderich (Lysimachia). Im freien Wasser schwimmen Krebsscheren

 

(Stratiotes), Hornblatt (Ceratophyllum), Wasserknöterich (Polygonum), Fieberklee (Menyanthes), Laichkraut (Potamogeton), außerdem Wasserlinsen und dichte Fadenalgenpolster.

In ihnen lebten bisher zwei Farbkarpfen (etwa 30 cm lang), zahlreiche Mittelmeerkärpflinge, z.B. Aphanius mento, Valencia letourneuxi; nordamerikanische Fundulus-Arten, z.B. F. chrysotus, F. julisia, F. cingulatus, F. confluentus, F. notti; Wüstenfische, z.B. Cyprinodon alvarezi, C. macularius eremus, C. nevadensis, Crenichthys baileyi.

Alle genannten Fische kommen in Biotopen mit stark schwankenden Temperaturen und einer im Vergleich zum Sommer wesentlich kühleren Herbst- und Winterzeit vor. Daher eignen sie sich gut für eine Hälterung im Gartenteich und vertragen problemlos kühlere Temperaturen und Temperaturschwankungen. Gleiches trifft für verschiedene Cynolebiasarten (Fächerfische) zu. Die Aphanius mento und Fundulus julisia haben im Gartenteich schon erfolgreich überwintert. Nahezu alle Fische brachten Nachwuchs in unterschiedlichen Stückzahlen.

Es gibt mit Sicherheit noch zahlreiche andere Aquarienfische, die sich für eine Freilandhälterung, zumindest über die Sommermonate hinweg, eignen. Erinnert sei nur an die in der Literatur beschriebene erfolgreiche Hälterung von Makropoden, Kardinälen, Zwergsonnen- und andere Barschen, Reisfischen, Fadenfischen. Voraussetzung ist auch hier eine gegebene natürliche Eignung, die hauptsächlich aus den klimatischen Verhältnissen ihrer Herkunftsgebiete abgeleitet werden kann.

Die dazu notwendigen Kenntnisse lassen sich in der aquaristischen Literatur unschwer beschaffen. Von unsachgemäßen Experimenten sollte im Interesse des Naturschutzes aber Abstand genommen werden.

 

 

 

 

Teich C. maculariusklein

Teich F. confluentusklein

Teich c. variegatusklein

Teich L. goodeiklein

Cyprinodon macularius

Fundulus confluentes

Cyprinodon variegatus

Lucanias goodei

 

Teich Teich 4klein

Teich Teich 3klein

Teich Teich 2klein

Eindrücke von den Gartenteichen

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