Flossensauger im natürlichen Lebensraum

Text und Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Die Aquaristik ist wie vieles der Mode und dem Geschmack unterworfen. Das betrifft auch die Flossensauger oder auch Plattschmerlen der Familie Balitoridae. Sie führen ein aquaristisch weitgehend unbedeutendes Dasein und werden selten gepflegt. Sie gehören zu den Schmerlenartigen und leben in Süd- und Südostasien in stark strömenden Gewässern. Sie werden in drei Triben unterteilt (Quelle: Wikipedia). .

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q03Dem Tribus Balitorini gehören unter anderem die Gattungen Balitora und Homaloptera an, von denen ich insgesamt drei Arten in Myanmar finden konnte. Die Bilder oben zeigen links eine Homaloptera sp. von Pwe Ka Ley (Hoyer, 2010), rechts Homaloptera smithi Hora 1932 (Hoyer, 2013) vom Man Chaung. Im unteren Bild wird Balitora burmanica Hora, 1932 (Hoyer, 2012) abgebildet. Diese letzte Art habe ich mitgebracht und über längere Zeit im Aquarium gepflegt.

Nachdem in letzter Zeit verstärkt unterschiedliche Arten an Flossensaugern des Tribus Gastromyzontini importiert worden sind, hat sich das Interesse vermehrt auf diese Fischfamilie verlagert und sie werden von vielen Aquarianern gepflegt. Bei einigen Arten ist die Vermehrung gelungen, die nicht allzu schwer sein soll.

Ich selbst habe mich an diesen Flossensaugern bisher nicht ausprobiert, aber zwei Arten in ihrem Biotop fangen können. Außerdem war es mir im gleichen Biotop möglich, eine weitere Schmerlenart, diesmal aus dem Tribus Homalopteroidini mit Homalopteroides tweediei (Herre, 1940) zu fangen. Darüber will ich im Folgenden berichten.

Im Jahr 2013 war ich mit meiner Frau wieder einmal in Malaysia, und zwar in Borneo, unterwegs. Wie schon 2010 hatte ich mich für die Fischfangexpeditionen der Hilfe von Michael LO, einem chinesisch-stämmigen Einwohner der Insel und einem profunden Kenner von Fauna und Flora, insbesondere aber von Süßwasserfischen versichert. Da ich keine besonderen Wünsche hinsichtlich der zu erwartenden Arten hatte, überließ ich ihm die Wahl der Ziele. Einer der Fangorte war der Kampung (Ort) Lanchang Sijo mit dem Sungai (Fluss) Kuhas. Dieser kleine Fluss oder größere Bach war deshalb besonders interessant, weil er zwei völlig unterschiedliche Bereiche aufwies. Bachaufwärts war er übersät mit Geröll unterschiedlicher Größe auf sandigem Untergrund mit einem ziemlichen Gefälle. Entsprechend rasch war hier auch die Fließgeschwindigkeit. Bachabwärts verbreiterte und vertiefte er sich. Hier bestand der Untergrund aus sandigem Lehm, weitgehend ohne eingelagerte Gesteinsbrocken. Das Bild rechts oben zeigt den Übergang zwischen beiden Bereichen.

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19.08.2013; 12.45 Uhr

pH                                              5,8
GH                                              1,5 Grd dH*
KH                                              1,5 Grd dH*
Leitfähigkeit                            50 µS/cm
T (Wasser)                                28,0 Grd C
T (Luft)                                     30,9 Grd C


* Tetra Test, 10 ml Wasser

Das Wasser war sehr klar und farblos. Die gelbliche Farbe resultiert aus der Färbung des Untergrunds. In der Regenzeit werden sich die Verhältnisse wohl drastisch ändern, wie man aus dem Bild oben entnehmen kann.

Der Fang im oberen Bereich gestaltete sich nicht ganz einfach. Zum einen war der Untergrund durch Algen recht glitschig, so dass ein Fortkommen nicht so einfach war. Zum anderen waren natürlich keinerlei Fische zu entdecken, denn sie verbargen sich unter den Steinen. Man musste erst einmal einen Streifen von den Brocken frei räumen, den Kescher – ich verwende einen Unterfangkescher, wie ihn die Angler benutzen, aber mit einem Netz von geringer Maschenweite – fest auf den Grund aufsetzen und dann durch „Kicksampling“ die Fische in diesen Kescher hineintreiben. Dazu werden mit den Füßen bachaufwärts die Steine kräftig bewegt und man muss hoffen, dass sich darunter auch Fische aufhalten, die dann auf ihrer Flucht in den Kescher schwimmen. Es hört sich zwar kompliziert an, ist aber einiger Maßen effektiv.


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Die erste Art des Tribus Gastromyzontini war Gastromyzon scitulus Tan & Leh, 2006.

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Bei der zweiten Art handelte es sich um Gastromyzon crenastus  Tan & Leh, 2006.
Diese Art ist in ihrer Zeichnung, aber auch in der Färbung variabel. Man konnte deutlich die einzelnen Exemplare unterscheiden.

q18Es gelang aber auch einen Vertreter aus dem Tribus Homalopteroidini mit Homalopteroides tweediei zu fangen. Allerdings war es lediglich ein Einzelexemplar, das bei meinen Bemühungen ins Netz ging. Beiderbeck (2016) berichtete über einen Import nach England. Die Tiere sind in ihrer Färbung etwas unscheinbar. Die Gestalt zeigt die typischen Merkmale eines Fischs aus stark strömenden Gewässern. Sie sind langgesteckt und spindelförmig.

Zwei weitere Bewohner dieser Region sollen noch im Bild dargestellt werden.

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Es handelt sich um Glyptothorax major (Boulenger, 1894), einem Wels und die Siamesische Rüsselbarbe Crossocheilus langei Bleeker, 1860.

Der Vollständigkeit halber sollen noch die Vertreter des langsam fließenden Bereichs genannt werden. Sie unterschieden sich völlig von denen im schnell strömenden Teil dieses Baches. In den überhängenden Uferpflanzen gelang es Michael, ein Paar des Labyrinthfisches Betta taeniata Regan, 1910 (links das Männchen) zu fangen. Dieser bis acht Zentimeter groß werdende Maulbrüter ist leicht zu pflegen und zu vermehren. Die Fische springen gern und sind etwas unscheinbarer gefärbt. In der Scheckfärbung in der Küvette zeigen sie natürlich noch weniger Farbe. Michael war aber recht angetan und hat sie mit nach Hause genommen.

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Erwartungsgemäß dominierten aber in diesem Bereich die Barben und Bärblinge. Die obere Reihe zeigt Puntius sealei (Herre, 1933) sowie Barbodes (Puntius) kuchingensis Herre, 1940), die untere zwei Arten aus der Gattung Rasbora, und zwar Rasbora rasbora (Hamilton, 1822) und Rasbora sarawakensis  Brittan, 1951.

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Literatur:

Beiderbeck,H. (2016): Schmerlen: Homalopteroides tweedei (Herre, 1940);
              BSSW Report 28 (3); 42 - 44
Hoyer, R. (2010): Schmerlen in Myanmar, ergänzende Bemerkungen;
              BSSW Report 22 (3); 7-22
Hoyer, R. (2012): Nach mehr als 85 Jahren wiederentdeckt -
              Fundorte von Physoschistura shanensis (Hora, 1926) und
              Physoschistura rivulicola (Hora, 1926); BSSW Report 24 (4); 13-19
Hoyer, R. (2013): Weitere Schmerlen in Myanmar: Teil 2: Von Hsipaw nach Magwe
              BSSW Report 25 (2); 17 - 23

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