Die Entwicklung der Aquaristik im Leipziger Raum

Dr. Rainer Hoyer                                                                              Bilder: Archiv Nymphaea

Sieben honorige Herren gründeten am 03. August 1892 in Kuntzes Garten im Leipziger Grimmaischen Steinweg einen Verein, der, seinen Statuten gemäß, im Wesentlichen dieselben Zwecke verfolgt, wie die bisher bestehenden, unserer Liebhaberei huldigenden Vereine andernorts (1). Mit der Gründung des Vereins für Aquarienkunde zu Leipzig begann die Geschichte der organisierten Aquaristik im Leipziger Raum im Gegensatz zu anderen Regionen relativ spät. Der erste Vorsitzende war Herr cand. rer. nat. K. RICHTER. Der Lithograph ERNST WINZER war 2. Vorsitzender. Er sollte in der Folgezeit ganz wesentlich die Entwicklung des Vereins bestimmen. Der junge Verein konnte in seiner ersten Generalversammlung Anfang 1893 bereits über 20 Mitglieder berichten. Der Zeit gemäß wurde neben der Aquaristik und Terraristik großer Wert auf eine eingehende Behandlung der einheimischen Fauna und Flora gelegt. In dieser Zeit begann bereits die Zusammenstellung einer Präparatesammlung, die durch Spenden und Vereinsexkursionen ständig erweitert wurde und bis über die Wirren des 2. Weltkrieges Bestand hatte. 1958 ging sie in den Besitz der Untergruppe Terrarienkunde der Fachgruppe Aqua West (siehe unten) über. Anfang der sechziger Jahre wurden die Spirituspräparatesammlung aufgelöst und der Rest 1971 wegen Fehlens geeigneter Räumlichkeiten unter den Mitgliedern aufgeteilt.

Im Juli 1893 nannte sich der Verein in Nymphaea, Verein für Aquarienkunde zu Leipzig um.

Mitte 1893 wurde der Verein konstitutionelles Mitglied des Vereins Triton, Verein für Aquarien- und Terrarienkunde zu Berlin, dem zu dieser Zeit führenden Aquarianerverein Deutschlands. Dies war eine damals übliche Form der Zusammenarbeit,

 

die sich in den Folgejahren durch den Austausch von Informationen, Pflanzen und Tieren eng gestaltete und durch gegenseitige Besuche von Vereinsmitgliedern vertieft wurde.

Die erste größere, von 4000 Gästen besuchte Ausstellung führte die „Nymphaea“ bereits im September 1896 durch. Sie fand außerordentlich lobende Erwähnung (2). In diesem Jahr war ERNST WINZER Vorsitzender. Er gab den Vorsitz erst 1907 an BERNHARD WICHAND ab, der dem Verein bis 1922 vorstand, unterbrochen 1911 durch KRATZMANN und 1917 und 1918 durch SCHEIDHAUER. WINZER und WICHAND zeichneten sich durch außerordentlich hohen Sachverstand aus, was sich besonders durch deren wiederholte Vortragstätigkeit zu den unterschiedlichsten Themen auf aquaristischem, terraristischem aber auch allgemein naturwissenschaftlichem Gebiet bewies.

1898 gab es einen zaghaften Versuch zur Gründung eines deutschlandweiten Zusammenschlusses von Aquarien- und Terrarienvereinen unter dem Namen „Verband der Aquarien- und Terrarienfreunde“, deren erster Vorsitzender ERNST WINZER, der Vereinsvorsitzende der „Nymphaea“ war. In Folge seines gesundheitsbedingten Ausscheidens aus diesem Amt bereits 1899 kam es zu Spannungen im Verband, der dann auch rasch wieder zerfiel.

Als nächster Leipziger Verein gründete sich am 01. April 1904 der Verein „Azolla“, Verein für Aquarien- und Terrarienfreunde. Er hatte eine wechselvolle Geschichte und stieg in der Folge zum mitgliederstärksten Leipziger Verein der Vorkriegszeit auf. Das Verhältnis zwischen den beiden Leipziger Vereinen gestaltete sich zunächst sehr freundschaftlich. So erfolgte beispielsweise

1907 eine „Einladung des Brudervereins „Azolla“ zum Stiftungsfeste“ durch die „Nymphaea“ (3).

Interessant ist, dass bereits zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die gleichen Fragen gestellt worden sind, über die auch heute noch gesprochen wird. So hielt Herr Lehrer BÖTTGER in der 685. Versammlung der „Nymphaea“ am 12. Februar 1907 einen Vortrag „Kann und soll unser Verein auch wissenschaftliche Aufgaben lösen?“ und bejaht diese Frage. Die „Nymphaea“ führte beispielsweise über Jahrzehnte eine Aufstellung über Kreuzotterbisse in Deutschland und deren gesundheitliche Auswirkungen, einem Steckenpferd des langjährigen und verdienstvollen Vorsitzenden, Herrn Oberlehrer BERNHARD WICHAND, dem Nachfolger von WINZER, der im übrigen auch freier Mitarbeiter der „Wochenschrift“ war. In der gleichen Versammlung wird die Forderung aufgemacht, die deutschen Vereine müssten von den Importeuren eine Erklärung über die Herkunft von Importfischen verlangen (4). Die Pacht von Teichen für die Entnahme von Fischfutter war damals wie heute aktuell. Auch der Ausdruck „Dampfzüchten“ stammt aus dieser Zeit und über qualitätsmäßig schlechte Nachzuchten wurde schon vor 100 Jahren geklagt.

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts bestand bereits ein florierender aquaristischer Markt in Deutschland. So bot z. B. die 1875 gegründete Firma Glaschker aus Leipzig, die noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hier existierte, 1907 „Glas-Aquarien aus einem Stück, von 1/10 bis 70 l Inh. in Ia Qualität“ an.

 

Höhepunkt der Aquaristik vor dem 1. Weltkrieg

Die Vereine besprachen in ihren Veranstaltungen zunehmend die Notwendigkeit der Werbung für die Aquaristik und Terraristik. So führte der Verein „Azolla“ im März 1908 vor ca. 300 Besuchern einen Demonstrationsvortrag über „Die Einrichtung und Pflege eines Süßwasseraquariums“ durch. Eine im September des gleichen Jahres durchgeführte Ausstellung von Aquarien und Terrarien der „Nymphaea“ wurde von Dr. Wolterstorff, Magdeburg, dem Redakteur der „Wochenschrift“, außerordentlich lobend besprochen. Ein Abdruck dieses Artikels ist in diesem Heft zu finden. Hervorgehoben werden soll, dass für die Belüftung der Aquarien der Ausstellung eine Anlage verwendet wurde, die durch Wasserkraft betrieben je 60 Aquarien belüften konnte. In dieser Ausstellung, ebenso wie in der zeitgleich durchgeführten in Görlitz, wurden u.a. auch Seewasseraquarien präsentiert (5)

. Bild01klein02

Ausstellung der Nymphaea von 1908

Der Verein „Nymphaea“ unterstützte den Aufbau eines Aquariums im Leipziger Zoo, das am 15. Mai 1910 eröffnet worden war und nahezu den gesamten Fischbestand des in diesem Jahr geschlossenen alten Berliner Aquariums übernommen hatte. Es sollte der Pflege einheimischer Süß- und Seewasserfische sowie Fischen des Mittelmeeres dienen. Der Verein unterhielt zu diesem Zweck eine ständige Ausstellung von „fremdländischen Zierfischen“ in 24 Aqua-

rien im Aquarium des Leipziger Zoo. Unter anderem wurde dafür ein Paar Periophthalmus kohlreuteri zum damals stolzen Preis von 24,- RM von der Fa. Scholze & Pötzschke erworben. In einem Artikel in den „Blättern“ (6) hob Herr Dr. Laakmann, Direktorialassistent am Leipziger Zoo, den Anteil des Vereins an der Förderung der Aquarienliebhaberei lobend hervor. Die Schau sollte auch der Werbung für den Verein dienen. Diese Ausstellung wurde bis Juni 1912 beibehalten und dann aufgelöst, da der Werbezweck nicht erreicht wurde.

Am 08. September 1908 gründete sich als dritter Leipziger Verein der „Humboldt“, Verein für volkstümliche Naturkunde. Außer der Gründungsmitteilung ist nichts über ihn bekannt. Die „Blätter“ vermerkten Anfang 1911, dass der Verein aufgelöst worden ist.

Als erste Dame wurde Frau Bahnhofsrestaurateurin ZUG in die „Nymphaea“ in der 783. Sitzung am 30. März 1909 als Vereinsmitglied aufgenommen. Im Sitzungsprotokoll wurde vorsichtshalber angemerkt, dass satzungsgemäß der Aufnahme von Damen nichts im Wege stehe.

Eine Neuerung war in diesem Jahr die Herstellung von genieteten Gestellaquarien mit beheizbarem Blechboden (7).

Beispielhaft soll der Einfluss einzelner Persönlichkeiten auf das Vereinsleben in Leipzig anhand zweier Mitglieder der „Nymphaea“ dargestellt werden. Im Jahre 1907 trat Herr cand. chem. PAUL SCHMALZ, ein Biologe und Chemiker, dem Verein bei. SCHMALZ bekleidete zwar nie ein herausragendes Amt im Verein, befruchtete aber durch seine profunden Kenntnisse über weite Bereiche der Aquaristik, Terraristik und Naturkunde, insbesondere aber auf dem Gebiet der Seewas-seraquaristik, die Vereinsarbeit außerordentlich. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Artikel in den beiden aquaristischen Zeitschriften dieser Zeit. So veröffentlichte er in den „Blättern“ 1908 eine Rezeptur zur  Herstellung von Seewasser. SCHMALZ wurde 1911 Mitglied des „Biologischen Vereins“ (s.u.). und der „Azolla“. Er starb bereits 1915 an Leukämie.

 

Bild02klein02

Paul Schmalz

In einem zweiten Beispiel nahm der Verein im Juli 1908 den Verlagsbuchhändler RUDOLF MARRE´ in seine Reihen auf. MARRE´ bereiste längere Zeit Nordafrika und berichtete später darüber wiederholt im Verein. Er war aber auch sonst umtriebig, hatte aber offensichtlich recht gute aquaristische Kenntnisse, die er in einer Reihe von Veröffentlichungen nachwies. Wenig später gründete er einen „Verband der Zierfischpfleger“ als überregionale Vereinigung, der insbesondere dem Import von Zierfischen dienen sollte, wohl aber auch im Zusammenhang mit seiner verlagsbuchhändlerischen Tätigkeit stand. Zu diesem Zweck verlegte er die Zeitschrift „Der Zierfischpfleger“. Die Aktivitäten im Zusammenhang mit dem „Verband der Zierfischpfleger“ führte zu Spannungen mit der „Nymphaea“, die darin eskalierten, dass MARRE´ mit einigen weiteren Mitgliedern in der Generalversammlung Anfang 1910

aus dem Verein ausgeschlossen wurde. Er trat daraufhin der „Azolla“ bei und wurde kurz danach deren 1. Schriftführer. Diese Position nutzte er wiederholt für Angriffe gegen seinen ehemaligen Verein, die das vordem gute Verhältnis der Leipziger Vereine nachhaltig zerstörte. MARRE´ war dann bis zum 1. Weltkrieg noch aktiv. So war er maßgeblich an den Querelen gemeinsam mit CHRISTIAN BRÜNING bei der Gründung des VDA 1912 beteiligt. Nach dem 1. Weltkrieg trat er nur noch sporadisch in Erscheinung.

Am 14. April 1910 wurde ein neuer Verein in Leipzig, die „Ambulia“, Verein für Aquarien- und Terrarienliebhaber, gegründet. Er stand späterhin stets im Schatten der anderen Leipziger Vereine und hat keine größere Bedeutung erlangt. Darin waren ursprünglich mehrere Leipziger Zoohändler vereint. Ihm traten wohl auch einige vordem in der „Azolla“ organisierte Aquarianer bei.

Es folgte am 19. September 1911 der „Biologische Verein“. Eine Reihe namhafter Mitglieder der „Nymphaea“, u.a. SCHMALZ, schloss sich diesem Verein an. Er wurde in der Zeit bis zum 1. Weltkrieg der wissenschaftlich führende Verein Leipzigs. Nach dem Krieg konnte er nicht mehr an die Vorkriegsleistungen anknüpfen und hatte seinen Tiefpunkt Mitte der 20er Jahre. Ab 1927 ging es zumindest nach den Mitgliederzahlen wieder aufwärts. Zu diesem Zeitpunkt war auch WILHELM SCHREITMÜLLER, der damals beruflich in Leipzig tätig war, Mitglied des Vereins.

Die Leipziger Aquarianer waren in der Folgezeit gespalten. Während die „Ambulia“ die „Nymphaea“ als Bruderverein bezeichnete, verbündete sich der „Biologische Verein“ mit der „Azolla“. Die Satzung der „Nymphaea“ wurde 1912 deshalb dahingehend ergänzt, dass ein Mitglied des Vereins keinem anderen Leipziger Aquarienverein angehören durfte.

Der Verein „Nymphaea“ wurde 1911 eingetragener Verein.

 

lIm gleichen Jahr fand anässlich der 887. Sitzung am 04. Juli eine Ausstellung und Bewertung „viviparer Poeciliiden“ nach „5 Gesichtspunkten“ statt. Dies stellt den wohl erstmaligen Versuch einer Guppyschau mit Bewertung dar.

Der Verein „Azolla“ plante Anfang 1912 eine große Zierfischausstellung im Zusammenhang mit der Internationalen Baufach-Ausstellung im Jahre 1913 in Leipzig, die mit einem „Allgemeinen Aquarientag“ verbunden werden sollte. Da aber 1912 der „Verband deutscher Aquarien- und Terrarienvereine“ (V.D.A.) als Rechtsnachfolger des 1911 gegründeten „Westdeutschen Verbandes der Aquarien- und Terrarienvereine“ seinen überregionalen Kongress abhielt, zerschlugen sich diese Pläne. Die „Azolla“ bekundete bereits sehr früh ihre Bereitschaft, dem „Westdeutschen Verband der Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde“ beizutreten. MARRE´ gehörte dann auch zu den Delegierten des Frankfurter Gründungskongresses 1912. Weiterhin zählten zu den Gründungsvereinen des V.D.A. auch der „Zierfischzüchter“ und der „Biologische Verein“. In der Auseinandersetzung auf dem Kongress, hauptsächlich über den nächsten Austragungsort, Leipzig oder Stuttgart, entzweiten sich die Gründungsvereine nachhaltig. Es führte zu einer Kontroverse, die die Gründung eines Mittel- und Nord-Ostdeutschen Bundes unter Federführung von BRÜNING, „Humboldt“ Hamburg, gleichzeitig Redakteur der „Wochenschrift“, und unter aktiver Beteiligung von MARRE´ brachte. Die Auseinandersetzungen erstreckten sich über den Rest des Jahres 1912 und führten zum Austritt der „Azolla“ und des „Biologischen Vereins“ zum Jahresende aus dem V.D.A, während der „Verband der Zierfischzüchter“, dessen Vorsitzender MARRE´ war, eigenartigerweise Mitglied blieb. Der Mittel- und Nord-Ostdeutsche Bund hat wohl keinerlei Bedeutung erlangt und löste sich bald wieder auf. Während BRÜNING sich wenig später mit dem V.D.A. wieder aussöhnte und sogar dessen Ehrenmitglied wurde, fand MARRE´ keinen erneuten Kontakt.

Die Jahre vor dem 1. Weltkrieg waren für die Aquaristik außerordentlich fruchtbar. Die Zahl der importierten Fische war sprunghaft angestiegen und die aquaristische Technik entwickelte sich. In der „Wochenschrift“ wurde beispielsweise im Januar 1914 ein elektrischer Aquarienheizer vorgestellt. Umso einschneidender waren die Folgen des Krieges. Während in den ersten beiden Kriegsjahren noch ein geregeltes Vereinsleben erhalten wurde, so stellten die Vereine „Ambulia“ und „Nymphaea“ in einer gemeinsamen Ausstellung im Juni 1915 einheimische Wasserbewohner aus, war ein geregeltes Vereinsleben in den letzten beiden Kriegsjahren immer weniger möglich.

Neuer Anlauf

Nach Kriegsende im Oktober 1918 wurde wohl auch aus der allgemeinen Misere heraus der Gedanke geboren, die noch bestehenden vier Leipziger Vereine „Ambulia“, „Azolla“, „Biologischer Verein“ und „Nymphaea“ unter dem Namen „Vereinigung Leipziger Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde“ lose zusammenzuschließen. Es folgten eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen, deren Besuch aber immer geringer wurde. Schon Mitte 1920 erklärte die „Azolla“ ihren Austritt aus der Vereinigung, woran MARRE´ erneut maßgeblich beteiligt war. Die Vereinigung zerbrach in der Folge wieder. Ab 1923 lebte die lose Verbindung der drei restlichen Vereine mit gemeinsamen Veranstaltungen wieder auf.

Die „Nymphaea“ und die „Ambulia“ gründeten eine Jugendabteilung. Während erstere über viele Jahre Bestand hatte, wurde die der „Ambulia“ wegen mangelnder Beteiligung kurz darauf wieder aufgelöst. Schwierig war die Arbeit in den ersten Nachkriegsjahren vor allem durch die wirtschaftliche Lage in Deutschland und die Inflation.

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Deutschlands hatten sich im sächsischen Raum nach dem Krieg keine Gaue

 

des V.D.A. gebildet. Vielmehr waren die meisten sächsischen Vereine, im Jahre 1922 deren 34, seit 1919 im „Landesverband sächsischer Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V., Sitz Dresden“ zusammengeschlossen. Dem Landesverband gehörten bis auf die „Azolla“ alle Leipziger Vereine an. Vorsitzender des Verbandes war 1922 SCHEIDHAUER von der „Nymphaea“, der 1917 und 1918 deren Vorsitzender war. Außer der Ausrichtung von jährlichen Verbandstagen hatte die Vereinigung kaum Einfluss. Sie wurde ab 1924 nicht mehr in den aquaristischen Zeitschriften erwähnt.

Als erster Leipziger Verein trat der „Biologische Verein“ 1925 dem V.D.A. bei und schloss sich zunächst dem Saalegau 04 an, jedoch mit der bereits damals bekundeten Absicht, einen eigenen Gau zu gründen. Dieser bildete sich aber erst im März 1928, nachdem es mit dem Saalegau Spannungen gegeben hatte, als „Pleißegau“ 26. Es schlossen sich lediglich der 1923 gegründete Eilenburger „Wasserstern“ und zwei weitere Vereine aus Delitzsch und Bitterfeld an. Es war dem Gauvorsitzenden E. BRANDT, gleichzeitig Vorsitzender des „Biologischen Vereins“ zu verdanken, dass der Gau 26 trotz seiner zahlenmäßigen Schwäche durch die Errichtung einer deutschlandweiten Fischtauschstelle bekannt geworden ist. Die Tauschstelle wurde aber schon 1930 wegen geringen Interesses wieder aufgegeben. 1931 gehörten dem Gau fünf Vereine an.

Vorsitzender der „Nymphaea“ war 1923 RICHARD KRÜGER geworden. KRÜGER, am 16.09.1893 geboren, übernahm als erst 29-jähriger den Vorsitz des Vereins von WICHAND. Er trat damit sicherlich ein schweres Amt an, denn WICHAND hatte den Verein mit nur wenigen Unterbrechungen seit 1907 geführt. KRÜGER war 1919 der „Nymphaea“ beigetreten und sollte in der Folgezeit zur wohl prägendsten Figur des Vereins werden.

 

Bild0303

Ausflug der „Nymphaea“ zum Wildenhainer Bruch 1929

stehend 3. von links Krüger, daneben seine Frau Johanna; sitzend 2. von rechts Füge

Bild04klein02

Richard Krüger 1929

 

 

KRÜGER leitete, nur unterbrochen durch die Zwangspause im letzten Kriegsjahr und dem ersten Nachkriegsjahr den Verein bis Ende 1962 und bestimmte damit 39 Jahre maßgeblich dessen Geschicke. Er war ein bekannter  Zoohändler  in Leipzig  und sein Geschäft legendär. KRÜGER starb im Juli oder August 1978.

Bild05klein02

Ausflug der „Nymphaea“ zur Winkelmühle/Dübener Heide 1932

stehend von links 2. Krüger, 3. Wichand

Im Vereinsbericht vom August/September 1928 wurde erstmalig MAX FÜGE als Vortragender genannt. Bereits damals zeigte sich sein breites naturwissenschaftliches Interesse. FÜGE war 1923 der Jugendgruppe des Vereins beigetreten und bis Ende der 80er Jahre als Terrarianer aktiv und weithin als Entomologe, insbesondere als exzellenter Kenner der Schmetterlingsfauna bekannt. Nach dem Krieg trat er der Fachgruppe „Aqua West“  bei und  leitete  lange

Bild05klein03

Ausflug der Jugendgruppe, oben links Füge

Zeit die Untergruppe der Terrarianer. Er war nach dem Krieg aber auch in zahlreichen Gremien des Kulturbundes aktiv tätig und beeinflusste die Terraristik der DDR. FÜGE starb am 04.10.1999 im Alter von 90 Jahren.

Die „Azolla“ bezeichnete sich ab 1923 als Arbeiter-Aquarianer-Verein, die Mitglieder nannten sich fortan „Sportgenossen“. Der Verein war 1924 mit 120 Mitgliedern der weitaus größte Leipzigs. Er trat der am 01.04.1923 in Halle durch den dortigen „Roßmäßler“ gegründeten „Interessengemeinschaft der Deutschen Arbeiter-Aquarienvereine“ bei. Die Interessengemeinschaft breitete sich rasch deutschlandweit aus und erlangte in der Folgezeit bis Ende der 20er Jahre durch vielfältige Aktivitäten und eine straffe Führung große Bedeutung. Erster Vorsitzender war KARL KOHLBACH von der „Azolla“ Leipzig. Der Kongress der Interessengemeinschaft im Jahre 1929 fand anlässlich des 25-jährigen Bestehens der „Azolla“ in Leipzig statt. Dazu führte der Verein eine Ausstellung durch, in der neben Terrarientieren 120 Arten Fische gezeigt wurden. Die Leitung der Interessengemeinschaft ging auf diesem Kongress an die Leipziger „Azolla“ über. In der aquaristischen Literatur verliert sich danach der Zusammenschluss der Arbeiter-Aquarienvereine.

Durch politische Differenzen der mehrheitlich von Anhängern der SPD geprägten „Azolla“ gründeten 19 kommunistisch orientierte Vereinsmitglieder 1930 den „Naturwissenschaftlichen Arbeiterverein Mikro“ (8), der jedoch keine Erwähnung in der damaligen Literatur fand. Vorsitzender war UNBEHAUN, der vorher langjähriger Vorsitzender der „Azolla“ war (14). Eine ganze Reihe Mitglieder des „Mikro“ waren in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg beim Wiederaufbau der Aquaristik in Leipzig außerordentlich aktiv.

Auch hier sollen wieder einige Themen mit aktuellem Bezug eingeflochten werden. 1927 berichtet Dr. PAUL LINDE über „Die Wasserstoffjonenkonzentration und die Aquaristik“ und führt damit den heute unter „pH-Wert“ bekannten Wasserparameter in die   Aquaristik  ein  (9).  Unter  dem   Titel „Aquarienliebhaberei und Tierschutzbewegung“ versuchte 1930 ROLF BADER eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Ansichten  zu  bauen (10).  Diese  Probleme sind also keineswegs neu. Die Firma Glaschker aus Leipzig gab 1925 ihren prachtvollen Katalog zum 50. Jubiläum und 1930 einen 120-seitigen Katalog mit Aquarientechnik heraus (11). Dr. E. FINCK veröffentlichte 1931 einen „Beitrag über die Reinigung des Aquarienwassers (Süßwasser) mittels Aktivkohle (12).

 

Bild07klein

Exkursion des Vereins „Mikro“ nach Beucha und Brandis am 24.04.1932 von links stehend: Hennig, Unbehaun, ?, Hessel, Jubelt, ?, Meinert, von links sitzend: ?, Feistkorn, Watzak, Radestock, Böttger, ? Mahler

Im November 1930 wurde erstmalig ein Verein „Freie Vereinigung für Aquarien-, Terrarien- und Naturkunde“ in Leipzig genannt. Über die Fachgruppe „Amazonas“ ist ein Wimpel anlässlich des einjährigen Bestehens dieses Vereins erhalten geblieben. Danach ist der Verein am 15.11.1930 gegründet worden. Vereinslokal war die Gaststätte „Zum Dreieck“ in Leipzig-Volkmannsdorf.

Am 24.02.1931 gründete sich ein weiterer neuer Verein „Aegir“, der sich aus älteren Mitgliedern anderer Leipziger Vereine bildete. Ihm gehörte auch BRANDT vom „Biologischen Verein“ an, der im Zorn im Januar 1930 aus diesem Verein ausgeschieden war. Der „Aegir“ wurde Mitglied im V.D.A.

Die „Nymphaea“ fühlt sich veranlasst, in den Aquarienzeitschriften mitzuteilen, dass diese beiden vorgenannten Vereine nicht Absplitterungen ihres Vereins seien.

Nach der Machtübernahme Hitlers wurden die Vereine sehr rasch „gleichgeschaltet“. Der Verein „Mikro“ als kommunistischer

Arbeiterverein kam einem Verbot durch Selbstauflösung zuvor. Die Mitglieder traten den bestehenden Vereinen Leipzigs, vor allem der „Azolla“ und dem „Aegir“ bei (8, 14). Insbesondere auf Veranlassung des „Verbandsführers“ MOHNKE, eines eingefleischten Parteigenossen, der STRIDDE im Oktober 1933 im Handstreich abgelöst hatte, wurde durch den nunmehrigen „Reichsverband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde“ (RDA) die Vereinnahmung aller Aquarien- und Terrarienvereine außerordentlich rigide umgesetzt.

Die „Azolla“ hatte den Geist der Zeit offensichtlich als erste erkannt und sich ab August 1933 wieder „Aquarien- und Terrarienverein“ genannt und als gleichgeschaltet bezeichnet. Sie war wegen der ideologisch geprägten Vereinstätigkeit als Arbeiterverein auch am meisten gefährdet. Ihr Überleben war möglich, da als Voraussetzung auch hier ein Parteigenosse den Vereinsvorsitz übernommen hatte. Der Verein wurde aber erst im Januar 1935 Mitglied des „Reichsverbandes“.

Infolge der Repressionen trat auch die „Nymphaea“ im Januar 1934 dem Verband bei. 1937 wurde RICHARD KRÜGER, deren Vorsitzender, sogar Gauvorsitzender. Von allen Leipziger Vereinen scheint aber gerade die „Azolla“ die Umstellung am besten verkraftet zu haben. Sie war in der aquaristischen Literatur durch Vereinsberichte immer wieder präsent und führte 1938 eine bemerkenswerte Ausstellung durch. In mehr als 150 Becken und einem Heizschrank wurden 109 Arten von Fischen gezeigt. Dazu umfasste die Ausstellung 20 Terrarien sowie zahlreiche Exponate aus der Präparatesammlung. 1939, zum 35-jährigen Jubiläum, wurde erneut eine Ausstellung ausgerichtet.

Die Jahre des 2. Weltkrieges brachten dramatische Einbrüche auch in der Aquaristik mit sich. Es finden sich während der Kriegsjahre nur noch wenige Beiträge der Leipziger Vereine in der Literatur. 1942 wird der „Nymphaea“ durch den RDA zum 50jährigen Bestehen gratuliert. Die „Azol-

 

la“ zeigt im April 1944 ihr 40jähriges Jubiläum an.

Der Wiederbeginn

Obwohl es in der Nachkriegszeit an allem mangelte, entwickelte sich die Aquaristik doch relativ schnell wieder. In der sowjetischen Besatzungszone war, wie in den anderen Besatzungszonen auch, die Zulassung von Vereinen nur schwer möglich. Insbesondere durften die früheren Vereinsnamen nicht mehr benutzt werden. Das Polizeipräsidium Leipzig verfügte im Dezember 1948 die Löschung aller Kulturvereine aus der Zeit vor 1945. Da zudem Aufzeichnungen aus den Nachkriegsjahren kaum vorliegen und es keine aquaristischen Zeitschriften in der Sowjetischen Besatzungszone in den ersten Jahren gab, ist diese Zeit schlecht dokumentiert.

Durch Vermittlung von ALBERT ZIEGENHORN, der von 1937 - 1944 Vorsitzender der „Azolla“ war, beim sowjetischen Stadtkommandanten TRUFANOW wurde die Zusammenkunft von 10 Aquarianern gestattet. Durch eine rege Mund-zu-Mund-Propaganda im Geschäft von KRÜGER, (siehe oben) eines Leipziger Zoohändlers, über dessen Geschäft in der Nürnberger Straße auch heute noch in manchen Vereinsversammlungen gesprochen wird, versammelten sich am 24.08.1946 jedoch über 120 Aquarianer im Lokal „Stehfest“ in der Leipziger Riemannstraße (13). In der Zusammenkunft wurde die „Interessengemeinschaft für Aquarien-, Terrarien- und Naturkunde“ gegründet. Es bildeten sich in der Folge die vier Arbeitskreise Nord, Ost, Süd und West.

Mit der Gründung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ 1949 wurden alle vivaristisch tätigen Vereine ab 1949 unter diesem Dach vereinigt. Es existierten zu diesem Zeitpunkt in Leipzig die vier oben genannten Vereinigungen.

Die Fachgruppe „Aqua West“

Einer dieser Arbeitskreise war der „Arbeitskreis Aquarienkunde West“, der sich später in Fachgruppe „Aqua West“ umbenannte. Die Fachgruppe „Aqua West“ sah sich in der Kontinuität der „Azolla“ und des „Mikro“ der Vorkriegszeit und wurde auch durch deren ehemalige Mitglieder geprägt. Der Verein traf sich erstmalig im September 1946 im „Kaffee Ritter“ in der Lindenauer Demmeringstraße. Der Mann der ersten Stunde und langjähriger Vorsitzender des Vereins war RUDOLF HESSEL, der aus der Arbeiter-Aquarianer-Bewegung kam und vor dem Krieg Mitglied der „Azolla“ und des „Mikro“ war. 1929 war er im Vorstand der „Interessengemeinschaft der Arbeiter-Aquarien- und Terrarien-Vereine Deutschlands“ verantwortlich für die Fischtauschstelle. Bereits im September 1947 wurde wieder eine Zierfischbörse abgehalten. Die Besucherzahlen zu den Vereinsveranstaltungen lagen in den ersten Jahren bei durchschnittlich 50, mit herausragenden Besuchen von 80 Interessenten bei besonderen Referenten. Im Jahr 1947 waren bereit 121 Mitglieder registriert. HESSEL war außer 1953, in dem RADESTOCK, auch ein Aquarianer aus der alten „Azolla“, bzw. dem „Mikro“ bis Ende 1954 Vorsitzender des Vereins. Danach übernahm Dr. GERECKE für ein Jahr die Leitung. 1955 wurde ein Vereinsabend mit 148 Besuchern überliefert. In dieser Veranstaltung hatte HANS FREY referiert. Zu diesem Zeitpunkt war das „Kaffee Ritter“ für die Veranstaltungen bereits zu klein geworden. Über verschiedene Zwischenschritte gelangte man dann zu „Zills Tunnel“, später in den „Schwarzen Jäger“ in Leipzig-Leutzsch (1960 – 1962), in dem bereits der Arbeiter-Aquarienverein „Mikro“ seine Veranstaltungen abgehalten hatte und letztendlich in das Klubhaus „Freundschaft“ in der Karl-Heine-Straße. In letzterem wurden dann auch die Börsen der Fachgruppe durchgeführt.

1956 war WILHELM GLADE Vorsitzender des Vereins geworden und übte das Amt, nur unterbrochen 1959, in diesem Jahr war SCHREIBER für kurze Zeit Vorsitzender, bis 1963 aus. GLADE war den Leipziger Aquarianern gut als Verkaufsstellenleiter der Zoologischen Handlung „Skalare“ in der Windmühlenstraße bekannt.

 

Richtungsweisend für die Arbeit der Fachgruppe „Aqua West“ war eine 1956 in der Zeit seines Vorsitzes durchgeführte Ausstellung zum 10. Jahrestag der Wiedergründung. Im gleichen Zeitraum führte die Fachgruppe „Nymphaea“ ihre Leipziger Guppy-Schau - traditionsgemäß im Heimatkundemuseum - durch. Die Ausstellung von „Aqua West“ war mit einem Überschuss von 1760,- DM auch finanziell ein voller Erfolg, so dass sich der Verein einige Gerätschaften, wie z. B. einen Filmvorführapparat anschaffen konnte.

Bild09klein

Blick in die Ausstellung von 1956

Bild08klein03

hintere Reihe, rechts Glade, 2. von rechts Dr. Gericke

GLADE wurde 1964 durch SIEGFRIED HÖFER abgelöst. HÖFER, 1931 geboren, war der Fachgruppe 1946 beigetreten und gehörte bereits deren Jugendgruppe an. Er zählte damit zu den Gründungsmitgliedern

und war für die nächsten vier Jahre Vorsitzender der Fachgruppe „Aqua West“.

Auf KLAUS BREITFELD, den nächsten Vorsitzenden ab 1968 werden wir weiter unten noch zurückkommen.

Bild10klein

Die Fachgruppe „Nymphaea“

Die Aufnahme der Tätigkeit der ehemaligen „Nymphaea“ 1946 als „Arbeitskreis Aquarienkunde Süd“ geht auf die Initiative von RICHARD KRÜGER zurück. Der Verein lässt sich in überlieferten Dokumenten erstmalig wieder anhand einer erhalten gebliebenen Einladung zu einem geselligen Abend am 04.03.1950 unter dem Namen „Aquarienkunde Süd“ nachweisen. Ab 1956 nannte er sich erneut „Nymphaea“, Fachgruppe für Aquarien-, Terrarien- und Naturkunde. KRÜGER war Vereinsvorsitzender bis Ende 1962 und gemeinsam mit HESSEL eine der prägenden Gestalten der Aquaristik im Leipzig der Nachkriegszeit. KRÜGER starb 1978.

 

 

Sehr gepflegt wurde in der „Nymphaea“ die Zucht von Guppys, die dann auch regelmäßig in den „Leipziger Guppy-Schauen“ einem breiteren Publikum gezeigt und bewertet wurden. Diese Tradition schlief wegen des Fehlens von Züchtern im Verein Ende der sechziger Jahre ein.

Der Nachfolger von KRÜGER wurde 1963 WERNER  NAUMANN.  NAUMANN, ge-

Bild11klein

Urkunde von der 6. Leipziger Guppy-Schau vom 29.09-06.10.1957

boren 1907, war 1957 zur Fachgruppe gekommen. Er war vorher bereits Fachgruppenleiter einer Fachgruppe in Plauen. Aus der Zeit seines Vorsitzes existieren noch eine Reihe von Unterlagen, es gab aber nur wenige Höhepunkte. Es finden sich darin Hinweise auf Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Anglerverband wegen der Teichnutzung und eine Übereinkunft mit den Berufszüchtern zur gemeinsamen Nutzung von Teichen zur Entnahme von Zooplankton.

Die vier Leipziger Fachgruppen und die spezialisierte Fachgruppe der Meerwasseraquarianer führten in den Jahren 1963-65 gemeinsame Leitungssitzungen durch, um die Zusammenarbeit zu fördern. Einzige Auswirkung war aber nur die Ausrichtung der vordem von „Aqua West“ unterhaltenen

Börse im Klubhaus „Freundschaft“ in der Karl-Heine-Straße, später im Zoo Leipzig als Veranstaltung aller Fachgruppen. Diese Leitungssitzungen schliefen dann bald wieder ein.

Die Fachgruppe Meeresaquaristik war am 20.04.1959 von acht Leipziger Aquarianern gegründet worden. Sie war ursprünglich mit dem Namen „Arbeitskreis für Meeresbiologie“ als Untergruppe der „Nymphaea“ aus der Taufe gehoben worden, verselbständigte sich aber Anfang 1960 als „Fachgruppe für Meeresaquaristik“. Erster Vorsitzender war DIETER HAAS. HAAS war bis zu dieser Zeit auch Schriftführer der „Nymphaea“, legte das Amt dann aber nieder. Er leitete die „Fachgruppe für Meeresaquaristik“ bis 1981, um sie dann wegen seines Vorsitzes in der Zentralen Arbeitsgruppe Meeresaquaristik an den leider viel zu früh verstorbenen HELMUT GEORGI zu übergeben. HAAS war seit 1947 Mitglied der „Nymphaea“ (15).

Die Aquaristik in den letzten 30 Jahren

Der Kulturbund war entsprechend der Bezirke der DDR gegliedert. Die Vereine mit aquaristischer und terraristischer Ausprägung gehörten der jeweiligen Bezirkskommission Natur und Heimat und dort dem Fachausschuss Aquarien- und Terrarienkunde an. Im Jahre 1971 wurde erstmalig für den Bezirk Leipzig ein gemeinsames Programmheft mit den Veranstaltungen aller Fachgruppen des Bezirks durch die Bezirksfachausschuss Aquarien- und Terrarienkunde herausgegeben. In ihm waren fünf aquaristische und eine terraristische Fachgruppe aus Leipzig aufgeführt. Im Einzelnen waren das die Fachgruppen „Amazonas“, „Aqua West“, „Aqua Nord“, „Nymphaea“ und „Meeresaquaristik“ sowie die Terrarianerfachgruppe „Roßmäßler“, eine Untergruppe von „Aqua West“. Daneben existierten Fachgruppen in Altenburg und Wintersdorf, die damals noch zum Bezirk Leipzig gehörten sowie in Döbeln, Waldheim, Pegau, Geithain, Kohren-Salis, Grimma, Wurzen und Borsdorf. Eine lang

 

jährige Tradition hatten die oben genannten bezirksoffenen Zierfisch- und Wasserpflanzenbörsen als Veranstaltung des BFA, die aus der Börse von „Aqua West“ hervorge-gangen waren.

Geprägt war die Zeit Ende der sechziger Jahre bis gegen Ende der achziger Jahre insbesondere durch KLAUS BREITFELD, der im Oktober 1968 den Vorsitz von „Aqua-West“ übernahm und 15 Jahre lang Vorsitzender des Vereins war. BREITFELD, geboren 1939, war erst im gleichen Jahr wegen eines Umzuges in den Leipziger Westen und seiner Freundschaft zu HÖFER aus der „Nymphaea“ in die Fachgruppe „Aqua West“ übergewechselt.

Eine bemerkenswerte Ausstellung fand anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedergründung im Zeitraum vom 30.05.–12.06.1971 unter seiner Leitung im Museum für Völkerkunde am Johannisplatz statt, die 4500 Besucher verzeichnen konnte. An ihr nahm neben den Aquarianern auch die Untergruppe Terrarienkunde und Feldherpetologie von „Aqua West“ teil. Sie zeigten gemeinsam mit anderen Exponaten fast alle einheimischen Kriechtiere, Lurche, Fische, Mollusken, Wasserinsekten und Krebse der Leipziger Tieflandsbucht. Verantwortlich für den Teil der Terrarienausstellung zeichnete MAX FÜGE, der langjährig Vorsitzender der Terrarianergruppe war.

Zusammen mit einer Reihe anderer Fachgruppen auf naturwissenschaftlichem Gebiet, wie den Insektenfreunden, Orchideenzüchtern und Sammlern von Gesteinen wurde vom 21.06. – 06.07.1975 eine weitere Ausstellung im Botanischen Garten der Universität Leipzig durchgeführt, an der neben der „Nymphaea“ auch die Fachgruppen „Aqua West“ und „Amazonas“ teilnahmen.

Ein Höhepunkt der Vereinsarbeit der Fachgruppe „Aqua West“ war zweifellos die Organisation und Durchführung der XII. Guppyschau  der DDR vom 10.-18.06.1978

Bild12klein02

– es war die dritte nach 1966 und 1974 in Leipzig - im Auftrag der Zentralen Arbeitsgruppe Lebendgebärende Zahnkarpfen. Guppyschauen kleineren Maßstabes hatte die „Nymphaea“ bereits in den fünfziger und Anfang der sechziger Jahren wiederholt durchgeführt – so fand z. B. die 11. Leipziger Guppyschau vom 23. – 30.09.1962 statt -, sie aber, wie oben bereits gesagt, dann wegen des  Fehlens engagierter Züchter im Verein aufgeben müssen.

Verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung im Naturwissenschaftlichen Museum Leipzig war der in Leipzig wohl bekannte Terrarianer, Aquarianer und Zoohändler WERNER KNAPPIK. Neben zahlreichen Aquarianern der DDR nahmen Züchter aus Polen, der CSSR, Ungarn, Österreich und der BRD – in der Auflistung getrennt von Westberlin – teil. Allein aus der CSSR waren 47 Personen angereist. Aus Polen kamen 3 Bewerter für die Jury der Schau. Wer die damalige Ausstattung an Hotels kennt, kann nachvollziehen, wie aufwändig allein dieser Teil der Vorbereitung gewesen war. Die Jury unter  dem  Leiter  RAINER ENIG kürte als

 

Bild13klein

Ausstellungssieger einen Triangel der Farbe schwarz/schwarz von HERBERT MERKEL aus Berlin. Der 2. Platz ging an einen Aussteller aus Polen.

Am 22.05.1982 wurde in Leipzig auch die XVI. Guppyschau im Botanischen Garten der Universität ausgerichtet. Verantwortlich zeichnete hier die „Interessengemeinschaft Lebendgebärende Zahnkarpfen“, eine Untergruppe von „Aqua West“. Die „Interessengemeinschaft Lebendgebärende Zahnkarpfen“ war am 09.11.1971 von drei Mitgliedern von „Aqua West“ und zwei Mitgliedern von „Amazonas“ gegründet worden. Diese Vereinigung war immer offen für alle Fachgruppen Leipzigs. Ab 1985 nannte sie sich „Guppyclub Leipzig“. Sie entwickelte sich in der Folgezeit zu einer der führenden Fachgruppen in der ZAG Lebendgebärende Zahnkarpfen. Erster und langjähriger Vorsitzender war RAINER ENIG.

Zeitgleich mit der XVI. Guppyschau fand eine große, von zahlreichen Aquarianern besuchte Bezirksfachtagung des Bezirksfachausschusses Aquarien- und Terrarien-

kunde im Kulturhaus „Große Eiche“ in Böhlitz-Ehrenberg mit namhaften Referenten statt.

Die Vereinsarbeit der „Nymphaea“ war Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre zurückgegangen. Aus einem Schreiben NAUMANN´s von Ende 1973 geht hervor, dass man sich wohl bewusst war, dass die weitere Existenz begann fraglich zu werden. Er kam zur Erkenntnis, dass sich in der Leitung eine Überalterung ergeben hatte. NAUMANN war bereits 65 Jahre alt und sah sich nicht mehr in der Lage, neue Impulse zu geben. Es hatte auch interne Querelen gegeben, die mit dem Austritt von aktiven Mitgliedern endeten. Im Mai 1974 erlitt er dann einen Herzinfarkt und gab deshalb das Amt Mitte des Jahres an EBERHARDT WIECZOREK ab. Dieser, 1946 geboren, war Lehrer und dem Verein 1963 beigetreten. In die Anfangszeit seiner Tätigkeit fiel die Beteiligung der Fachgruppe an der vorgenannten Ausstellung im Botanischen Garten im Jahr 1975.

1979 verlegte WIECZOREK seinen Wohnsitz nach Eilenburg und HORST HEINZE wurde Fachgruppenvorsitzender. Er war seit 1969 Mitglied der „Nymphaea“. Zuvor war er als Gründungsmitglied der Fachgruppe „Aqua West“ Mitglied dieses Vereins. HEINZE, geboren am 24.12.1925, war nicht nur aquaristisch interessiert, sondern hatte auch ein offenes Auge für die Natur. Seine Eindrücke stellte er wiederholt in Diavorträgen über die Leipziger Auelandschaft den Fachgruppen Leipzigs vor. Entsprechend war er auch immer bemüht, die Vereinsabende nicht nur mit aquaristischen Themen zu gestalten. Die Fachgruppe nahm unter seiner Leitung Kontakt zu den Fachgruppen in Schmannewitz und Halle-Neustadt auf. Zu letzterer besteht über Vortragstätigkeit des Verfassers noch heute eine lose Verbindung. Sehr gepflegt wurden auch gemeinsame Ausflüge mit den Familien. Hervorgehoben werden muss hier insbesondere eine Fahrt in den Botanischen Garten Liberec, CSSR.

Berichtet werden soll auch über den Beitrag der Leipziger Aquarienfachgruppen, insbesondere hier der FG „Aqua West“ für die Belange des Naturschutzes. Die Fachgruppe stellte in einer Eingabe vom 10.02.1975 beim  Vorsitzenden des Rates des  Bezirkes

 

Bild14klein

Bild15klein

Bilder aus den „Papitzer Lehmstichen“

Leipzig den Antrag, das Landschaftsschutzgebiet „Papitzer Lehmstiche“ als Naturschutzgebiet zu erhalten. Auch der damalige Direktor der Sektion Biowissenschaften der Universität Leipzig und Mitglied von „Aqua West“, Herr Prof. Dr. Dr. GÜNTER STERBA setzte sich für den Erhalt ein. Die früher der Lehmgewinnung dienende Landschaft war herpetologisch außerordentlich interessant. Vor allem gab es hier Restpopulationen von Rotbauchunke, Laubfrosch und anderen Lurchen und Kriechtieren. Die Vertiefungen sollten den Erdaushub des damals entstehenden Wohngebiets Leipzig-Grünau aufnehmen. Der Vorstoß war erfolgreich.

Besonders hervorgetan hatte sich ROLAND ZITSCHKE, Mitglied von „Aqua West“, für den Erhalt dieses Rückzugsgebietes, der sich auch heute noch im Rahmen des NABU

für die „Papitzer Lehmstiche“ engagiert. 1975 erfolgte die einstweilige Sicherung und die Bestätigung als Naturschutzgebiet am 20.09.1984. 1992 wurde es erweitert und 1999 auf die jetzige Größe von 560 ha gebracht.

KLAUS BREITFELD erhielt über seine Tätigkeit als Fachgruppenvorsitzender hinaus eine Berufung im Januar 1970 in den Bezirksfachausschuss Aquarien- und Terrarienkunde, wurde Ende 1980 nach Jahren der Stagnation dessen Vorsitzender und hatte diesen Posten bis Ende 1989 inne. Durch seine kompetente und die unterschiedlichen Interessen der Vereine ausgleichende Tätigkeit gab es eine sehr fruchtbare, durch Zusammenarbeit gekennzeichnete Entwicklung unseres Hobbys im Bezirk Leipzig bis zur Wendezeit. Insbesondere erfolgte eine Zusammenführung der Fachgruppen des Bezirks durch jährlich geplante gemeinsame Veranstaltungen mit profilierten Referenten. Einen Höhepunk bildete die Bezirksausstellung aller Fachgruppen im Botanischen Garten Anfang September 1986, die gemeinsam mit einer Guppy- und Xipho-Schau, Exponaten der Orchideen- und Kakteenfreunde, Insekten, Kleinsäugern sowie einer Briefmarkenschau mit naturkundlichen Themen und einer Ausstellung aquaristischer Technik im Wandel der Zeiten durchgeführt wurde. Diese Ausstellung fand große Beachtung in Leipzig und Umgebung und konnte mehr als 12.000 Besucher verzeichnen. Die akribischen Aufzeichnungen beweisen die unendlich mühevolle und engagierte Arbeit der beteiligten Vereine unter der Leitung von BREITFELD.

HORST HEINZE war bis zur Wende und auch danach Vorsitzender der „Nymphaea“.

Bei „Aqua West“ hatte 1985 EBERHARD HOHDORF den langjährigen erfolgreichen Vorsitzenden KLAUS BREITFELD auf dessen Wunsch abgelöst. Nach zwei Jahren, ab 1987, übernahm ANDREAS WERNER den Vorsitz des Vereins.Es soll noch in aller Kürze auf die überregionalen Aktivitäten Leipziger Aquarianer eingegangen werden. Einen wesentlichen Beitrag der fachlich-aquaristischen Arbeit in der DDR wurde durch die Zentralen Arbeitsgruppen (ZAG) geleistet, die die Arbeiten spezialisierter Aquarianer koordinierten, den Austausch von Fischen ermöglichte und regelmäßig Vortragsveranstaltungen organisierten.

 

Bild16klein

Informationstafel der Ausstellung 1986

Bild17klein

Blick in die Ausstellung

So wurden die ZAG Zwergcichliden durch den Leipziger ERHARD QUELMS, Ende der achziger Jahre auch Vorsitzender der Fachgruppe „Amazonas“ und die ZAG Meeresaquaristik durch DIETER HAAS geleitet. Diese ZAG existiert als einzige auch heute noch. KLAUS BREITFELD war ein aktiver Mitarbeiter in der ZAG Eierlegende Zahnkarpfen und RAINER ENIG in der ZAG Lebendgebärende Zahnkarpfen. Prof. Dr. GÜNTHER STERBA, unser jetziges Ehrenmitglied, als Autor von Aquarienliteratur und Verfasser zahlreicher Artikel in aquaristischen Zeitschriften deutschlandweit bekannt, gehörte der Fachgruppe „Aqua West“ an. Zwei Leipziger Aquaria-

ner, HANS-JOACHIM RICHTER, „Aqua Nord“, zeitweilig auch Vorsitzender dieses Vereins und WOLFGANG SOMMER, „Aqua West“ haben sich einen Namen als ausgezeichnete Fischfotografen gemacht.

Die Zeit nach der Wende

Ende 1989 bestanden neben den oben genannten Leipziger Fachgruppen noch weitere in Leipzig-Grünau „Lotos“ (gegründet 1982), der „Cichlidenclub“ sowie in Liebertwolkwitz die Fachgruppe “Tetrazona“ und in Taucha die Fachgruppe „Skalare“.

Mit der Wende setzte abrupt ein allgemeiner Rückgang der Aquaristik ein. Die Mitgliederzahl der Vereine verringerte sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch. Der Zuspruch zu den Vereinsabenden ging gegen Null. Der Verfasser erinnert sich, im März 1990 zum Vortrag eines namhaften Referenten bei „Aqua West“ gemeinsam mit KLAUS BREITFELD als einziger erschienen zu sein. Die meisten Vereine waren nicht mehr arbeitsfähig.

HORST HEINZE, der in dieser Zeit noch immer Vorsitzender der „Nymphaea“ war, hatte als erster erkannt, dass nur die Bündelung der Kräfte ein Weiterbestehen ermöglichen würde. Gemeinsam mit Dr. RAINER HOYER, der in der kritischen Zeit am 12.12.1989 die Leitung der Fachgruppe „Aqua West“ übernommen hatte, beschloss er die Einladung der Leitungsmitglieder aller Leipziger Fachgruppen. Das Treffen fand am 16.11.1990 mit Teilnehmern der beiden vorgenannten sowie den Fachgruppen „Amazonas“ mit ihrem Leiter ERHARD QUELMS, „Aqua Nord“ und einem Vertreter von „Skalare“ Taucha in der Galerie Süd in der Karl-Liebknecht-Straße statt. Man war sehr schnell einig, sich vorerst zu einer losen Vereinigung zusammenzuschließen, ohne die Identität der bisherigen Fachgruppen aufzugeben. Wenn sich der Zusammenschluss problemlos ergeben würde, sollte die Zusammenarbeit enger gestaltet werden und für den Verein der

 

Name der „Nymphaea“ als dem ältesten Verein gewählt werden.

Wohl auch bedingt durch die intensive Zusammenarbeit der Vereine bis zur Wende ergab es sich, dass sich die vier Vereine „Amazonas“, „Aqua-West“, „Aqua-Nord“ und „Nymphaea“ in der ersten gemeinsamen Sitzung am 28.01.1991 unter dem Namen „Nymphaea Leipzig, Verein für Aquaristik“ zunächst noch unter dem Dach des Kulturbundes Leipzig e.V. fest zusammenschlossen. Erster Vorsitzender des Zusammenschlusses der Leipziger Aquarianer war HORST HEINZE, der bereits lange Jahre dem Verein „Nymphaea“ vorstand. Von ehemals mehr als 150 organisierten Aquarianern vor der Wende in diesen vier Fachgruppen waren nicht viel mehr als 20 übrig geblieben. Im Jahre 1993 gehörten dem Verein 24 zahlende Mitglieder und zwei Ehrenmitglieder an. Zur Jahreshauptversammlung im Januar 1992 gab HORST HEINZE gesundheitshalber den Vorsitz an Dr. RAINER HOYER, seinen bisherigen Stellvertreter ab. HORST HEINZE ist heute Ehrenmitglied des Vereins.

Seit Anfang 1995 ist der Verein unter dem Namen „Nymphaea Leipzig 1892 e.V.“, Verein für Aquaristik, im Vereinsregister eingetragen. Er ist nach dem „Triton“ Berlin – gegründet 1888 - der zweitälteste noch existierende Aquarienverein in Deutschland. Der Verein „Aquarium“ Zwickau ist wohl ungefähr gleichaltrig.

Der Verein „Lotos“ Grünau (jetzt „Lotos“ Leipzig), gegründet 1982 vom ersten Vorsitzenden HERMANN RIEDEL, blieb dagegen selbstständig und gründete gemeinsam mit den „Aquarienfreunden Wurzen“, gegründet 1989 durch LUTZ WIEDE, den VDA-Bezirk 07.

Die meisten übrigen Aquarienvereine der Stadt Leipzig und der engeren Umgebung lösten sich mit der Wende auf.

Ausgenommen ist die Fachgruppe der Meerwasseraquarianer, heute „Meeresaqua-

ristik Leipzig 59 e.V.“. Die Meerwasseraquarianer konnten 1999 ihr 40jähriges Bestehen feiern.

Ebenso besteht der „Guppyklub Leipzig“ erfolgreich weiter. Letzterer wurde Mitglied in der „Deutschen Gesellschaft für lebendgebärende Zahnkarpfen e.V.“. Im Jahr 2001 konnte das 40jährige Bestehen begangen werden.

In der Folgezeit ergaben sich Neugründungen von Vereinen in Naunhof (1996) und Taucha (1997), die sich dem VDA anschlossen.

Bild18klein

Bild19klein

Besuch in Burglengenfeld 1990

Sehr früh nach der Wende noch vor der Vereinigung der Aquarianer Leipzigs baute der Verein „Nymphaea“ eine Partnerschaft mit dem Aquarienverein Burglengenfeld auf, die leider in den letzten Jahren durch Probleme im dortigen Verein nahezu zum Erliegen gekommen ist. In den ersten Jahren gab es wiederholt gegenseitige Besuche und die Leipziger Aquarianer nahmen regelmäßig an den Fisch- und Pflanzenbörsen der Burglengenfelder Freunde teil.

 

Es ist uns in den Jahren seit dem Zusammenschluss immer gelungen, interessante Jahresprogramme zu gestalten, die auch die eine oder andere Ehepartnerin zu den Vorträgen angelockt haben. Gelegentliche Vereinsausflüge wie zur „Grünen Woche“ in Berlin haben die Vereinstätigkeit aufgelockert und auch die Familienmitglieder angesprochen.

Dem Verein gehören eine Reihe versierter Aquarianer an, die sich besonders in der Zucht von Aquarienfischen verdient machen. Um dafür eine solide Grundlage zu schaffen, wurden in der Umgebung Leipzigs eine Reihe Teiche für die Entnahme von Zooplankton gepachtet. Die Initiative ging besonders von KLAUS KRISTOKAT aus. Die Pacht von Teichen hatte bereits in den Fachgruppen „Nymphaea“ und „Aqua West“ eine langjährige Tradition. So ist zum Beispiel der Pachtteich in Frankenheim seit Jahrzehnten im Besitz früher von „Aqua West“, heute unseres Vereins „Nymphaea 1892 e.V.“. Interessierten Aquarianern außerhalb des Vereins wurde schon damals gegen eine geringe Gebühr die Mitgliedschaft im Verein zum Zwecke der Entnahme von Zooplankton angeboten.

Bild20klein

Fischfutterkarte der „Nymphaea“ von 1951

Derzeit haben das Angebot ungefähr 30 Interessenten angenommen. Der Verein bewirtschaftet rund 15 Teiche, die entweder selbst gepachtet sind oder von Vereinsmitgliedern einbracht werden. Die Teichpacht sichert eine stabile Versorgung mit Zooplankton.

Im Mittelpunkt der Arbeit stand in den letzten Jahren die Konsolidierung des Vereins und die Erhöhung der Mitgliederzahl. Wegen der Probleme in den Jahren nach der Wende war es dem Verein nicht möglich, im Jahr 1992 eine größere Feier zum 100-jährigen Vereinsjubiläum auszurichten. Es wurden nur einige Vorträge der Jahresveranstaltung unter dieses Motto gestellt. So hielt z. B. Herr Prof. Dr. STERBA einen Vortrag  über  „Ichthyologie und  Aquarien-

Bild21klein

Ausstellung zum 100. Vereinsjubiläum, links Klaus Breitfeld

kunde“. Außerdem gestaltete der Verein eine kleine Ausstellung im Rahmen einer Hobbymesse. Die damaligen Bedingungen, auch der finanzielle Rahmen hatte bedauerlicherweise nicht mehr zugelassen.

Der Mitgliederstand hat sich in den letzten Jahren um die Zahl 50 eingependelt. Dazu kommen die vorgenannten 30 Mitglieder mit eingeschränkten Rechten zur Entnahme von Zooplankton. Damit sind wir der weitaus mitgliederstärkste Verein Leipzigs und Umgebung. Ein großes Problem ist bei uns wie wohl auch in anderen Vereinen die Gewinnung von jüngeren Mitgliedern.

Durch die Vortragstätigkeit einiger Vereinsmitglieder wird der Kontakt zu einer Reihe von Vereinen auch der weiteren Umgebung aufrecht erhalten. Auf diese Weise bestehen u.a. Verbindungen zu „Roßmäßler“ Halle, „Vallisneria“ Dessau, „Aquarienfreunde“ Halle-Neustadt, „Aquarienfreunde“ Wurzen und „Roßmäßler“ Pegau sowie nach Bitterfeld und Köthen.

 

Mitglieder des Vereins nehmen an der bezirksoffenen Fisch- und Pflanzenbörse des VDA teil.

Sehr erfreulich ist der Kontakt zum „Triton“ Berlin und dessen Vorsitzendem WERNER RIECK. Ihm sind eine Reihe von Informationen und insbesondere die Anregung des Verfassers zum Studium der Historie des Vereins zu verdanken.

Ein loser Kontakt besteht auch zu den „Aquarienfreunden“ Berlin-Tegel.

Der Verein hat die Tradition der Ausrichtung von bezirksoffenen Börsen beibehalten. Leider ist es seit Ende 2001 nicht mehr möglich, sie im Zoo Leipzig durchzuführen, da die hohen Eintrittspreise durch die Besucher nicht mehr getragen werden können. Das ist umso bedauerlicher, als eine jahrzehntelange Tradition damit zu Ende gegangen ist. Die Börse im Leipziger Zoo war für Leipzig und Umgebung eine Institution.

Bild22klein

Börse in der Zooschule in den 80iger Jahren

Von links: Koch, Sernau, Quelms, Heinze

Leider sind die „Tümpeltouren“ in den letzten Jahre eingeschlafen. Die jährlichen Ausflüge brachten uns traditionell am Karfreitag meist in die Papitzer Lehmstiche unter der Führung von ROLAND ZITSCHKE. Es besteht aber der feste Wille, diese Tradition wieder aufleben zu lassen. In diesem Jahr haben wir zu  Karfreitag einen neuen Anfang gemacht.

Bild23klein

Börse im Terrarium des Zoo Herbst 1995

Bild24klein

Börse im Aquarium des Zoo Herbst 2000

Bild25klein

Tümpeltour 1993, Mitte Roland Zitschke, rechts Horst Heinze, links Andreas Werner

 

Allen Freunden, die durch Material und Hinweise sowie mit einer kritischen Durchsicht dieses Artikels zum Gelingen beigetragen haben, sei herzlich gedankt. Leider war es trotz aller Anstrengungen nicht möglich, aussagekräftiges Material über die beiden Gründungsvereine der „neuen“ Nymphaea „Aqua Nord“ und „Amazonas“ aufzutreiben. Deshalb ist dieser Teil unserer Historie zu kurz gekommen. Wir würden uns freuen, wenn der Beitrag den Einen oder Anderen dazu führen würde, diese Lücke zu füllen.

1.

Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde (1892) 228

2.

Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde (1896) 235

3.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1907) 216

4.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1907) 123

5.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1908) 554 ff

6.

Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde (1911) 737 ff

7.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1909) 283 f

8.

Buchheim, Kurt, pers. Mitteilung

9.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1927) 287 ff

10.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1930) 155 f

11.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1930) 204

12.

Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde (1931) 813 ff

13.

Heinze, Horst, pers. Mitteilung

14.

Hennig, Erich, pers. Mitteilung

15.

Haas, Dieter, pers. Mitteilung

 

Zurück zur Inhaltsangabe

Zum nächsten Artikel