Schlangenkopf-Fische in Myanmar

Text und Fotos: Dr. Rainer Hoyer

Bei sechs Reisen in das Land Myanmar, ehemals Burma, konnte ich eine Vielzahl unterschiedlicher Fischarten fangen. Darunter befanden sich auch einige unbeschriebene Arten, die ich konserviert und Ichthyologen übergeben habe. Einige Arten habe ich lediglich im Bild dokumentiert und die Lebensräume erfasst sowie Wasseranalysen angefertigt. Zu letzteren zählen auch verschiedene Schlangenkopf- Fische. Sie haben mich in meiner aquaristischen Laufbahn bisher weniger interessiert, so dass sie nicht zu meinen Pfleglingen gehört haben.

Das Hein Aquarium

h01Beginnen möchte ich in Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars. In einem der weitläufigen Vororte hatte der inzwischen 2014 verstorbene ehemalige Professor an der dortigen Universität, Mr. Tin Win, im Bild mit seinem Sohn Ye Hein Htet, eine Exportstation fĂĽr Zierfische – das Hein Aquarium - aufgebaut. Sie war seinerzeit eine der größten im Lande. Bei einer Bestellung beauftragte er Zwischenhändler mit der Beschaffung, die ihrerseits Fänger vor Ort losschickten und die Fische dann anlieferten. Die Zahl der Tiere in der Exportstation war deshalb meist nicht allzu hoch, aber es gab doch jedes Mal während meiner vier Besuche etwas zu sehen. Im Jahr 2009 war es neben Garra flavatra, die gerade in der Aquaristik bekannt geworden waren und Schistura sp. „Sumo“ Channa gachua (Bild links), auf die ich später noch ausfĂĽhrlicher eingehen werde. Zwei Jahre später war es neben der genannten Art noch Channa ornatipinnis (Bild rechts) und 2012 zeigte mir Tin Win eine wahrscheinlich wissenschaftlich unbekannte Channa-Art (Bild unten).

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h04Leider steht zu befürchten, dass der Sohn von Mr. Tin Win die Exportfirma nicht fortgeführt hat. Im Internet ist jedenfalls die Homepage nicht mehr aufzufinden. Der Name Tin Win´s wird jedoch nicht vergessen sein, denn mit Danio tinwini und Mastacembelus tinwini tragen zwei von ihm entdeckte Fische seinen Namen.

Er war mir immer ein angenehmer Gesprächspartner.

Der Inle See

h05Recht zentral im Myanmar auf ungefähr 700 Meter Höhe liegt der Inle See. Er ist rund 15 Kilometer lang und sieben Kilometer breit. Allerdings hat er nur eine geringe Tiefe von drei bis fünf Meter. Der See ist von hohen Bergen umgeben und für zahlreiche endemische Fischarten bekannt. Eine der bekanntesten Arten aus neuerer Zeit ist Danio auropurpureus. Bei der Erstbeschreibung wurde er ursprünglich in eine neue Gattung Inlecyprus gestellt, womit die Herkunft der Tiere einbezogen wurde.

Mit Channa harcourtbutleri gibt es aber auch einen endemischen Schlangenkopf-Fisch. Es ist mir nicht gelungen, einen Unterschied zu Channa gachua festzustellen. Er soll aber durchaus abgrenzbar sein. Das fĂĽr mich entscheidende Merkmal ist sein Vorkommen im Inle See und seinen ZuflĂĽssen, denn Channa gachua kommt dort nicht vor. Man findet Channa harcourtbutleri  häufig auf den lokalen Märkten.

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Eine immer wieder im Inle See und auf den Märkten anzutreffende Art ist Channa striata. Diese Art soll bis zu einem Meter lang werden, wobei ich Tiere dieser Größenordnung auf den Märkten nie habe finden können. Mit ihren spitzen Zähnen wird der Raubfischcharakter deutlich. Das im rechten Bild abgebildete Tier ist selbstverständlich ein Jungfisch. Sie sind in Myanmar nicht ausschließlich auf den Inle See beschränkt, sondern in weiten Teilen des Landes anzutreffen.

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Channa striata ist auf Grund seiner Länge nur für große Schauaquarien geeignet.

DarĂĽber hinaus sind sie ausgesprochen lecker. Sie haben ein schmackhaftes, festes weiĂźes Fleisch. Allerdings muss man sie in den Restaurants meist vorbestellen. Sie werden dann an diesem Tag frisch auf dem Markt eingekauft und am Abend serviert.



Im Inle See sind folgende Wasserwerte zu bestimmen

N 20o 34’ 56,5788’’
O 96o 55’ 48,6408’’

Inle

pH 
Leitfähigkeit
GH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
KH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
Wassertemperatur Grd C            
Lufttemperatur Grd C 

21.11.2007, 16.30 Uhr

6,5
280
nicht gemessen
5,0
26,2
26,4

21.11.2009, 6.30 Uhr

6,3
330
11,0
5,5
24,7
20,9

Von Hsipaw aus nach Norden

Auf  unseren Rundreisen durch das Land haben wir mehrmals in Hsipaw, einer Kleinstadt an der Old Burma Road nach China fĂĽr einige Tage Halt gemacht. Neben zahlreichen interessanten Fischen gab es dort Libellen und Schmetterlinge in vielen Arten. Es ist auch ein Eldorado fĂĽr Entomologen. In diesem weiten Gebiet kommt Channa gachua recht häufig vor. Auch auf den Märkten lag er stets zum Verkauf bereit. Ich hatte ihn bereits vom Hein Aquarium – wie oben gezeigt – vorgestellt. Beispielhaft fĂĽr seine natĂĽrlichen Habitate möchte ich einen Fundort nördlich von Hsipaw vorstellen.

h12Der Weg dorthin war etwas beschwerlich, denn es war eine Laterit-Piste, auf der unser Auto eine riesige rote Staubfahne hinter sich herzog. Es handelte sich um einen kleinen Bach, der von den Einheimischen als Wasch- und Badeplatz aufgestaut worden war. Hier fanden wir mit Pethia padamya, der Odessa-Barbe, einen interessanten Fisch, dessen Herkunft lange Zeit umstritten war sowie weitere Karpfenfische. Mit Glyptothorax sp. ging uns ein Vertreter der Welse ins Netz. Die hier vorkommenden Channa gachua waren intensiver gefärbt und etwas dunkler als Tiere von anderen Stellen.

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Folgende Wasserwerte konnten hier gemessen werden:

13.11.2011, 13.10 Uhr

22o 47´ 00,01´´ N
97o 21´ 58,59´´ O

pH 
Leitfähigkeit
GH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
KH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
Wassertemperatur Grd C            
Lufttemperatur Grd C                

7,4
530
16
12
24,7
21,3

In den Rakhine Mountains

Auf der Suche nach Schmerlen hatten wir 2011 versucht, über die Rakhine Mountains zu gelangen, um diese Wasserscheide zum Ayeyarwaddy-System zu überwinden. Die Fahrt gestaltete sich allerdings schwierig, denn die Laterit-Piste verlief auf halber Höhe der Berge und an Wasser war nicht heranzukommen. Als auch noch unser Fahrer Than Tun murrte, waren wir gezwungen, zurückzufahren. Auf dem Rückweg fragten wir dann bei Einheimischen nach und sie verwiesen uns auf einen Bach namens Goat Chaung, der in den Fluss Man Chaung mündete. Die beiden Gewässer lagen ungefähr zehn Kilometer östlich der Stadt Datkon.

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Das linke Bild zeigt die MĂĽndung des Goat Chaung in den Man Chaung, das rechte den Man Chaung selbst. Neben Welsen aus den Gattungen Glyptothorax, Mystus, Amblyceps und Akysis sowie zwei Garra-Arten kamen verschiedene Schmerlen und Karpfenfische vor.

h17Hier fingen wir einen Schlangenkopf-Fisch, der nach Dr. R. Britz (persönliche Mitteilung über Ch. Kanele) unbeschrieben sein soll. Das Tier war recht düster dunkelbraun gefärbt und wies undeutliche schräge Streifen auf dem Rücken und dunkelbraune Punkte auf den Körperseiten auf. Außerdem war sowohl die Rückenflosse als auch die Schwanzflosse gestreift. Vor Ort hatten wir auf Channa gachua getippt. Inwieweit sich die Färbung des sicherlich juvenilen Tieres ohne Schreckfärbung zeigen würde, kann ich nicht sagen.

Im Man Chaung hatte ich folgende Wasserwerte gemessen:

17.11.2011, 13.30 Uhr, Man Chaung

19o 55´ 02,52´´ N
94o 30´ 06,03´´ O

pH 
Leitfähigkeit
GH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
KH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
Wassertemperatur Grd C            
Lufttemperatur Grd C      
          

7,6
470
5,5
3,5
22,3
26,2

Baw Di Chaung Brigde in Richtung Gwa

Im Jahr 2007 waren wir auf der Suche nach Hara spinulus, dessen Typuslokalität die Baw Di Chaung Brigde  ist, von der HauptstraĂźe in Richtung Gwa gefahren. Allerdings war es uns nicht möglich, diesen kleinen Wels hier nachzuweisen. Er soll dort lediglich in der Regenzeit zu finden sein. Nach Aussage eines örtlichen Fängers leben sie in der Trockenzeit am Oberlauf. Er macht offensichtlich Laichwanderungen durch. Neben Garra flavatra, die auch flussaufwärts gefangen werden, konnte uns der Fänger Channa pulchra  zeigen, die damals bereits im Hobby verbreitet waren und wegen ihrer ansprechenden Färbung von den Channa-Freunden gern gehalten werden.

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2011 wollten wir erneut versuchen, H. spinulus zu bekommen. Leider war der Fänger gerade auf Tour und es war erneut nicht möglich. Auf Empfehlung von Dorfbewohnern versuchten wir unser GlĂĽck an einem kleinen Bach an der Grenze des Rakhine State und der Magwe Division nahe der Ortschaft Beda. Leider war der Weg durch Erdrutsche versperrt und mir war es unmöglich, dorthin zu gelangen. Lediglich mein Reisebegleiter Dr. Jörg Bohlen wagte den weiteren Abstieg. Er fand einen glasklaren Bach, aber keine H. spinulus. Neben Schmerlen und Karpfenfischen gab es auch hier Channa pulchra und eine weitere Art, die erneut Dr. R. Britz als bisher unbeschriebene Art bezeichnete. Sie ist im Hobby jedoch bereits als Channa „mimetic pulchra“ bekannt. Sie kommt in zwei Formen – mit einem Punkt in der RĂĽckenflosse und ohne diesen Punkt – nebeneinander vor. In den Nachzuchten soll dies auch der Fall sein, jedoch nicht auf ein unterschiedliches Geschlecht hinweisen.

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Bach nahe Beda, 19.11.2012, 13.00 Uhr

N 17o 34´ 19,97´´
O 94o 47´ 19,93´´

pH 
Leitfähigkeit
GH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
KH Grd dH  (Tetra-Test in 10 ml)
Wassertemperatur Grd C            
Lufttemperatur Grd C                 

6,6
nicht gemessen
n. n.
2,5
27,4
29,7

Der SĂĽden um Pantanaw

Den Abschluss unserer Rundreisen bildete stets die Fahrt von der Küste nach Yangon. Dabei kamen wir immer an der Stadt Pantanaw vorbei. An dem die Straße begleitenden Kanal, der in das Mündungsdelta des Ayeyarwaddy mündete, gab es verschiedene Reusensysteme, die jahresweise an Fischer vermietet wurden. In deren Fangkörbe schauten wir jedes Mal hinein.

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Neben zahlreichen Trichogaster sp. und Parambassys sp. gab es Mystus sp., Glossogobius giuris, eine in Myanmar weit vergreitete Grundel, den Hornhecht Xenentodon cancilla und den Stachelaal Macrognathus zebrinus. Ein einziges Mal fanden wir hier den Schlangenkopf Channa panaw (oben rechts). Er scheint nicht sehr häufig vorzukommen und sein Vorkommen ist wohl eng begrenzt, denn wir konnten ihn an keiner anderen Stelle im Lande finden.

Auch hier kam, wie in weiten Teilen Myanmars, Channa striata vor.

h25 h26.

Wasseranalysen wurden nicht vorgenommen.


Literatur:

Hoyer, R. (2014): Bericht ĂĽber ein gemeinsames Vorkommen von Channa pulchra
                  Britz, 2007 und Channa sp. „mimetic pulchra“;
                  Der Makropode 36 (1), 5 – 7
Hoyer, R. (2014): Weitere Channa in Myanmar, Teil 1: Das Hein Aquarium in
                  Yangon; Der Makropode 36 (2), 58 – 60
Hoyer, R. (2014): Weitere Channa in Myanmar, Teil 2: Inle See;
                  Der Makropode 36 (3), 89 – 94
Hoyer, R. (2014): Weitere Channa in Myanmar, Teil 3: Nordwestlicher Shan State;
                  Der Makropode 36 (4) 125  - 131
Hoyer, R. (2015): Weitere Channa in Myanmar, Teil 4: In den Rakhine Mountains
                  Der Makropode 37 (1) 10 – 12
Hoyer, R. (2015): Weitere Channa in Myanmar, Teil 5 (Schluss): Der SĂĽden um
                 Pantanaw; Der Makropode 37 (4) 133 - 138

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