Die Gattung Bedotia - wenig bekannte Regenbogenfische aus Madagaskar

Text und Fotos: Gunter Helbig

j01Etwa 1996 bekam ich meine ersten Ährenfische. Damals als Bedotia geayi bezeichnet und auch leider bis heute oft in Zoogeschäften noch fälschlich unter dem Namen verkauft. Diese ab 1952 in der Süßwasseraquaristik heimische Art ist bis heute die einzige, die sich  in der Aquaristik durchsetzen konnte. Seit etwa 10 Jahren ist klar, dass es sich dabei um Bedotia madagacariensis handelt und Bedotia geayi nie im Hobby war

Die Gattung Bedotia ist auf Madagaskar endemisch. Im Moment sind mindestens 16 verschiedene Arten bekannt, davon aber erst neun beschrieben. Ihre Lebensräume befinden sich an der Ostküste Madagaskars, der drittgrößten Insel der Welt. Sie leben in schnellfließenden, überwiegend klaren, oft pflanzenlosen und vom Regenwald beschatteten Bächen und Flüssen, aber manchmal auch in Reisfeldern und Sümpfen. Die Temperaturen der Gewässer liegen zwischen 21 und 26° C, der pH-Wert bei 5,0 - 6,5 sowie die Gesamt- und Karbonathärte unter 1o dH.

Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse und Abstammungen sind bis jetzt umstritten, neuere Untersuchungen scheinen aber zu belegen, dass die Bedotiiden zusammen mit den Melanotaeniidae (Regenbogenfischen) in eine neue Unterordnung der „Regenbogenfischartigen“ (Melanotaeinoidei) gehören und mit Rhadinocentrus ornatus und Cairnsichthys rhombosomoides eng verwandt sind. Insbesondere ist das Alter der Regenbogenfische (im weitesten Sinne) umstritten. Neuere Untersuchungen scheinen zu belegen, dass diese Fische sehr viel älter (im evolutionären Sinn) als bisher angenommen sind und eventuell doch ein gemeinsamer Vorfahre in den Süßgewässern des Urkontinents Gondwana vorkam.

Viele Bedotia-Arten gelten als gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht! Eingeschleppte Arten, wie z.B. Schlangenkopffische und Lebendgebärende Zahnkarpfen breiten sich in den Heimatgewässern der Ährenfische aus, aber weit schwerwiegender bedroht die zunehmende Abholzung des Regenwaldes die Fische. Dadurch wird ihnen eine wichtige Lebensgrundlage entzogen, nämlich Anflugnahrung in Form von Insekten.

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Durch meine Mitgliedschaft in der Internationalen Regenbogenfischgesellschaft konnte ich neben Bedotia madagascariensis schon Bedotia marojejy, Bedotia longianalis, Bedotia spec. "Ankavia"und Bedotia spec."Namorona" halten und vermehren. Die 3 letztgenannten Arten befinden sich aktuell in meinem Bestand.

Die Pflege ist nicht schwierig. Die etwa 10 Zentimeter großen Fische benötigen geräumige Becken mit vielen Pflanzen als Versteckmöglichkeiten, da die Männchen bei der Balz manchmal etwas ruppig werden können. Wie bei anderen Regenbogenfischen ist eine Temperatur von 20 - 24° C anzustreben, mittelhartes Wasser bei einem neutralen pH-Wert ist im Aquarium ausreichend. Sie sind Allesfresser und stürzen sich gierig auf alle angebotenen Futtersorten, wobei Lebendfutter besonders gern gefressen wird. Da Anflugnahrung in der Natur die Hauptnahrungsquelle ist, sollten auch die Aquarienfische mit Insekten verwöhnt werden. Sogar größere Brocken wie Wespen oder auch Wasserasseln und Gammarus (wenn auch keine Insekten!) werden problemlos bewältigt. Vorsicht ist vor einer Überfütterung geboten. Wie auch bei anderen Regenbogenfischen sollte man ausgewachsene Ährenfische ein bis zwei Tage in der Woche überhaupt nicht füttern.

Die Zucht ist ähnlich einfach wie bei Regenbogenfischen. Ich setze meist ein Männchen mit zwei bis drei Weibchen in ein 60 oder 100-Literbecken. Diese Becken sind vollständig eingerichtet und mit vielen Pflanzen versehen. Hauptsächlich verwende ich dafür Farne, Moose und Anubias, die sich bei Fischfang leicht entnehmen und wieder platzieren lassen. Vor dem Einsetzen der Zuchttiere wird ein großzügiger Wasserwechsel vorgenommen. Nach etwa einer Woche werden die Zuchttiere wieder entfernt und dann dauert es meist nicht lange und die ersten Larven sind zu sehen. Durch die eingerichteten Becken finden die Larven sofort kleinste Lebewesen im Becken. Ich füttere dann mit Flüssigfutter, feinstem Trockenfutter und Essigälchen. Auch gefrorene rote Rädertierchen werden schon nach einigen Tagen gefressen. Je nach Angebot in der Natur kommt dann auch bald feinst gesiebtes Tümpelfutter dazu. Das Wachstum ist schnell und oft zügiger als bei Regenbogenfischen.

Leider werden Bedotia nur von wenigen Aquarianern gehalten und wohl durch die geringe Zahl der Populationen ist es bei einigen Arten zu Nachzuchtproblemen oder auch zum gänzlichen Verschwinden aus unseren Aquarien gekommen.


Literatur

Goodman, Steven M.  & Jonathan P. Benstead: The Natural History of Madagascar, The University of Chicago Press, Chicago 2003

Loiselle, Paul & Damaris Rodriguez: A new species of Bedotia (Teleostei: Atherinomorpha: Bedotiidae) from the Rianila drainage of Eastern Madagascar, with redescriptions of Bedotia madagascariensis and Bedotia geayi. In: Zootaxa. Nr. 1520, 2007

Mailliet, Christophe - Madagaskars unbekannte Regenbogenfische (Amazonas 46, März-April 2013)

Sparks, John. S. & W. Leo Smith: Phylogeny and biogeography of the Malagasy and Australasian rainbowfishes (Teleostei: Melanotaenioidei): Gondwanan vicariance and evolution in freshwater in Molecular Phylogenetics and Evolution. Nr. 33, 2004

Unmack, Peter J. & GR Allen, JB Johnson: Phylogeny and biogeography of rainbowfishes (Melanotaeniidae) from Australia and New Guinea, Molecular Phylogenetics and Evolution 67 (1), 2013

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Chilatherina fasciata Pagai Village              Bedotia sp Namorona

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Melanotaenia australis                                   Melanotaenia boesemannii

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Melanotaenia bowmani                                  Melanotaenia macculochi

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Melanotaenia ogylbi                                        Melanotaenia parva

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Melanotaenia synergos                                   Melanotaenia trifasciata

Inhaltsangabe

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